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Was vom Flugzeug aus über der glitzernden Wasseroberfläche wie Landkleckse im weiten Ozean aussieht, sind lediglich die Spitzen der Vulkanberge einer submarinen Gebirgswelt. Tief unten treffen die drei tektonischen Platten der Erdkruste - die amerikanische, die afrikanische und die eurasische - aufeinander, sind ständig in Bewegung. Bei stärkeren Reibungen kann die dünne Erdkruste an den empfindlichen Stellen aufbrechen und glühendes Magma emporschleudern. Genau das geschah vor rund vier Millionen Jahren. Nach den Eruptionen gab es im Atlantik plötzlich 2326 Quadratkilometer mehr Land: neun Azorische Inseln.

Azoren / Tercieia
Landschaftsbild auf Teceira. Die Felder sind in
handtuchgroße Flächen eingeteilt. Mauern aus
vulkanischem Stein, Hortensien und urze
(azorische Busch-Erika) umrahmen sie.

Auf den Azoren, die direkt an der Stossstelle der Erdkrustenplatte liegen, ist das Spiel mit dem Feuer für 250.000 Einwohner Alltag, ebenso wie für weltweit rund 500 Millionen Menschen, etwa in Kalifornien oder der Türkei. Dass es gut eine Million Emigranten gibt, dafür sind weniger die ungestümen Naturgewalten verantwortlich als vielmehr die Armut, die räumliche Enge und die harte Landarbeit.

Azoren / Ananas
Europas einzige Ananas-Plantage
befindet sich auf den Azoren in
Fajã de Baixo bei Ponta Delgada.

Über Katastrophen haben die Azoreaner ohnehin eine eigene Meinung: "Laut Statistik sterben die meisten Menschen im Bett", lautet ihre nüchterne Bilanz. "Da sorgen wir uns nicht um Erdbeben und Vulkane." Für alle Fälle haben sie noch eine Faustregel parat: Alle zehn Jahre ein Erdbeben, alle 100 Jahre ein Vulkanausbruch. Obendrein sind die Azoren mit einem ausgezeichneten Frühwarnsystem für Erdbeben ausgestattet.

Der Aufruhr der Elemente hat auf allen Inseln eine eigene Anatomie hinterlassen. Kraterseen, Geysire, Fumarolen und unterirdisches Donnergrollen geben auf São Miguel zu verstehen, dass der vulkanische Prozess nicht abgeschlossen ist.

Azoren / Sao Miguel - Furnas
Das Thermalbad in Furnas auf São Miguel

Bei Furnas, im Zentrum der größten Azoreninsel, geht man mit dem Elementaren auf Tuchfühlung und spürt diese magische Anziehungskraft, die zugleich erschaudert und fesselt. Unter der Erde, wo der Vulkan unruhig schläft, keuchen seine brodelnden Eingeweide. Durch Geysire entledigt er sich seines heißen, schwefelhaltigen Odems. Wenn diese übel riechenden Ausdünstungen nicht wären, fühlte man sich wie in einer Sauna. Hinter der Felsspalte "Pero Botelho" hört man genau, wie die Erde arbeitet. Im vulkanischen Prozess zwischen Gasen, Wasser und Hitze pocht und trommelt es, als wohnte hier der Donner.

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