In ein paar Monaten, wenn die Regen begonnen und sich die Pfannen mit Wasser gefüllt haben, werden riesige Zebraherden hierherziehen, Antilopen und Gnus, und ihnen folgen Löwen und andere Raubtiere. In dieser Zeit werden gewaltige Gewitter über der Ebene toben als grandioses Bühnenbild für die Regeneration der Natur. Doch noch ist kein Tropfen gefallen, obwohl die Luft, die letzte Woche noch schwer gewesen war von flirrendem Staub, mit einem Mal nach feuchtem Moder riecht.
Xetu legt sich flach auf den Boden, er preßt sich an die Erde, riecht an ihr, lauscht in sie hinein, und er bedeutet uns, es ihm nachzutun. Er riecht das Wasser, sagt er, weit weg, dort im Westen, wo er beim letzten Mondwechsel seine gemächlich ziehende Familie verlassen hat und zur Jagd voraus geeilt ist. Er erzählt von dem dunklen Rot der Kalahari Dünen dort in Namibia und beschreibt die Veränderung der Vegetation auf seinem Weg hierher. So ist demnach die prähistorische Landschaft des Deception Valleys, die den botswanischen Teil der Kalahari Wüste umschließt, schon heute von einem dunkelgrünen Teppich aus Bosciagras und den karmesinroten, hellbraunen und goldenen Blüten winziger Sukkulenten bedeckt, obwohl die Regenzeit erst in Angola, viele hunderte Kilometer nördlich, begonnen hat. Xetu deutet auf seine Nase und sagt, daß auch die Erde den Regen riechen kann und die Luft zwischen den Distanzen.
Plötzlich jedoch drückt der Bushman, dessen Rede und dessen Antworten auf viele Fragen übersetzt worden waren, dem sprachkundigen Weißen die flache Hand auf die Brust, während er sich abrupt aus seiner Hockstellung erhebt. Er muß weiter, er deutet nach Irgendwohin. Und nach einem weiteren Gruß ist er so schnell verschwunden, wie er vor einer Stunde aufgetaucht war. Dabei sollte man ihn in der Weite der Ebene doch sehen können! Nur die Klicklaute seiner Sprache klingen nach und die Bilder, die er beschrieb, lassen nicht los.
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