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Nach den Portugiesen, die im 16. Jahrhundert ihre Handelsstationen entlang der gesamten Küste Westafrikas errichtet hatten, so auch in Porto Novo und Ouidah, landeten in den späten Achtzehnhundertern französische Abgesandte am Golf von Guinea und etablierten ihre Macht als neue Kolonialherren. Die als "Sklavenküste" bekannte Region gehörte zum damaligen Königreich Dahomey, das von Abomey aus regiert wurde und zu dieser Zeit die Kapitale des Sklavenhandels war. Jährlich wurden mehr als 10.000 Westafrikaner in die Sklaverei nach Europa, aber vornehmlich nach Amerika, Brasilien und Haiti verkauft und Dahomeys Reichtum, der sich in luxuriösen Königspalästen und aufwendiger Lebenskultur darstellte, resultierte ausschließlich aus dem Erlös des Menschenhandels. Erst nach dem Bann der Sklaverei in allen französischen Kolonien 1789 konzentrierte sich die Gesellschaft entlang der westafrikanische Küste auf die Verwertung handelsüblicher Ressourcen wie Palmprodukte etwa. Neben dem Königreich Dahomey war Benin nach vorkolonialer Tradition in noch weitere Herrscherdynastien aufgeteilt, die sich aufgrund eines paritätischen Erbrechtes über das ganze Land vervielfachten. Noch heute leben und herrschen einhundert Könige in Benin, meist als Chiefs in ihren Landbezirken. Ihre Kinder firmieren als Prinzessinnen und Prinzen und weil jene Dynastien schon viele hundert Jahre alt sind, scheint die sechs Millionen zählende Bevölkerung Benins zu einem bemerkenswert großen Teil aus Hoheiten zu bestehen.

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Daß diese Tradition bis heute gelebt wird und auch die Zeiten zwischen der Erlangung der Unabhängigkeit 1960 und der Revolution 1972, in der das Land vier Militärcoups inszenierte, neun verschiedene Regierungen installierte und fünf Mal die gesamte Gesetzgebung änderte, überstanden hat, spiegelt den Charakter beninischer Mentalität wider, denn trotz der festen Verbundenheit zu Althergebrachtem ist die Neugierde auf Neues groß. So fand auch die Idee mit der Revolution Anfang der Siebziger viele und eifrige Anhänger und ihr Anstifter, Mathieu Kérékou, ein ranghoher Offizier aus dem Norden des Landes wurde nach dem Umsturz Präsident Benins. Ihm waren zunächst die handelsstarken Weißen im Land ein Dorn im Auge, doch als diese sich erfolgreich gegen Deportationen zu wehren wußten, proklamierte Kérékou "den wahren Marxismus" zur Staatsideologie. Später wandelte sich diese Richtung in eine marxistisch-leninistische, dann wurde alles ganz anders – wie, weiß man nicht mehr so genau - bis 1991 alle ohnehin die Lust am Kommunismus verloren hatten und Mathieu Kérékou in freien Wahlen den Laufpaß gaben. Sein Nachfolger als Premierminister wurde Nicéphore Soglo, ein ehemaliger Dessident und "guter Mann" wie die Beniner sagen, weshalb für sie auch momentan kein Grund besteht, ihrer, für afrikanische Verhältnisse, perfekt funktionierenden Demokratie ein weiteres politisches Experiment vorzuziehen.

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