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Schon beim Anflug auf São Jorge sieht man an den Rändern der Steilküste die für die Insel typischen Auswülstungen. "Fajãs" heißen diese insgesamt sechsundvierzig Lavazungen, die nach vulkanischen Eruptionen auf dem Wege ins kalte Meer gestoppt und von Pflanzen überwachsen wurden - einsame Plätze für Philosophen und Träumer.

Azoren / Sao Jorge - Fajas
Auswülstungen - "Fajãs"genannte Lavazungen, die nach
vulkanischen Eruptionen auf dem Wege ins kalte Meer
gestoppt wurden - an den Rändern der Steilküste
sind typisch für die Insel.

Besonders auf den kleinen Azoreninseln lernt man schnell das Gefühl für Zeitlosigkeit kennen, das hier Zuhause ist. Gegen alle Gesetze des Fortschritts und Komforts ist der Maulesel noch ein gängiges Fortbewegungsmittel. "Pro Kilometer, zehn Minuten," erklärt ein Bauer lachend und hält sein Tier für einen kleinen Schwatz an. Links und rechts hängen Milchkannen, und die Beine baumeln bequem auf einer Seite. Die besten Grundstücke auf São Jorge gehören den Rindern. Wo sich andernorts Hotelburgen dicht an dicht formieren, grast hier das Vieh. Die rund 25.000 Rinder sorgen für den Rohstoff des Käses, für den São Jorge berühmt ist. Anders als auf Faial, wo die Weideflächen mit kilometerlangen Hortensienmauern eingefaßt werden, trennt hier der knorrige azoreanische Buchen-Busch (urze) die Koppeln ab; sie gibt der ohnehin rau wirkenden, grünen Landschaft einen noch raueren, grüneren Anstrich.

Azoren / Sao Jorge - Käse
São Jorge ist für den Käse berühmt. Die
älteste Käserei ist die Cooperativa de
Leitaria da Beira von 1927

Die Nachbarinsel Pico hat ihren Namen vom Vulkan, der sich auf ihr so breit macht, dass er den Picarotos nur den schmalen Küstenrand zum Leben lässt. Pico ist die Welt der "mistérios" - Rätsel. Als der Feuerberg vor zweieinhalb Jahrhunderten zuletzt spuckte, hielten die frommen Bewohner den Ausbruch für einen Wutanfall Gottes. Über Nacht machte er Lebenswerke zunichte. Die Lavafelder, für deren Entstehung sie keine Erklärung hatte, nannten sie "mistérios" - Rätsel. Mehrmals waren glühende Basaltmassen über den Boden gewalzt und hatten seltsame Formationen, Schlauch- und Wulstlava hinterlassen. "Man nimmt sie heute kaum noch wahr", beantwortet der Insel-Guide Flamínio die suchenden Blicke. Die meisten sind unter der grünen Pflanzendecke verschwunden. Bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch die sonderbare Wellenform des Bodens.

Azoren / Sao Jorge - Pico
Bei klarem Wetter zeichnet sich der Vulkan Pico, mit
2351m Portugals höchster Berg, deutlich ab.

Nicht nur Schreckliches kam vom Vulkan, der mit 2351 Metern der höchste Berg Portugals ist. Die Picarotos nutzten die Lava als Baustoff für ihre schwarzen Steinhäuser und die Mauern, mit denen sie ihren Wein bis heute vor dem scharfen Seewind schützen.

Azoren / Häuser
Schwarze Steinhäuser und die Mauern, mit denen die
Picarotes ihren Wein bis heute vor dem scharfen
Seewind schützen

Wie ein engmaschiges Spinnennetz überziehen diese hüfthohen moroiços den Küstenraum. "Die wärmespeichernde Lava begründete auch den guten Ruf unseres Verdelhos" lobt Flamínio. Den Wein orderten sogar die Zaren von Rußland.

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