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Die Spinnenaffen der Mata Fria

Versteckt im Bergwald von Caparao gibt es zahlreiche Grotten und Felsüberhänge. Einer von ihnen bietet Schutz für unser erstes Nachtlager. Zum Abendessen gibt es vorgekochten Reis mit schwarzen Bohnen und Farina, geröstetes Maniok-Mehl. Dazu trinken wir frisches Quellwasser. Als Nachspeise essen wir die unterwegs gesammelten Früchte der Maracuja-do-Mato, die eine wilde Form der Passionsfrucht Maracuja ist.

Am nächsten Tag wird der Weg steiler. Gegen Mittag erreichen wir auf etwa 2.000 Höhenmetern die Zone der Mata Fria, was "kalter Wald" bedeutet. Die Mata Fria ist ein Zauberwald mit Bäumen, die niedriger sind als in der Mata Atlantica der unteren Gebiete, doch noch schwerer beladen mit Bromelien, Farnen und Orchideen. Hier ist die Zone mit den höchsten Luftfeuchtigkeitswerten in der Serra do Caparaó.

Brasilien / Caparao / dichter Regenwald

Die Mata Fria ist aber auch Rückzugsgebiet der Mono Carveiros. So nennen die Einheimischen die zur Familie der Klammeraffen gehörenden, größten Primaten Südamerikas: die Spinnenaffen. Wie viele Exemplare dieser über einen Meter großen Primaten im gesamten Gebiet des Nationalpark von Caparaó eine Überlebensinsel gefunden haben, ist unbekannt. Hier oberhalb des Rio Calcado soll es zumindest eine Horde mit etwa 20 Tieren geben. Aber während wir in den unteren Regionen ab und an kleine Kapuzineraffen im Geäst beobachten konnten, bleibt uns das Glück, den Spinnenaffen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, verwehrt. Gleiches gilt leider für die fast gleich großen Neuweltaffen, die die Einheimischen hier Murikis oder Mono Branco nennen. Auch eine Horde Murikis soll hier leben, doch nur Kot und Reste ihrer in Form von Bromelien bestehenden Mahlzeiten beweisen zumindest, dass diese geheimnisvollen Primaten da sind, irgendwo verborgen in den Baumkronen oder in einer der zahlreichen Höhlen?

Das letzte Camp schlagen wir auf rund 2.300 Höhenmetern auf, direkt unterhalb des Granitblocks des Pico da Bandeira. Hier breitet sich eine gänzlich andere Welt aus, die nichts mehr mit dem üppigen Grün des Regenwaldes gemein hat. Auf dem felsigem Boden der offenen Hochebene wachsen nun niedrige, kriechende Pflanzen: Gräser, Flechten, Moose, Orchideen, Farne sowie Pflanzen, die wie zwergenhafte Palmen aussehen. Dieses Ökosystem der Gipfelregion wird als Rasteira-Vegetation bezeichnet.




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