Als die Architektur in Bewegung kam
Entdeckungstour zu den
Highlights des Jugendstils in Brüssel
Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther
Dass Brüssel mehr zu bieten hat als das Ensemble der Grand’ Place oder dem kleinen pinkelnden Bronzeknaben, dem von Zeit zu Zeit ein neues Kostüm geschenkt wird, wissen nur wenige. Die meisten Brüsselbesucher flanieren im Herzen der Stadt, spazieren zwischen Rathaus und dem Haus der Herzöge sowie den Königlichen Galerien umher. Nur wenige verirren sich in die Stadtteile jenseits des Ringboulevards, der einstigen Stadtumwallung. Will man sich aber auf die Spuren der belgischen Art nouveau, begeben, muss man nach St. Gilles und Ixelles oder ins Europaviertel fahren.

Jules Brunfaut entwarf für den Ingenieur, Kunstliebhaber
und Fotografen Edouard Hannon dessen Wohnhaus
in der Verbindungslaan 1
Auch an Brüssel ist die Geschichte nicht spurlos vorbeigegangen. Insbesondere die 1960er und 1970er Jahre sahen den willkürlichen Abriss historischer Bausubstanz. Der Abrissbirne fiel auch das bekannteste Werk des belgischen Jugendstilarchitekten Victor Horta zum Opfer. Nur wenige Bauelemente konnten vom Maison du Peuple (Volkshaus) gerettet werden. Das Designmuseum in Gent bewahrt diesen Schatz der Art nouveau auf.

Hufeisenfenster sind typische Elemente der Art nouveau Brüssels
Bis heute hält der Baumboom in Europas Hauptstadt an. Für europäische Institutionen werden Straßenblöcke vernichtet. Stahlbeton und Glas bahnen sich ihren Weg. Nur noch in Nischen konnten Baudenkmäler vergangener Jahrzehnte überdauern. Wären nicht einige Jugendstilbauten Hortas unlängst zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt worden, müsste man auch um diese fürchten. So aber findet man in einigen Brüsseler Gemeinden noch Straßenzüge aus der Zeit um 1900. Doch man muss sie suchen und die Brüsseler Innenstadt verlassen.
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