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Am Frühlingsanfang erobern die Jecken erneut die Straße

Wochen nach dem uns bekannten närrischen Treiben beginnt in Stavelot der Karneval. Fleißige Hände werkeln und basteln schon Monate im voraus, legen Hand an die Kostüme und proben bis zur letzten Minute in Fanfarenzügen »heiße« Rumbarhythmen, die während des Karnevals zur Mitfastenzeit
- am Sonntag Laetare - zu hören sein sollen.

Wallonien / Stavelot
Wahrzeichen der Stadt: ein Blanc Moussi am
Ortseingang von Stavelot © Ferdinand Dupuis-Panther

Ohne die Mitglieder der Blancs Moussis, einer ehrwürdigen Bruderschaft der in Stavelot geborenen Männer, wäre der Karneval in diesem schmucken wallonischen Örtchen am Rande des deutschsprachigen Teils von Ostbelgien nicht denkbar. Ins Leben gerufen wurde diese Bruderschaft, als Wilhelm von Manderscheidt Fürstabt von Stavelot-Malmedy war. Dieser Kirchenfürst war gegenüber seinen Untertanen überaus streng und verbot den Karneval, an dem sich auch Mönche der Abtei beteiligten. Einwohner von Stavelot ließen sich dies jedoch nicht gefallen und umgingen das Verbot: Eingehüllt in Bettlaken und Bezügen, die Gesichter hinter weißen Masken mit hochstehender, roter Nase verborgen, wurde lustig gefeiert. Masken und Kostüme boten Anonymität und Schutz vor dem Arm des Fürstabtes. An diese Tradition knüpfen die Blancs Moussis bis heute an.

Zu Beginn des Frühlings wird Stavelot zur Karnevalshauptstadt, während Jecken andernorts sich bis zum nächsten Jahr gedulden müssen. Fröhlich geht es beim Herrenessen der Bruderschaft zu: Gerstensaft spült die Kehlen, Gesang füllt den Saal: »Wir bleiben fröhliche Wallonen, würdig unseren Ahnen, denn wir sind wie sie Bacchusjünger....« Und kaum ist das eine Lied verstummt, wird ein neues angestimmt: »Füllt den Becher bis zum Rand, füllt ihn aufs Neue randvoll. Denn wir sind die größten Säufer vor dem Herren ...«

Wallonien / Stavelot
Nicht nur Hexen sind in Stavelot unterwegs
© Ferdinand Dupuis-Panther

Am Samstagvormittag vor Laetare grüßen Blancs Moussis aus Pappmaschee von einigen Hausfassaden. Beim Bäcker warten Blancs Moussis aus Marzipan auf ihre Käufer. Mit Einbruch der Dämmerung jedoch beleben sich die Straßen, mischen sich Katzen unter Sträflinge, bayerische Jodler unter Geister und Gorillas: Das Örtchen erwacht zum Leben, und der Duft von Fritten zieht über den Platz vor der Ruine der ehemaligen Abtei.



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