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Draußen, im Schatten eines Ceshewnutsbaumes inmitten des Hóu, dem Dorf des Voodoun, wo seine Häuser einen Kreis bilden, liegt schon wieder ein SIDA-Kranker und weil Boitreaux um seine Ohnmacht weiß, hat er für den heutigen Abend eine außerordentlich starke Voodoozeremonie angeordnet, während der sogar ein Schaf anstatt der üblichen Hühner geschlachtet werden wird. Und Boitreaux selbst war zum Fetischmarkt in Abomey gefahren, um die richtigen Ingridenzien für einen großen Zauber zu erstehen: die Lippe eines Rinderkopfes, den Panzer einer Schildkröte, getrocknetes Schlangenfleisch, Wurzeln und einen weiteren Donnerstein. Wieder zu Hause, hatte er eine ausführliche Zeremonie veranstaltet, um die Neuerwerbungen nach allen Regeln seiner Kunst zu weihen.

Das reichhaltige Opfer ist Kalkül, denn Zangebezu Boitreaux will Voodoo versuchen, weil er der Meinung ist, daß sein Gott auch Heilung bei SIDA kennen müsse. Schließlich ist Voodoo der Mächtigste und er und seine Geister sind dazu da, allen Menschen zu dienen, ihnen Gutes zu tun und alles Schlechte abzuwenden.

Während der alte Mann noch über das Blutvergießen bei diesen Zeremonien philosophiert - "aus einem Lebewesen, das, gleich ihm und uns allen, auf Beinen auf der Erde steht" - schlägt einer der Tänzer plötzlich hart auf den Lehmboden des Hauses auf. Seine Glieder verrenken sich, das Genick erstarrt, der Mund ist geöffnet wie zum Schrei. Bis er sich gleich darauf entspannt, aufsteht und anfängt rastlos hin und her zu laufen. Seine Augenlider sind geöffnet, aber blicklos, er spricht unentwegt, lacht zwischendrin und tanzt aufstampfend mit angewinkelten Armen zum Rhythmus der Trommeln. Er schwitzt, jemand wischt ihm das Gesicht, ehrfurchtsvoll, denn der Mann ist von Voodoo besessen.

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