Mit 16.000 Quadratkilometern ist diese grandiose Lagunenlandschaft inmitten wilder Urwälder aus Teak- und Ebenholz das größte Binnendelta der Welt, das gespeist wird aus dem in Angola anschwellenden Okavango River und das Anfang des neuen Jahres, ganz unspektakulär wieder verschwunden sein wird. Zurück bleiben Gräben, Pfützen und Seen, in denen das Gras schnell wieder vertrocknet und zustaubt und selbst die Shepardsbüsche, deren Millionen winziger gelber Blüten einen durchdringenden Zitronenduft verbreiten, werden alle Blätter verlieren und eintrocknen. Doch jetzt dehnt sich das Delta noch aus, wie die tastenden Finger einer Hand. Hier gluckert das Wasser erst tellergroß, dann wächst es sich zu einem See aus, der überfließt in flußbreite Wasserläufe.

Okavango, Botswana

Dunkelblau schimmert das Wasser je nach Stand der Sonne, mal grün, mal brackigbraun und rötlich an den Rändern. Meterhohes Belusagras ist von der Hitze der Sommersonne verdorrt und bedeckt trockenen Grund als ein welliger orangefarbener Teppich. Dazwischen sprießt frisches Lechwegras hervor und das Papyros treibt kleine scharfe Spitzen. Tiefdunkle Erdfarben beherrschen die Landschaft bis ins Unendliche, wie mit meterbreiten Pinselstrichen aufgetragen und immer wieder unterbrochen von flirrendem Wasser.

Beim Näherkommen wird man der Schatten gewahr, die einzelne Baumgruppen über die glitzernde Wasserwelt legen und dann lösen sich vorwitzige Giraffenköpfe aus dem Blättergewirr der Kronen, während aus den Seenoberflächen dicke Hippopotomusköpfe prustend auftauchen. In den Wasserfontainen,die sie dabei produzieren, spiegelt sich die Sonne in allen Kaleidoskopfarben. Lechwe Antilopen äsen die frischen Pflanzen am Grund eines Tümpels, Warzenschweine suhlen sich im Matsch der Ufer und eine Herde Büffel zieht weiter zur nächsten großen Wiese. Ein verschlafener Leopard räkelt sich in den Ästen eines Mopanebaumes und läßt sich auch durch das ohrenbetäubende Gekreisch einer Baboonfamilie nicht stören, dabei sind Paviane die Lieblingsspeise eines jeden Leoparden. Auf einer langgestreckten Insel zwischen zwei Flußläufen haben Löwenweibchen einen Buschbock erlegt. Längst schon haben die herbeigeeilten männlichen Patrone ihren Anteil an der Beute verschlungen und liegen schlafend im Schatten einiger Büsche. Auch die Jungen des Rudels sind satt und wie zu kleinen Fellknäueln im Schlaf zusammengerollt. Hyänen sind herbeihinkt und streiten mit Scharen von Geiern um den Rest des Aas und von der gegenüberliegenden Seite des Flusses schwimmen drei halbwüchsige Löwen herbei. Wann hat man Löwen je schwimmen sehen? Am Ufer eines Flußlaufes nimmt eine Herde Elefanten Aufstellung. Der alte Bulle im angemessenen Abstand zu den Kühen und deren halbwüchsigen Youngstern, gemächlich saufend, rüsselschlenkernd, wasserspritzend und sich zum Schluß des Bade– und Trinkvergnügens penibel von hinten bis vorne mit Staub bepudernd. Achtzigtausend dieser grauhäutigen Riesentiere leben unbehelligt in der Weite des Landes und deshalb nennt man Botswana auch "Elefantenland". Daran hat sich auch nichts geändert, seit dem 1. Januar 2001 die (staatlich kontrollierte) Jagd auf die Elfenbeinträger wieder statthaft ist. Denn die Population der Elefanten soll hier nur minimal dezimiert werden – Botswana ist durch die Diamantenvorkommen reich genug, um seinen Staatshaushalt nicht durch Elfenbeindollar aufbessern zu müssen und Botswana ist flächenmäßig groß genug, als daß Gebietsansprüche von Menschen und Tieren kollidieren würden.

Wie hatte Xetu, der Bushman gesagt? "Uns wird es solange geben, wie wir Wild zum Jagen haben, Ruhe zum Leben und Platz zum Wandern." Wohl denn, in Botswana gibt´s von allem reichlich.

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