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Durch den Urwald

Die nächsten Tage verbringen wir damit, mit unserem Buschführer (guía) Ovideo den Wald zu durchstreifen. Vor Sonnenaufgang setzen wir mit einem Einbaumkanu auf die andere Seite des Sees über und folgen angelegten Pfaden, mehr als 25 Kilometer sind angelegt. Manchmal taucht ein einzelner Sonnenstrahl den Waldboden in ein unwirkliches Licht, während übergroße Blätter geräuschvoll niedersinken. Hier riecht es nach 20 Rosenstöcken und dort nach Pilzen und Verfall.

Im Urwald Boliviens
Affen entdeckt !

Der Weg führt immer weiter in den Wald hinein. Wir überqueren barfuss einige kleine Bäche, immer einen Stock in der Hand, um uns abzustützen und versteckte Stachelrochen, pacú, aufzuscheuchen. Ab und zu bleiben wir stehen und lauschen ins Grün. Wir sind Gäste in einer Welt von Zikaden. Das klingt wie in einem Sägewerk oder wie eine überlastete Oberleitung. Oder dort: der Bohrmaschinenprüfstand von Black&Decker. Ein Surren, Zirpen, Schwirren ohnegleichen. Dann, ein neues Geräusch - Affen! Spider-Monkeys turnen in den Wipfeln. Ohne Ovideos geübten Blick hätten wir sie nicht entdeckt. Kurze Zeit später hören wir laut schreiend ein Paar Aras über unsere Köpfe zischen; zwei-, dreimal blitzt es rot auf, dann sind sie wieder weg. Schon ist man wieder alleine - meint man. Doch nur ein Blick auf den Boden gibt einem Unrecht.

Mal ein kleiner Käfer, mal zwei große; Spinnchen und Spinnen, Schmetterlinge und die, die es werden wollen; Tausendfüßler und Ameisen, so groß wie Hummeln. Oder die faszinierenden Blattschneiderameisen. Mit großem Staunen beobachten wir das Treiben einer Kolonie: Kiloweise werden Blätter eines bestimmten Baumes zersäbelt, ameisenhandlich transportiert und unter Tage befördert. Auf Ameisenautobahnen. Nach ein paar Stunden kommen wir an einen Fluss. Zig Fische sind zu sehen, blaugefärbte Falter säumen das Ufer. Hier endet der Weg und vor uns liegt Niemandsland, das Land des Jaguars, den es hier noch gibt. Wir kehren um, damit wir vor Sonnenuntergang zurück sind. Es gibt frischgefangenen Fisch. Einen Yatorana in einem mandelförmigen Patuju-Blatt - sieht aus wie Seewolf in Banane - und schmeckt köstlich! Und dazu ein solargekühltes Bier. Am letzten Abend, es ist Vollmond, paddeln wir mit dem Einbaum mitten auf den See. Windstille. Wir legen die Paddel hoch und schließen die Augen. Traum. Nachtvogelrevier. Die Temperatur liegt immer noch bei fast 30°C. Der Verrückteste unserer kleinen Gruppe springt zuerst ins dunkle Wasser. Welch eine Erfrischung! Und kleine Fische zwicken einem an den Waden. Da leuchtet einer von uns mit der Taschenlampe ans Ufer. Wie gespenstisch! Es funkelt hellgrün. Es sind die Augen von kleinen Krokodilen...

Rio Tuichi, Bolivien
Fahrt mit dem Einbaum auf dem Rio Tuichi

Es ist zwei Stunden vor Sonnenaufgang: Wir schälen uns aus den Mahagonibetten, den bequemsten im ganzen Amazonasgebiet. Zeit zum Aufbruch. Sieben Tage sind wir jetzt hier und haben alle Mücken und Krokodile überlebt. Mit Stirnlampen ausgerüstet machen wir uns auf den Weg zurück zum wartenden Boot. Ein sehr seltener Buschhund kreuzt zum Abschied noch unsere Route. Wir schieben mit allen Kräften das Längsboot ins Wasser und flussabwärts geht es wesentlich schneller zurück nach Rurrenabaque, als auf der Hinfahrt. Unbeabsichtigt erschrecken wir noch zwei Tapire bei der Morgentoilette, bis wir dann gegen 10.30h im Kleinstadttrubel zurück sind. Urwaldentspannt und beeindruckt!

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