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Schilfbootbau am Titicacasee

Wenn man Copacabana mit einem Sammeltaxi Richtung Norden verlässt, kommt man nach einiger Zeit in den kleinen Ort Sicuani. Hier treffe ich die Ehefrau von Señor Hilario Quispe, einer der wenigen, die noch das traditionelle Handwerk des Schilfbootbaus beherrschen. Ich begleite seine Frau zum Ufer des Sees, der für soviele Kulturen der Himmel der Götter war, Geburtsort der Erde, der Sonne und der Sterne. In einem für diesen See so typischen Totoraboot paddeln wir auf türkis- und dunkelblauem Wasser auf eine Landzunge zu. Und ich erfreue mich an der wunderbaren Unbeschreiblichkeit des Seins. Nach einer Weile treffen wir ihren Mann, den Bootsbauer. Er steht am Ufer und lässt mit seiner Steinschleuder Wasserringe entstehen. Herzlich werden wir empfangen und schon nach kurzer Zeit vertraut er mir seine Visionen an, hier einen Ort für viele, viele Touristen entstehen zu lassen. Mit Zeltplätzen und Anlegestellen. Ich wünsche ihm viel Glück, hoffe aber insgeheim, dass sein Traum nicht allzu schnell in Erfüllung gehen möge. Nicht zuletzt, weil es bedeuten würde, dass ein weiterer Bootskonstrukteur sein Handwerk aufgibt.

Titicacasee, Bolivien
Im Totora-Boot auf dem Titicacasee unterwegs

Hochzeit in Copacabana

Zurück in Copacabana wird eine Hochzeit gefeiert. Schon seit Tagen zieht eine Blaskapelle mit einem Drei-Lieder-Repertoire durch die staubigen Gassen. Doch mit jedem Tag mehr scheint sich der Alkohol gegenüber den Noten durchzusetzen und die Darbietung der Melodien wird schräg und schräger. Heute am Abend der Hochzeit bin ich eingeladen, in der offenen Dorfhalle mitzufeiern. Es wird getanzt und unglaublich viel getrunken. Frauen drehen sich wie Kreisel in reich verzierten Wollumhängen, ihre Männer, in feinsten Anzügen, klatschen dazu.

Am Titicacasee, Bolivien
Hochzeit in bunten Llicllas (Webtücher), Copacabana

Die Kapelle ist trotz geschätzter 3,0 Promille noch immer nicht am Ende und ich bekomme eine chicha, ein fermentiertes Maisgetränk, nach der anderen gereicht. Irgendwann ist zumindest für mich Schluss. Ich wanke mit etwas Schlagseite Richtung Bett und auf einmal sind sie wieder da. Ich brauche noch nicht einmal den Blick in den Himmel zu werfen: die Sternchen von La Paz.

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