DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Inkas, Lamas, Cocablätter

 Am Titicaca-See in den bolivianischen Anden

Text und Fotos: Axel Scheibe

Bolivien Titicaca Bootsanleger

Geheimnisvolle Schattenspiele werden vom flackernden Licht des Feuers auf die grob behauenen Balken und Ziegelmauern des Raumes geworfen. Die Luft ist geschwängert von fremdartigen Gerüchen. Dutzende Fläschchen, Dosen und Schalen mit Kräutern und Essenzen sorgen für einen weiteren Schuss Mystik. Noch ehe der Medizinmann den Raum betritt, sind die Gäste aus dem fernen Europa in der Zauberwelt indigener Kultur gefangen.

Dann endlich ist es soweit. Tata Lorenzo schlurft durch die Tür. Gemäß den Mythen und Erfahrungen seiner Vorfahren ist er der wichtigste Kallawaya des kleinen Andendorfes Hatajata am Ufer des Titicaca-Sees. Cocablätter kauend, murmelt er fast beschwörerisch nicht übersetzbare Formeln.

Bolivien Titicaca alter Mann
Warm und bunt: die traditionelle Indio-Kleidung

Als Medizinmann gehört er zum Kreis der Eingeweihten. Über Jahrhunderte zogen seine Vorfahren durch die Andenregionen von Dorf zu Dorf, um mit ihren Kenntnissen der Götter- und Geisterbeschwörung sowie der natürlichen Heilkraft von Blättern und Blüten zu helfen, wo Hilfe gebraucht wurde. Wenn auch heute das Wissen über die Errungenschaften der modernen Schulmedizin bis weit in die letzten Dörfer vordringt, so ist die Kallawaya-Medizin für viele Indios noch immer das Mittel ihrer Wahl. Und das nicht nur, weil es in den schwer zugänglichen Hochgebirgsdörfern kaum Krankenstationen und Ärzte gibt. Als Alternative zur Schulmedizin gewinnen ihre natürlichen Heilmethoden selbst bei Menschen der sogenannten zivilisierten Welt mehr und mehr an Bedeutung.

Bolivien Titicaca Kordillere
Schneebedeckte Kordillere: ab 4.000 Meter geht´s erst richtig aufwärts

Dort freilich ohne die mystische Verpackung, die für den Dorfschamanen Tata Lorenzo dazugehört und die wohl auch für die Touristen besonders spannend ist. Wie alle Kallawaya besitzt der alte Mann am Feuer, der sich in seinen Poncho eingewickelt hat - Nächte in knapp 4.000 Meter Höhe werden bitter kalt - die Gabe, aus dem heiligen Coca-Blätter-Orakel die Zukunft vorauszusagen. Einige mutige Gäste nutzen die Chance, in „privaten Sitzungen“ mehr über das zu erfahren, was ihnen bevorsteht. Ob es ihnen wirklich hilft? Für die anderen Touristen öffnen sich die Tore zum Altiplano Museum. In dicke Jacken gehüllt, der Mond steht hoch über dem Titicaca-See und der eiskalte Hauch der Andennacht hat sich über den Andean Roots Cultural Complex gelegt, geht es auf eine Reise in die Geschichte und das Brauchtum Boliviens.

Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 (Infos) / zur Startseite



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel

Reiseveranstalter Bolivien




Twitter
RSS