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Kulinarische Ardennen

In Orten wie Barvaux, Florenville, Awenne und Transinne sowie Vielsalm würde man nicht auf den ersten Blick Restaurants mit einer Spitzenküche erwarten. Doch wer in der Prieuré de Conques, im Cor de Chase oder in La Bicoque zu Gast ist, wird durchaus überrascht.

Belgien - Wallonien - Kulinarische Ardennen
Stilvolles Ambiente für deftige Speisen © fdp

Les Contes de Salme in Vielsalm sieht von außen wie ein trutziger Wehrhof oder eine Burganlage aus. Recht rustikal ist die Ausstattung des Restaurants von Monica und Marc Defays. Wer beispielsweise die Toiletten aufsucht, glaubt sich in einem Burggefängnis zu befinden. Gespeist wird an langen Tafeln, von denen einige in Gewölbenischen ihren Platz haben. Künstlicher Wein rankt sich über die Köpfe der Gäste, die sich ihren geräucherten Lachs ebenso munden lassen wie den Herver Käse und den Ardenner Schinken.

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Ardenner Platte mit Pastete, geräuchertem Lachs
und Ardenner Schinken © fdp

Auf den Tisch des Hauses kommen als Hauptgang deftige Haxe übergossen mit Senf und als Beilagen Bohnen mit Speck sowie Bratkartoffeln. Carpaccio vom Büffel steht ebenso auf der Karte wie gegrilltes Büffelsteak sowie Entenbrüstchen mit Orangen und roten Beeren. Mit sieben verschiedenen Biere vom Fass kann man sich die trockene Kehle befeuchten, ob nun mit Palm, Vielle Salme oder dem bernsteinfarbene MacChouffe, einem Regionalbier aus den Ardennen. Wer es etwas süßlich-säuerlich mag, wählt ein Kirschbier von Belle-vue. Außerdem gibt es eine sehr gute Auswahl belgischer Flaschenbiere, ob nun das rötlichbraune Rochefort, das schwere Chimay Triple oder das erfrischende Hoegaarden citron. Mit Diekirch Grand Cru steht auch ein luxemburgisches Bier auf der Karte.

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Wie wäre es denn mit Haxe? © fdp

Info: Les Contes de Salme, Rue Jean Bertholet 6, 6690 Vielsalm, www.contesdesalme

Les 7 Fontaines d'Awenne nimmt im Namen Bezug auf die im Örtchen Awenne platzierten gusseisernen Brunnen. Was zubereitet wird, kann der Gast dank einer „gläsernen Küche“ stets sehen. Dass bekannte Politiker und auch Mitglieder des belgischen Königshauses Luc Dewalques Küche schätzen, ist kein Geheimnis. Einige haben sich mit ihrer Unterschrift im Haus verwegigt. Untergebracht ist das Restaurant wie auch das kleine Hotel Auberge du Sabotier in einer ehemaligen Posthalterei des 17.Jahrhunderts.

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Das Auge isst stets mit © fdp

Luc Dewalque ist wie eine Plakette verrät Mitglied in der Vereinigung der Meisterköche von Belgien. Zudem ist er ein hoch geschätzter Weinkenner und Sommelier, der auf dem internationalen Parkett bereits Preise eingeheimst hat. In seinem Weinkeller, untergebracht im örtlichen Pfarrhaus, findet man Weine aus den Weingütern von Sieur d'Arques und des Barons Philippe de Rothschild und Bourdeaux-Weine vom Château Nenin. Ein 1988er Rieussec Bordeaux gehört ebenso zur Weinsammlung wie ein St-Emilion Premier Grand Cru Classé. Betritt man das Restaurant und die Salons, so ist ein gewisser Hang zu Nippes nicht zu übersehen. Lüster und Leuchter gehören ebenso zum Interieur wie gerahmte alte Porträtfotos und Gemälde in Öl. Alte Fahrräder als Dekoration springen ebenso ins Auge wie das mit teuren Zigarren gefüllte Zigarrenschränkchen – und das angesichts des strengen Anti-Rauchergesetzes in Belgien.

Mit einer leichten Vorspeise wie fein gewürfeltes Wurzelgemüse mit Kräutern kann man den Abend beginnen, ehe man sich Enten-Filets mit Pilzen und Artischocken munden lässt. Warmer Herver Käse mit Lütticher-Sirup und leicht karamellisierten Apfelscheiben wird als Nachtisch nicht unbedingt von jedem Gast geschätzt.

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Dies ist der Schoko-Nachtisch als krönender Abschluss
eines mehrgängigen Menüs © fdp

Info: Les 7 Fontaines d'Awenne, Grand Rue 21, 6870 Awenne bei St-Hubert, www.les7fontaines.be

Eher unscheinbar sieht von außen das La Bicoque in Transinne aus, das ein wenig den Eindruck eines Landhauses mit angeschlossenem Atelier macht. Man könnte allerdings beim Anblick auch an einen umgenutzten Kuh- oder Schweinestall denken.

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Ein stilisierter gedeckter Tisch als Logo © fdp

In schwarzen Ledersesseln nimmt man für den Aperitif und den „Gaumenkitzler“ Platz, ehe man den Hauptgang an eingedeckten runden Tischen genießt. Weiß und das Holz der unverblendeten Balken sind im Inneren die dominanten Farben. Als Vorspeise genießt man eine Lachsvariation mit Gemüse und Sesam-Mandelplätzchen sowie einem süß-sauren Sorbet. Wie wäre es mit geschmortem Spanferkel mit Spargelstrauß und Gnocchi als Hauptgang? Doch auch eine mit Rosmarin zart gewürzte Dorade mit Selleriegemüse sowie ein Forellenfilet mit Artischockenherzen und Weinsabayone stehen auf der Karte des Hauses.

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Einer der Gaumenkitzler im La Bicoque © fdp

Süßmäuler kommen ohne Frage auf ihre Kosten, wenn sie zwischen Panna Cotta auf Honig und Rhabarber-Erdbeer-Spiegel und Sangria-Halbgefrorenem sowie karamellisierter Apfeltorte mit Vanilleeis oder Waffeln mit marinierter Banane und Pampelmusen-Sorbet wählen können. Erdbeer-Käsetorte oder Eierpfannkuchen mit Vanilleeis ist auch zu empfehlen. Der eine oder andere bevorzugt vielleicht auch Crème brûlée von Chicorée mit Gewürzbrot und Rosmarinsabayone - man muss es halt nur mögen.

Info: La Bicoque, Rue de la Colline 58, 6890 Transinne, www.labicoque.be

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Ehemals eine klösterliche Niedersetzung © fdp

Unweit vom Kloster Orval und Florenville liegt recht einsam das Priorat von Conques, wo man nicht nur übernachten, sondern auch gut essen kann. Das eine oder andere Orval-Bier wird sicherlich während des Aufenthalts für eine gute Stimmung sorgen.

Das Priorat geht auf den hl. Remaclus zurück, der im 7.Jahrhundert Bischof von Maastricht war und in Conques ein Kloster stiftete. Längst haben die Mönche den Ort verlassen und stattdessen kümmern sich die beiden emsigen Küchenmeister, Jérôme und Francis de Naeyer, um die aufzutischenden Tafelfreuden. „Aal in Grün“ kann man hier ebenso genießen wie „Wildforelle in Blau“. Dabei kommt der Fisch aus den eignen Teichen.

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Zur Begrüßung erst einmal ein Orval © fdp

Doch zur Begrüßung gibt es erst einmal ein Orval und ein Prosit. Als Vorspeise ist Schafskäse-Eis mit Tasmanischem Pfeffer nicht für jeden ein freudiges Gaumenerlebnis. Gebratene Kalbs-Medaillons mit glasierten Mohrrübchen und Kartoffeln bilden den Hauptgang. Danach kann man für den Nachtisch zwischen Meloneneis mit einem Ring aus Erdbeeren oder Blätterteig mit Orvalkäse und einem Ragout von grünen gebratenen Äpfeln wählen.

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Gebratene Kalbs-Medaillons mit glasierten
Mohrrübchen und Kartoffeln © fdp

Wer im ehemaligen Priorat übernachten möchte, muss nicht mit spartanischen Mönchszellen vorlieb nehmen. Diese Zeiten sind ja längst Vergangenheit. Stattdessen ruhen die Gäste in komfortablen Zimmern im Priorat oder in einem neu errichteten Nebengebäude. Wenn es das Wetter zulässt, kann man im Schatten einer uralten ausladenden Linde den Tag Revue passieren lassen oder an der Semois darauf hoffen, einen Eisvogel bei der Jagd zu beobachten.

Info: Prieuré des Conques, Rue des Conques 2, 6820 Florenville,www.conques.be

Barvaux ist eigentlich eher für seine Outdooraktivitäten wie Kayakfahrten auf der Ourthe bekannt, doch auch hier sorgt ein junger Küchenchef, Mario Elias, mit seiner Frau für das Wohlergehen seiner Gäste. Le Cor de Chasse heißt das Restaurant der Elias', das etwas am Ortsrand liegt. Erdfarben bestimmen das Interieur des Restaurants, an das noch eine Herberge angeschlossen ist. Auf Nachfrage betont der Küchenchef jedoch, dass er in erster Linie ein Restaurant mit hochwertiger Küche betreibe. Doch wenn es denn bei seinen Gästen einmal doch später als geplant geworden sei, dann könne man eben auch ein Bett für die Nacht finden. Was im Cor de Chasse serviert wird, gleicht kleinen skulpturalen Kunstwerken, wenn auch vergänglichen.

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Mario verzaubert die Gäste
mit seiner Kochkunst © fdp

Mario, der Mitglied in der europäischen Vereinigung junger Restaurantchefs ist, liebt nicht nur die Formen, sondern augenscheinlich auch das Komponieren mit Farben, die er auf den Teller zaubert.

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Kulinarische Kunstwerke von Mario Elias © fdp

Seine Gänseleberpaste wird mit roten, cremefarbenen und dunkelroten Klecksen begleitet. Die servierte Hühnchenbrust liegt in einem Beet aus gelblich-grünem ausgestrichenem Erbsenpüree. Eine sattorange Karotte lehnt sich an das Stück Fleisch, auf dem auch violette Blüten sowie eine Veilchenemulsion ihren Platz haben. Beim Nachtisch, bestehend aus Eis aus weißer Schokolade, finden sich wiederum einige Blütenblätter. Na dann, guten Appetit!

Info: Cor de Chasse, Petit Barvaux 97, 6940 Barvaux-sur-Ourthe, www.lecordechasse.be



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