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Aber warum konnte sich die Große Insel - trotz ihrer Nähe zu den Millionenmetropolen Rio de Janeiro und Sao Paulo - ihre Artenvielfalt und Naturschönheiten bis heute bewahren? 

Die Antwort liegt in ihrer düsteren Geschichte, die bis in unsere Tage reicht. Kurz nach ihrer Entdeckung durch die portugiesischen Eroberer Brasiliens setzten sich nicht Siedler auf ihr fest, sondern Piraten aus aller Herren Länder. Die zahlreichen verschwiegenen Buchten der Insel waren ideale Verstecke für die vor allem holländischen, französischen und englischen Freibeuter, die es auf die Goldschiffe der Portugiesen abgesehen hatten.

Mit dem Ende der Freibeuterei wurde Ilha Grande dann Umschlagplatz für die aus Afrika anreisenden Sklavenschiffe. Immer wieder konnten sich dabei Schwarzafrikaner befreien und in den Wald der Insel flüchten. Dort gründeten sie, von der dichten Vegetation verschluckt, schwarze Dorfgemeinschaften, die sogenannten Quilombos. Klar, dass sich deshalb "ehrbare", brasilianische Siedler und Bürger lange Zeit nicht in die Wälder und kleinen Buchten der Insel trauten.

Brasilien: Ilha Grande - Gefängnis
Eine einsame, vor Jahren verlassen Kapelle
auf der Ilha Grande

Das vielleicht grausigste Kapitel in der Geschichte der Ilha Grande beginnt jedoch später, zur Zeit des 2.Weltkriegs im Jahre 1940. Damals richtete die brasilianische Regierung das berüchtigte Strafgefangenenlager von Candido Mendes, die Colonia Penal de Candido Mendes im nordöstlichen Teil der Insel ein. Bis Ende der 80er Jahre wurden dort von der harten und prüden brasilianischen Militärregierung kritische Journalisten wie Fernando Gabeira oder auch Homosexuelle zusammen mit tatsächlichen Schwerverbrechern gefangen gehalten und misshandelt. Seit die Präsidenten Brasiliens wieder vom Volk gewählt werden, saßen nur noch "gewöhnliche" Häftlinge in der Colonia Penal de Candido Mendes ein. Doch seit sechs Jahren ist auch damit Schluss. Am 3. April 1994 wurde die Strafanstalt - am einst verbotenen Strand von Candido Mendes - gesprengt und die letzten Insassen auf andere Gefängnisse auf dem Festland verteilt. Statt immer neuer Häftlinge kommen nun - ganz zwanglos - immer mehr Touristen an den Strand der ehemaligen Strafgefangenenkolonie.




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