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Am Rand des Nationalparks wächst der Kaffee

Brasilien / Caparao / Bergwelt
Wo der Kaffee Arabica wächst -
in den Bergen von Caparao

Der Nationalpark beginnt nur ein paar Fußminuten im Westen gleich hinter dem Dorf, im Tal des Rio Santa Marta. Ausgangspunkt für die abenteuerliche Wanderung zum Pico da Bandeira ist allerdings das etwa fünf Kilometer entfernte Tal des Rio Calcado: Eine Wegstrecke, die wir am frühen Morgen hinter uns bringen ehe die Hitze des Tages da ist.

Noch ist die hügelige Landschaft um uns herum von Kaffee-Plantagen geprägt, zwischen denen ab und an Mais gepflanzt oder Bananen gepflanzt sind. An manchen Stellen säumen alte Avocado-Bäume den "Feldweg".

Brasilien / Kaffee-Arbeiter
Kaffee-Arbeiter - für die schwere Arbeit im "Kaffee"
gibts nur wenig Geld

Dann hinter der letzten Biegung ist er plötzlich, vollkommen übergangslos da: der Bergregenwald. Wie mit einem Messer gezogen ragt das üppige Grün entlang der auf dem Reißbrett gezogenen Nationalparkgrenze auf. Eine etwa 20 Meter hohe Wand aus Pflanzen, die uns widerspruchslos aufnimmt, verschluckt. Plötzlich wird das Atmen schwerer, Wärme und Luftfeuchtigkeit lassen den Schweiß von unseren Gesichtern rinnen. Der dicht mit Farnen, Bromelien, Flechten und Orchideen überwucherte Wald lässt kaum Licht hindurch. Wer fotografieren will, braucht ein Stativ, einen empfindlichen Film oder ein gutes Blitzlicht. Ein Weg ist kaum zu erkennen. Frisches Grün hat ihn überwuchert. Wir haben die Illusion, als wäre vor uns noch niemand durch diesen Wald gegangen. Ab und zu versperren umgefallene Baumstämme, mit Widerhaken bewerter Bambus oder armdicke Lianen den Weg. Dann muss das Facao, das brasilianische Buschmesser ran. Die Hindernisse im Weg verlangsamen unser Tempo, was uns nur recht ist. Wir brauchen uns nicht zu beeilen. Vorsichtig tasten wir uns durch diese "Urwelt". "Wer schnell ist, könnte in zwei Tagen zum Pico hinauf und wieder hinunterhetzen", sagt unsere Waldführerin Merlania. Doch wir haben uns vier Tage Zeit genommen.

Der Bergregenwald im Westen von Espirito Santo ist an Artenvielfalt kaum zu übertreffen. Er ist ein grünes Universum, das sich einem erst mit der Zeit erschließt. Da taucht eine herrlich blutrot überlaufene Bromelie aus dem Grün heraus. Ein seltsam grau-gelber Frosch schwimmt in ihrem mit Regenwasser angefüllten Kelch.

Brasilien / Caparao / Bromelie

Dann lockt eine Orchidee mit großen violetten Blüten den Blick, und ein stahlblauer Morphofalter flattert wie in Zeitlupe mit seinen Untersetzer großen Schwingen vor uns hin und her. Einmal lugte aus dem Grün eine etwa 50 Zentimeter kleine, schwarz-weiß-rot quer gestreifte Coral hervor. Sie ist eine der giftigsten Schlangen der Region, und dennoch keine wirkliche Gefahr für den Menschen. "Sobald sie uns bemerkt verschwindet sie", erklärt Merlania. Außerdem ist ihr Mund sehr klein, sodass sie Menschen kaum in den Finger, geschweige denn in den Fuß beißen kann. Viel gefährlicher sind da schon eher die eindrucksvollen bis etwa fünf Meter hohen Baumfarne. Denn ihre Stämme sind mit drei bis fünf Zentimeter langen, messerscharfen Spitzen bewehrt, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. Auch der Biss mancher Ameisenarten kann schmerzhaft sein. Deshalb heißt die wichtigste Vorsichtsmaßnahme in der Mata Atlantica: Die Finger von allem lassen, was man nicht 100-prozentig erkennt.




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