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Roger Raveel - Der Spiegel und das leere Weiß

Nein nicht in einer der belgischen Großstädte wuchs einer der wichtigsten flämischen Maler der Gegenwart auf, sondern in dem kleinen Leiedorf Machelen-aan-de-Leie in der Nähe von Gent, in dem sich auch das Museum befindet, das sich dem Werk Raveels angenommen hat. Seine künstlerischen Lehrjahre verbrachte von 1933 bis 1945 er an der Städtischen Akademie in Deinze und an der Königlichen Akademie für Schöne Künste in Gent. Wenn er auch mit Vertretern der Cobra-Gruppe und mit Arbeiten von Mondriaan und Léger in Berührung kam, suchte er doch stets einen eigenen Weg. Nicht nur die flächige weiße Aussparung in seinen Arbeiten - die Leere, sondern auch das Einbeziehen von diversen Objekten kennzeichnen sein künstlerisches Schaffen seit 1948. Auch das Abstrahieren von Wirklichkeit bestimmte zeitweilig Raveels Werk, ehe er 1962 zum Figurativen zurückfand.

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Auich in der Brüsseler Metro findet man ein Werk von Roger Raveel

1966 begann ein neuer Abschnitt in Raveels künstlerischer Laufbahn, nahm er sich doch vermehrt der Gestaltung des öffentlichen Raums an. Gestaltet wurden die Gewölbe des Kasteel de Kerckhove, die Dulcia-Fabrik in Zottegem (1969), die Station Merode der Metro in Brüssel, die Stiftung Veranneman in Kruishoutem (1975), die Volksklinik in Gent und das Lotsenhaus in Oostende (1989). Einzelausstellungen waren 1961 und 1966 im Brüsseler Palais des Beaux-Arts zu sehen, zudem auch im Museum voor Schonen Kunsten von Latem und der Leieregion in Deinze 1971 oder im PMMK in Oostende 1991. Raveel beteiligte sich an der Kasseler Documenta 1968 und erhielt 1983 als Auszeichnung den Joost van den Vondel-Preis und 1992 den Goldenen Ehrenpfennig des Flämischen Rates.

Die Arbeiten Raveels vermitteln den Eindruck Teil eines größeren Ganzen zu sein, sich bewußt auf die Umgebung zu beziehen und sich in ihren Themen über den Rahmen hinauszubewegen. Durch das Einbinden störender Elemente wie ein Teil einer Aluminiumleiste in seinem »Selbstporträt mit Zigarette« wählt er bewußt ein Gestaltungselement, das die traditionelle Vorstellung eines Selbstporträts nachhaltig stört. In »Erinnerung an das Totenbett meiner Mutter« (1965) wird die »Fühlbarkeit« des Bettes als dreidimensionaler Gegenstand durch das Zufügen von zwei Bettpfosten erreicht. Obgleich der international renommierte Robert Rauschenberg mit ähnlichen Arbeiten längst für Furore sorgte, blieb Raveel bisher die weltweite Anerkennung versagt. Vielleicht fehlt es ihm an der werbewirksamen und verkaufsfördernden Einstufung in ein Genre oder aber an einem eingängigen Etikett, das die Welt der Sammler und Galeristen erwartet.

Während sich die Vertreter von Cobra in abstrakt-expressionistischer Gestaltung üben, auch vor dem Kindlichen nicht zurückschrecken, Anleihen in den »primitiven« Kulturen des Schwarzen Kontinents nehmen, bevorzugt Raveel konstruktivistische Elemente, die er mit Figurativen zu verschmelzen weiß. Weiß, als Leere schlechthin, als Aussparung und Platzhalter zu verstehen, wird das wichtigste Ausdrucksmittel in seinen Gemälden. Und der Spiegel als häufiges Stilmittel inmitten seiner großformatigen Gemälden ermöglicht ein Raumerlebnis, verlängert das Bild in den Raum. Thematisch beschäftigt Raveel noch immer Fragen nach dem Sinn des Lebens, des menschlichen Zusammenlebens und nach der Rolle der Kunst und des Künstlers in der Welt.

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