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Zur Isla Pescado

Zwei Stunden vor Tagesanbruch klingelt der Wecker. Mit Handschuhen, Daunenjacke und Stirnlampe packen wir unsere Ausrüstung auf das Autodach. Die Vorfreude auf einen Sonnenaufgang an der Isla Pescado, einer kleinen Insel mitten im Salar, ist groß. Wie im Helikopter über die Arktis gleitet unser Wagen vollkommen erschütterungsfrei über die weiße Ebene. Keine Straßen, keine Schilder, nichts Vertikales, wir scheinen wirklich zu fliegen! Sprachlos blicken wir durch beschlagene Fenster. Es dämmert bereits. Die Insel, die wir schon vor einer halben Stunde zum ersten mal erblickt hatten, scheint nicht wirklich näher zu kommen. Bei solch klarer Luft täuscht der Raum das Hirn, die Zeit und die Entfernung. Doch auf einmal liegt sie vor uns, die Isla Pescado, wie ein Krokodil auf weißem Zucker. Den Rücken bestückt mit pelzigen Kakteen. Wir steigen aus und sind allein, als die Sonne ihre ersten Strahlen über den Horizont schickt. Unsere Schatten sind kilometerlang! Wabenartige, Quadratmeter große Netzstrukturen aus Salzkristallen erstrecken sich bis ins Unendliche. Da bin ich auf einmal Teil einer surrealen Bilderwelt, wie sie den Gedanken eines Dalí entspringen mochte, während mein Kopf mich fortwährend in verschneite Pol-Landschaften schicken will, in Erwartung von Walen, die durchs Packeis brechen. Ich bin fasziniert und fühle mich ganz klein beim Eindruck und der Schönheit dieses Morgens.

Isla Pescado, Bolivien
Wanderung an der Isla Pescado

Beeindruckende Einsamkeit

Einige Stunden halten wir uns hier auf, erklimmen die Insel und umrunden sie, und fahren, bevor die ersten Autos mittags auftauchen werden, weiter Richtung Westen, wiederum abseits der üblichen Route. Der Rest des Tages führt uns durch aride, staubige Gras- und Gerölllandschaften, öde und doch beeindruckend durch ihre Einsamkeit. Eine angenehme Bleibe für die Nacht findet sich bei Teofilo Yucra im kleinen Dorf San Juan mit seinen Häusern aus Adobe, getrocknetem Lehm mit Stroh, und den Dächern aus Pajagras. Am nächsten Tag erreichen wir Vormittags den rauchenden Vulkan Ollagüe. Zum ersten mal sehen wir andere Fahrzeuge am mirador, dem Aussichtspunkt. Wir lassen alle passieren und fahren nach ein, zwei Stunden hinterher. Es ist der Tag der Lagunen. Die Lagunen geben dem Altiplano mit ihrem Wasser das Leben, und die in ihnen gelösten Mineralien lassen sie teilweise in unglaublichen Farben erleuchten. Eingebettet liegen sie zwischen hohen Gipfeln, türkis, blau, ultramarin, kupfergrün bis rostrot, nur mühsam zu erreichen über holprige Wege und Pässe in fast 5000 Metern Höhe. Die Autofederung und unsere Hinterteile müssen einiges erdulden und manchmal weiß man nicht, wer lauter ächzt. Wir durchqueren die Pampa Siloli, ein wüstenartiger, unfruchtbarer Höhenlandstrich, der so rau ist, dass weder Tiere noch Pflanzen gedeihen können, bis wir abends bei stürmischem Wind unser Camp vor der Laguna Colorada erreichen. Die einfachen Holzbehausungen und die klirrende Kälte lassen einen an Wodka, traurige Lieder und Sibirien denken. Rot und violett verabschiedet sich der Tag.

Altiplano, Bolivien
Yareta-Moos in 4500 Meter Höhe

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