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S.M.A.K.
Das Museum für aktuelle Kunst in Gent
Impressionen eines Besuches

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Aktuelle Kunst im einstigen Casino

Aus dem Casino wurde eine Kunstgalerie, ein Zentrum für aktuelle Kunstströmungen, jenseits einer epochalen Werkschau. Statt dessen werden Werke unterschiedlichster Genres in Dialog und Konfrontation gesetzt. »Wilde« Farbkompositionen der Mitglieder der Gruppe CoBrA - Pierre Alechinsky, Karel Appel, Corneille, Asger Jorn, Lucebert - treffen auf die »Wachmänner« von Juan Muñoz und auf »Die Toilette« von Ilja Kabakov, gedacht als bittere Anklage gegen die Bürokratie und das verordnete Gemeinschaftsleben in der russischen Heimat des Künstlers. Nicht allein belgische Künstler der Nachkriegszeit und Gegenwart wie Roger Raveel, Marcel Maeyer, Octave Landuyt, Jules Lismonde, Jan Fabre oder Vic Gentils sind mit vielfältigen Arbeiten zu sehen, sondern auch Künstler wie der aus Deutschland stammende Anselm Kiefer und der 1986 verstorbene Düsseldorfer Kunstprofessor Joseph Beuys.

Verschriftlichte Kunst
Schon im Foyer empfängt den Besucher Kunst, ehe er an den Empfang gelangt, über dem sich ein »Mobile« mit »ausgestrecktem Fühler« befindet. In der Bewegung wird der Raum abgetastet und die Richtung der möglichen Ausdehnung gesucht. Doch der Raum engt die Beweglichkeit des Kunstobjektes ein. Der an der Decke hängende bewegliche Körper in Schwarz stößt in regelmäßigen Zeitläufen an das Weiß der Wände. Den Raum belegt auch ein »Weiß« ganz anderer Art und zwar eines im Sinne des Wortes und als Schriftzug einem Relief gleichend. Der Schauenden wird mit Sprache als Medium der Kunst konfrontiert und entdeckt doch nur vergrößerte lexikalische Angaben über die Farbe Weiß. Unwissentlich und unwissend bewegen sich die Schritte des Museumsgastes über kupferne Platten, die im Boden eingelassen sind und als Kunstachse im Raum verlaufen, die möglicherweise schon beim nächsten Besuch nicht mehr zu finden sein wird. Es scheint als entschwindet das »Bodenrelief« vor den Augen des Betrachters: 67 Kupfer Cardinal (1974) von Carl Andre.

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Jan Fabre: Der Mann, der die Wolken
ausmisst, 1988, Silikonbronze

Fest verankert und verschnürt, mit dem Museum eng und auf Ewigkeit verbunden, so erscheint »Torsione« von Giovanni Anselmo (1968). Installation und Raumgestaltung ist auch Thema von »Yellow Spaces and Red Channels« - 10 Rundrohre, von denen je fünf übereinander angeordnet sind; deren Öffnungen sind gelb beziehungsweise rot gerändert: eine Arbeit von Kristjan Gudmundsson. Minimalistisch, die einfachste und reduzierteste Form wählend, auch die »Diagonale vom 25.Mai« von Dan Flavin (1933-1998): eine Neoröhre, die auf dem Weiß der Wand einen Schatten hinterlässt. Doch warum der 25.Mai in Beziehung zum Licht steht, erhellt sich dem Betrachter nicht.

Fundstücke werden Kunst
Ein langgezogenes, schmales Rechteck mit Sparren, Plankenstücken und allerlei weiterem Treibgut breitet der in Bristol geborene Richard Long als »Driftwood Lane«, als »Treibgutgasse«, in ein0em weiteren Ausstellungsraum aus. Das Durcheinander der hölzernen Fragmente wird durch einen gewollt gesetzten Rahmen eingrenzt. Wie auch in seinen anderen Arbeiten, in denen er auf Wanderungen seine Umwelt ordnete und diese Arrangements der »Landschaftskunst« fotographisch festhielt, ist auch in dieser »Bodenplastik« der Gegensatz zwischen Zufälligem und bewusst Gesetztem auffällig. Aus anderem Stoff schuf der Japaner Masato Kobayashi 1999 »Son of Painting«: einem gespannten Segel gleich lehnt eine Plane in Rot und Gelb an der Wand und aus dem Hintergrund dringt der Klang eines fallenden Tropfens.

Kunst mit und ohne Titel
»Ohne Titel« stellt der belgische Künstler Jan Fabre seine Assemblage aus leuchtend grünen Käfern vor, die über und unter einander zu kriechen scheinen und deren süßlicher Duft wahrzunehmen ist. Luc Peire, in Brügge geboren und 1994 in Frankreich verstorben, nennt seine Arbeit »Lumière dans l’espace« (1955), in der statt natürliches künstliches Licht Schatten wirft. Irritiert wird man durch den aus Wervik in Westflandern stammenden Wim Delvoye, der in »Panem et Circensis I« nicht etwa Gladiatoren in der Arena zeigt, sondern flämische Alltagsszenen und ein mit Bleiglas ausgelegtes Handballtor. Roger Raveel hingegen, dem unterdessen in Machelen an de Leie ein eigenes Museum gebaut wurde, geht der »Erinnerung an das Sterbebett meiner Mutter« nach. Die Mutter ist nur schemenhaft in ihrem Bett auszumachen, das durch aufgesetzte hölzerne Bettpfosten ins Bild gesetzt wurde. Der Künstler selbst mit seiner markanten Kappe dreht dem Bildbetrachter den Rücken zu

An anderer Stelle im Hause belegt Ulrich Rückriem mit »Doppelstück« den Boden. Auch die überdimensionierten Flugobjekte eines Panamarenko dürfen in einem Museum der aktuellen Kunst nicht fehlen. Glücklicherweise sind die hinter dem ehemaligen Casino gelegenen Ausstellungshallen so dimensioniert, dass in ihnen das silbrigglänzende »Raumschiff« aufgenommen werden kann. S.M.A.K. besitzt eine Reihe von Objekte dieses »größenwahnsinnigen«, aus Antwerpen stammenden Künstlers, so auch »Aeromodeller« (1969-71) und »Flying Wing« (1977).

Die obigen Impressionen geben nicht die akjtuelle Präsentation wider, sondern sollen lediglich einen Überblick über die Kunstströlmungen vermitteln, die sich in der Sammlung des Hauses wiederfinden.

S.M.A.K.
Citadelpark
9000 Gent
Tel.: 0032/9/240 76 01
museum.smak@gent.be
http://www.smak.be/
Öffnungszeiten: außer Mo tgl. 10-18 Uhr



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