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Auf zum Titicacasee

Am nächsten Morgen geht es früh raus. Ich sitze im Bus und die Fahrt geht zum Pilgerort Copacabana am Titicacasee. Einer Legende nach verließen einst drei Männer Copacabana Richtung Rio de Janeiro und aus Heimweh und zu Ehren der hiesigen Jungfrau errichteten sie dort in Strandnähe eine kleine Kapelle, die diesem Ort den heute so weltbekannten Namen gab. Gegen Mittag erreichen wir unser Ziel und ich entschließe mich, für gut eine Woche das Leben der 1000-Seelen-Gemeinde zu erkunden.

Copacabana, Bolivien
Copacabana vom Horca del Inka gesehen

Beschauliches Copacabana

Die meisten Reisenden verbringen hier höchstens zwei Tage mit Besuch der Isla del Sol bzw. sind auf der Durchreise von oder nach Peru. Doch wenn man Zeit hat, lohnt es sich auf jeden Fall ein paar Tage länger als geplant zu bleiben und sich im fast mediterranen Klima in 3800 m der Sonne näher zu fühlen als der Erde. Und dazu gibt es keinen besseren Platz als das Hostal "La Cúpula" am Fuße des Kreuzberges, bestimmt einer der angenehmsten Orte, in Bolivien die Nacht zu verbringen. Den Inhaber Martin Strätker hat es vor ein paar Jahren aus dem Ruhrgebiet hierhin verschlagen und aus einer fixen Idee entstand ein wunderbar ruhiges Haus mit zwei markanten, weiß getünchten arabischen Kuppeln. Es beherbergt ein nettes Restaurant, ein Lesezimmer, eine kleine Küche, Waschgelegenheiten und ein paar kleine und große individuell eingerichtete Zimmer mit Aussicht auf den Lago Titicaca und Copacabana. Der beschauliche Ort wird überragt von der im Barock- und Renaissancestil errichteten Kathedrale. Jeden Samstag und Sonntag finden auf dem Vorplatz festliche Autoweihen statt. Dann stehen hier in Zweier- und Dreierreihen große und kleine Wagen, geschmückt mit bunten Blumen, Miniaturfiguren und Papierrosetten und warten auf den allmächtigen Segen.

Copacabana, Bolivien
Ein indianischer Hohepriester gönnt sich einen Schluck Bier

Franziskanerpater Bernardino gibt alles! Der 87-jährige macht sich einen Spaß daraus Mensch und Maschine mit einer Flut aus geweihten Wassertropfen zu benetzen, und wer nicht andächtig genug dreinschaut bekommt eine Extraladung auf den geneigten Kopf. Weiter oben am Kreuzberg geht es anders zu. Dort vermischen sich indianische und christliche Glaubensvorstellungen. Yatiris, indianische Priester und Wahrsager, begleiten einen auf den Weg ins Übersinnliche. Die Reise wird erleichtert und Götter gnädig gestimmt durch Trinken und Versprühen mehrerer Flaschen Bier, während etwas abseits Jesus in einer Schatulle unbeeindruckt vor sich hinschlummert. Auch ich bekomme eine Bierdusche ab und man wünscht mir Wohlstand und Gesundheit. Dabei schaut mich der Hohepriester mit seinen bierdämmrigen Augen an...

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