DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Wir richten unser Lager für die Nacht her. Die vorhandenen Moskitonetze werden notdürftig mit Lassoband geflickt, die Matratzen sind und bleiben feucht. Nasses Laub wird gesammelt und angezündet, Fackeln aufgestellt, Bittgebete gen Himmel gesandt - doch die Mücken geben keine Gnade. Selbst beim Pinkeln heißt es hüpfen, springen, drehen. Ein skurriles Männerballett im Schein der Dämmerung. Wenigstens versichern uns unsere Bolivianer mit allen Schwüren, dass sie soviel Mücken auch noch nicht erlebt hätten. Hastig wird das Abendessen heruntergeschlungen, um danach ins frischgemachte Buschbett zu hüpfen. Wehe dem, der heute Nacht zu nah mit seinem Arm oder noch etwas Besserem am Moskitonetz schläft. Wehe dem, der beim Abendessen vielleicht ein Glas Bier zu viel getrunken hat und den die Blase dann in die gemeine Dunkelheit treibt... Das Summen der Mücken unter der Plane ist unvergesslich. Im Schein des Feuers schlafe ich ein.

Bolivien
Unser Nachtlager am Fluss

Am nächsten Morgen ist mein Netz übersät mit schwarzen, kleinen Kommas. Ich zähle ca. 60 Mücken pro Quadrat-Dezimeter. Das heißt: unter der 6 x 3m großen Plane schwirren mal gut 100,000 Tiere herum. Also schnell eine Überdosis Insektenspray hinter die Ohren und nichts wie weg hier!

Wir begegnen Delphinen im Morgenlicht, Affen bei irrwitzigen Verfolgungsjagden und wieder Tausenden von Vögeln. Doch irgendwann spuckt uns das Wasserlabyrinth wieder aus. Mit dem Gefühl, dem Paradies gerade noch einmal entkommen zu sein fahren wir zurück. Mit dem unguten Gefühl, dass hier am Río Yacuma, immer mehr Besucher mit ihrem Wunsch mal eine Anaconda um den Hals zu tragen oder einen der Sumpfführer mit einem Krokodil kämpfen zu sehen, dafür sorgen werden, dass es vielleicht bald keines mehr gibt.

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