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Bolivien

Teil 4: Flucht aus dem Paradies

Text und Fotos: Andreas Koslowski

Das Wetterleuchten am Südost-Himmel verspricht Regen für die Gebiete am Oberlauf des Rio Beni. Ich stelle mir vor, wie das Wasser vor die Hänge der Anden klatscht und in rasenden Sturzbächen jeden noch so träge dahinfließenden Fluss zum Brodeln bringt. Auf unserer Heimfahrt nach Rurrenabaque ist der Rio Beni auch sichtbar angestiegen; in seinem karamellbraunen Wasser treiben unzählige, heimatlos gewordene Äste und Bäume flussabwärts. Ab und zu kracht es unter dem Bug, wenn wir einen der vollgesogenen Stämme nicht rechtzeitig bemerkt haben. Es ist September und eigentlich ist die Zeit der starken Regenfälle schon längst vorbei und die Monate des chaqueo stehen an - dem Niederbrennen von Weideland. Der dabei entstehende Rauch lässt es tagelang finster werden, und es fällt schwer zu atmen.

Graureiher, Bolivien
Von Ast zu Ast: ein Graureiher

Wir verlassen Rurrenabaque auf dem Landweg Richtung Santa Rosa. Wellblechpiste. Drei bis vier Stunden dauert die Fahrt Richtung Osten. Zunächst durch Busch- und Niederwaldvegetation, später passieren wir kleine Flüsse, Sumpfgebiete und Seen. Santa Rosa ist recht unspektakulär. Neben den typischen Lehmhäusern des Beni-Tieflandes mit ihren Dächern der Motacu-Palme, ist nur noch die cervecería, also die Bierbude, erwähnenswert. Hier treffen wir unseren Sumpfführer Larry (Miky) Ballon. Bedeckt und unangenehm schwül ist es in Santa Rosa. Wir fahren mit Miky zu seinen zwei Brüdern, die schon mit heißer Gemüsesuppe in ihrem Haus auf uns warten. Kann es eine bessere Abkühlung geben? Ein weiterer Umstand spricht ebenfalls nicht für einen Gute-Laune-Tag und lässt die bösesten Vorahnungen für unsere anstehende Sumpftour aufkommen. Selbst hier schon wimmelt es nur so von Mücken. Mücken von der Sorte, die schon am helllichten Tage zu Hunderten hinter dir her sind. Wenigstens sind diese Tagesstecher keine Malariaüberträger, die kommen nur in der Dämmerung. Ich spraye mir eine 28%-ige DEET-Lösung auf Arme und Beine - richtig gesund ist das nicht! So bleibt einem beim Suppe-Essen schon mal das Blumenmuster der Plastiktischdecke am Unterarm kleben. Auch beim abschließenden Kickerspiel Alemania gegen Bolivia lösen sich die Plastikgriffe langsam in meinen Händen auf. Ein Grund mehr, dass wir verlieren.

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