DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Ein Schlückchen Genever, bitte ...

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Einmal im Jahr, im Oktober, strömen Besucher von nah und fern in das kleine limburgische Städtchen Hasselt, um den Wacholderschnaps in vollen Zügen zu geniessen. Nicht nur dass Genever eine Leckerei ist, die die flämische Küche verfeinert, sondern auch Anlass für zwei tolle Tage in Hasselt ist und in welchem Maße Hasselt und Genever einen Bund für's Leben eingegangen sind, ist in den folgenden Zeilen zu erfahren.

INHALT
Tolle Tage in Hasselt
Genever aus Hasselt
Genever museal
Wie Genever entsteht
Im Museum wird destilliert, gehämmert und...
Gaumenfreuden mit Genever


Tolle Tage in Hasselt

Einmal im Jahr lebt das limburgische Städtchen Hasselt auf: Genever (Wacholderbranntwein) lockt im Oktober Besucher von nah und fern in die Stadt. Auf zahlreichen Plätzen nippt der eine oder andere an Apfel- oder Zitronengenever. Ungezählte Neugierige warten am Brunnen "Borrelmanneke" darauf, dass endlich die "Trockenzeit" zu Ende ist und Genever aus dem Brünnlein sprudelt. Blaskapellen aus der Umgebung versuchen sich derweil an allerlei Weisen. Auch wenn bisweilen eher Dissonanzen als Harmonie ertönen, scheint das die Umstehenden wenig zu kümmern. Die Bruderschaft des Hasselter Genevers nimmt vor der Brennerei Smeets Aufstellung, um anschließend durch die Gassen der Stadt zu laufen und für den echten Hasselter Genever zu werben, vor allem aber um dem "Schnapsmännchen" (Borrelmanneke) zu huldigen.

Auf dem Flohmarkt stöbern derweil emsige Comic-Liebhaber in den zahlreichen Bananenkartons, um vielleicht hier noch den einen oder anderen Schatz zu entdecken. Manch einer ergänzt auch die eigene Sammlung mit Bildgeschichten von "Suske und Wiske" oder anderen gezeichneten Helden. Ein Drehorgelspieler lässt unterdessen die Sammeldose und nicht nur sein mechanisches Musikinstrument erklingen. Dicht an dicht drängen die Besucher durch die Straßen, machen hier und da halt, um an den Bars Hochprozentiges von Motmans und Konings zu kosten.

Unter den Augen der Zuschauer werden die Teilnehmer des Kellnerlaufes angefeuert. So mancher Teilnehmer im traditionellen Outfit mit weißem Hemd, schwarzer Fliege, schwarzer Weste und schwarzer Hose kommt bereits in der ersten Runde ins Schwitzen. Der Arm, der das Tablett mit gefüllten Genevergläsern und Geneverflasche tragen muss, scheint schwerer und schwerer zu werden. Während anfänglich der Arm mit dem Tablett noch locker in die Höhe gehalten wird, wird er alsbald bei einigen "Kellnern" angewinkelt und abgestützt. Der Blick fixiert die hochprozentige Last und nicht die am Straßenrand stehenden Freunde, die durch Klatschen und mit Zurufen aufmuntern. Einige Teilnehmer haben wohl bereits vor dem Wettlauf zu tief ins Glas geschaut und Mühe, nicht vom Kurs abzukommen. Zur Belustigung der Umstehenden gerät das Tragen des Tabletts zum unfreiwilligen Jonglieren, während mit kurzen Stakkatoschritten der Rundkurs gemeistert wird. Und endlich ist dann das Ziel vor Augen, und der erste Gedanke gilt natürlich Hochprozentigem, das die trockene Kehle befeuchten muss.


Genever aus Hasselt

Ochsenmast und Geneverbrennen gingen einst Hand in Hand. Doch diese Zeiten sind längst vergangen. Bis heute hat sich nur noch eine Brennerei mitten in der Stadt gehalten: Smeets in der Raamstraat. Zu deren Spezialitäten zählt "Heidebitt", ein mit Heidekräutern verfeinerter Klarer, der sich besonders für die Zubereitung von Wildgerichten wie "Ente mit Orangen und Heidebitt" oder "Mariniertes Wildschwein mit Heidebitt flambiert" eignet. Auch Paté aus Kalbsgehacktem, Leber, Speck und Kräutern erhält durch Heidebitt die besondere Geschmacksnote. Auf eine mehr als 50jährige Tradition kann das Haus Smeets zurückblicken, dessen Gründer 1920 Gerard Smeets war. Im backsteinernen "Brandewijnketel", in dem bereits zu Beginn des 18. Jahrhundert Hochprozentiges hergestellt wurde, wird seit 1947 von Smeets traditionell Genever gebrannt, wenn auch das Unternehmen längst in der Sasstraat ein weitere Produktionsstätte besitzt, aus der Smeets exotischer Zitronen-, Pfirsich- und Birnenlikör sowie "Hasseltse Koffie" stammt. In grünen Flaschen erreicht "Smeets Extra" mit einem Alkoholgehalt von 36% vol. und "Hasselt Smeets" mit einem Alkoholgehalt von 30% vol. den Kunden. Wie Wein- und Whiskyliebhaber so achten auch Geneverkenner auf die Reife und das Alter ihres Tropfens: "Belegen Hasseltse Graangenever" ist ein Getreidegenever, der mehr als fünf Jahre alt ist und in einer braunen Steingutflasche verkauft wird. Ein feiner Gaumen schätzt auch "Echte Hasseltse Brandewijn", der in Limousin-Eichenholzfässern gelagert wurde und einen Alkoholgehalt von 40% vol. aufweist. Manch einer schwört aber auch auf "Bessengenever", einem Genever mit Beimengung von rotem Beerensaft. Nicht nur während des Geneverfestes kann man die alte Brennerei in der Raamstraat besuchen, Gruppen haben dazu auch Mo.-Do. um 10 und 14 Uhr sowie Fr. und Sa. um 10 Uhr nach vorheriger Anmeldung die Möglichkeit.

Weitere Information
N. V. Distillerie Smeets

Sasstraat 1
B-3500 Hasselt
Tel.: 00 32 / (0)11 / 22 31 74
info@smeets.be
http://www.smeets.be/nl/frame00.htm


Genever museal

In der ehemaligen Stokerij Stellingwerff/Theunissen ist seit einigen Jahren das Nationaal Jenevermuseum untergebracht. Die Brennerei von Stellingwerff und Theunissen lag an der Nieuwe Demer, wo sich im 18.Jh. die meisten Brennereien von Hasselt befanden. Bevor jedoch aus Getreide Schnaps gebrannt wurde, gingen hier Franziskaner der Arbeit nach. 1803 erwarb ein Hasselter Geneverbrenner dieses Anwesen; einer seiner Nachfolger war Adam Nicolaas Leon Stellingwerff (1798-1876), der die Brennerei 1843 erbte. Nun wurde das Anwesen neoklassizistisch umgestaltet und acht Arbeiterwohnungen in der Witte Nonnenstraat gebaut. In der Folgezeit wurde neben der Geneverbrennerei auch eine Likörfabrik errichtet, die bis 1963 fortgeführt wurde, wenn man sich dann auch nur noch mit dem Verschneiden von Genever und Likör beschäftigte.

Um einen Hof gruppieren sich die Scheune und das Wohnhaus sowie die Brennerei, in der sich eine Dampfbrennanlage mit vertikalen Destillierkolben aus dem letzten Viertel des 19.Jh. sowie Dampfmaschinen zum Betrieb der Mühlsteine und des Rührwerks für die Maische befinden. Im sogenannten Malzturm ist die Darre untergebracht. In ihr wird die gekeimte Gerste getrocknet. Der "Trockenturm" liegt zwischen der Brennerei und den Ochsenställe. Hier hielt man einst Mastochsen, an die Abfälle des Destillationsvorganges verfüttert wurden. Während des Rundganges erfährt der Besucher von der Geschichte des Geneverbrennens, vor allem aber über den eigentlich Herstellungsprozess.


Wie Genever entsteht

Bereits im 16.Jh. wurde in Flandern aus Gerste und Roggen Korn- oder Malzwein gewonnen. Hierbei stand das so genannte Mälzen am Beginn des Produktionsprozesses. Auch beim Brennen von Genever steht das Mälzen am Beginn. Zunächst muss jedoch die Gerste eingeweicht und anschließend auf einem Kachelboden mehrere Tage zur Keimung ausgebreitet werden. Die gekeimte Gerste kommt dann zum Trocknen in den Malzturm und auf den dort vorhanden so genannten Darreboden, einen perforierten Metallboden, auf dem die Gerste ausgelegt wird. Unter diesem Boden wird ein Feuer entfacht. Durch die aufsteigende Hitze, die nicht mehr als 50 Grad Celsius erreichen darf, wird die gekeimte Gerste getrocknet. Bei höheren Temperaturen käme es zum Gerinnen der für das Brennen notwendigen Enzyme, so dass beim so genannten Maischen die Aufspaltung der Stärke in Zucker nicht mehr möglich wäre. Die getrocknete Gerste wird zusammen mit Roggen gemahlen, anschließend mit Wasser versetzt und in einem so genannten Maischbottich bei Temperaturen von 62-63 Grad Celsius verrührt. Die so entstandene Maische wird auf 25 Grad Celsius abgekühlt und mit Hefe versetzt, um Zucker in Alkohol umzuwandeln. Nach 24 Stunden ist die Würze fertig. Im nachfolgenden Verfahren wird die "Würze" destilliert und dadurch hochprozentiger Alkohol gewonnen. Dieser Alkohol wird nach einem Geheimrezept mit verschiedenen Kräutern und Wacholderbeeren versetzt, so dass man zum Beispiel den hochprozentigen Hausgenever erhält, der im Museum ausgeschenkt wird.


Im Museum wird destilliert, gehämmert und...

Am Donnerstag und Freitag vor dem Geneverfest heizen die Geneverbrenner des Nationalen Genevermuseums die Kessel an und lassen Besucher einen Blick auf den Produktionsprozess werfen. Und auch Kupferschläger, Glasgravierer und Böttcher finden sich aus Anlass des Geneverfestes im Nationalen Genevermuseum ein. Im Museumscafé klingen unterdessen die Gläschen mit Klarem, wenn man sich zuprostet. Übrigens: Während des Geneverfestes ist der Zugang zum Museum kostenlos.

Weitere Information
Nationaal Jenevermuseum

Witte Nonnenstraat 19
B-3500 Hasselt
Tel. : 00 32 / (0) 11 / 24 11 44, Fax : 21 10 50
jenevermuseum@hasselt.be
Öffnungszeiten: April-Okt. Di.-So. 10-17 Uhr, Nov.-Dez., Feb.-März Di.-Fr. 10-17 Uhr, Sa. /So. 13-17 Uhr


Gaumenfreuden mit Genever

Wie wäre es mit Entenbrust in Honig-Thymian-Sauce und hausgemachten Genever aus dem Nationalen Genevermuseum? Man nehme für die Zubereitung der Sauce zwei Esslöffel Honig, den man leicht karamellisiert und füge roten Weinessig sowie Portwein hinzu, so dass ein Fond entsteht, den man mit Thymian sowie Pfeffer und Salz würzt. Nach dem vorsichtigen Einkochen fügt man Genever hinzu und nimmt die Sauce sofort vom Feuer. Eventuell bindet man die Sauce auch mit ein wenig Kartoffelmehl. Als Gemüse wird Weißkohl gereicht, der in feine Streifen geschnitten, gedünstet und mit leicht angebratenen, geräuchertem Speck vermischt wurde. Ein wenig Muskat verfeinert den Geschmack des Gemüses. Die Entenfilets werden gebraten und mit Pfeffer und Salz abgeschmeckt. Der Weißkohl wird auf einen vorgewärmten Teller gegeben. Auf diesen legt man das Filet, über das ein wenig Sauce gegeben wird. In Scheiben geschnittene und in Butter gebratene Kartoffeln runden das Mahl ab. Sie möchten auch eine leckere Vorspeise mit Genever zubereiten? Na, dann empfiehlt sich Gänseleber mit "Heidebitt": Eine frische Gänseleber wird in Scheiben geschnitten, gepfeffert und gesalzen und in der Pfanne angebraten sowie schließlich mit "Heidebitt", einem besonderen Genever der Geneverbrennerei Smeets, flambiert. In Würfel geschnittene Boskop-Äpfel werden in eine Pfanne gegeben und mit einigen Löffeln Honig gebacken, bis sie gar sind. Dann serviert man die Gänseleber mit den Äpfelstückchen. Und zum Nachtisch kann man ja Eissoufflé mit Zitronen in Genever servieren. Und wer zum Geneverfest in Hasselt ist, wird auf seiner kulinarischen Entdeckungstour durch die Stadt wohl kaum enttäuscht: Es gibt Waldchampignos in Blätterteig mit Genever flambiert oder junge Täubchen mit einem Schuss Genever gebraten oder Perlhuhnfilet nach Hasselter Art mit Jonagold-Äpfelchen, Kartoffeln und selbstverständlich Genever. Selbst bei der "Norwegischen Fischschüssel" wird auf Zitronengenever nicht verzichtet. Und Apfelsorbet ohne Apfelgenever ist in den Tagen des Geneverfestes undenkbar.

Weitere Information
Toerisme Hasselt
Lombaardstraat 3
B-3500 Hasselt
Tel.: 00 32 / (0) 11 / 23 95 40
Fax: 00 32 / (0) 11 / 22 50 23
toerisme@hasselt.be
http://www.hasselt.be
Öffnungszeiten: 10-18 Uhr



Reiseveranstalter Singlereisen

Reiseveranstalter Schiffs- und Radreisen




Twitter
RSS