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Der alte Mann hat Palmschnaps, Palmöl und ein Huhn in Reichweite. Er nimmt vom Alkohol einen großen Schluck und spuckt ihn über den Fetisch vor uns im Halbdunkel.

Benin - Voodoopriester

Danach bekommt die Holzfigur einen Guß aus Palmöl und währenddessen steigert sich der Gesang der Anwesenden im schnellen Rhythmus der Trommeln zu ohrenbetäubendem Crescendo. Das Huhn liegt vor dem Fetisch, bewegungslos. Es kräht erst und schlägt mit den Flügeln, als der Assistent des Voodoopriesters es hochnimmt und weite Halbkreise mit ihm über dem Kopf des Bittenden zieht. Die Stimme des Priesters (Voodoun) wird lauter, eindringlicher, während er die Metallglocke in seiner Hand unerbittlich drängend auf den von Öl und Schnaps triefenden Lehmboden schlägt. Er spricht mit Voodoo, dem Gott im Pantheon aller Naturgeister. Und als sein Medium verlangt er von jenem das, um was ihn die gemeinsamen Patienten und Kunden bitten: die Heilung einer Krankheit; Schutz vor Unfällen und gewaltsamem Tod, vor Hexenzauber und bösen Geistern; Reichtum, Glück und Liebe. Als der Gesang zu kaum erträglichem Geschrei anschwillt, beginnt sich die Atmosphäre zu füllen - physisch. "Das" ist ungeheure Präsenz, kraftvoll und nicht zu ignorieren. Das ist wahr. Und ich beginne, nach Geistern Ausschau zu halten.

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