Australiens berühmtestes Naturwunder
Wunderwelt am Great Barrier Reef
Text und Fotos: Hilke Maunder
„Das ist ja die reinste Fischsuppe“, ruft ein Mann begeistert seiner Begleitung zu. 1.500 Fischarten tummeln sich im kristallklaren Wasser des Great Barrier Riffs und veranstalten ein Fest der Farben: Königliche Engelfische und Clownfische, bunt schillernde Kaiserfische und silbrig schimmernde Barrakudas, bunt gestreifte Anemonenfische, blau gesprenkelte Juwelenbarsche und Napoleonfische, dicke Burschen bis zu einem Meter. Auf dem Meeresgrund liegen Giant Clams, riesige Mördermuscheln, die bei Gefahr ihre Schalen zu einem gewellten Gebiss schließen. Und zwischen allem sausen unzählige Rainfische, silbrige Winzlinge, die blinken, wenn sie die Richtung wechseln. Werden sie von einem Raubfisch verfolgt, springen sie sogar aus dem Wasser. 400.000 Arten von Meeresbewohnern leben am Barrier Reef, und damit eine Vielfalt, die kaum zu erfassen ist.

Reefworl-Ausflugsplattform von FantaSea
Doch die Männer an Bord der Reefworld-Plattform lassen kaum eine Frage unbeantwortet. Sie sind Tauchexperten, Meereskundler, Kellner, Kindermädchen und Entertainer zugleich, braun gebrannt und gut gelaunt. Unbemerkt für die Besucher, werfen sie ab und an Futter in die Fluten, um die Präsenz der Fische um die Plattform zu sichern. Denn trotz aller Idylle und Schutzbestimmungen: Die Unterwasserwelt des Barrier Reef bedeutet big business. Tagtäglich steuert der Hochgeschwindigkeitskatamaran von FantaSea Cruises ab Shute Harbour via Hamilton Island und South Molle die Reefworld-Plattform am Hardy Riff an. Die einzige andere Plattform wird von Quicksilver vor Port Douglas in Far North Queensland betrieben.
Mittags servieren die Reefworld-Mitarbeiter Austern, Jacobsmuscheln, frischen Fisch, Roastbeef und diverse Salate auf Edelstahlplatten, die nahezu das gesamte Sonnendeck einnehmen. Andere steuern das Tauchboot, das seine Runden rund um das Riff zieht. An Bord erklärt ein Meeresbiologe die Wunder der Tiefe. Wer „an Land“ bleiben will, macht es sich in der Unterwasser-Aussichtskammer bequem und genießt das Riff hinter Glasscheiben als ein riesiges Aquarium. Gelb, lila, grün und blau leuchten die Korallen. Sie brauchen vor allem drei Dinge zum Wachsen – warmes Wasser von mindestens 20 Grad Celsius, Sonnenlicht und Nährstoffarmut. Wird diese Balance gestört, sterben die Polypen. Daher ist das Barriere-Riff, seit 1981 als Marine Park geschützt, in Zonen unterschiedlicher Nutzung eingeteilt. Im Bereich der Reefworld-Plattform ist Tauchen und Schnorcheln, nicht aber das Sammeln oder Fischen gestattet. „Don’t touch the corals“ warnen Schilder. Wer das staatliche Verbot missachtet, Korallen abbricht oder beschädigt, zahlt ein hohes Bußgeld und kann strafrechtlich verfolgt werden.

Bade-Aufsicht der Fantasea-Plattform
Gegen 16 Uhr heißt es für die Tagestouristen: zurück an Bord. „Nehmt doch den Heli nach Hamilton“, schlägt der Kapitän vor. Die Resort-Insel liegt mitten in den Whitsundays. 74 Inseln, nur acht bewohnt, und eine schöne als die andere. Eigentlich sind es Berge, die aus halbem Weg zwischen Brisbane und Cairns aus dem Wasser ragen, grün, hügelig und meist nur entlang der Küste erschlossen. Ihren Namen verdankt die Inselgruppe dem britischen Kapitän James Cook, der sie am 3. Juni 1770 – einem Pfingstsonntag – entdeckte und in seinem Logbuch seine Fahrt durch die Inseln als Whitsunday Passage festhielt. Das Meer leuchtet in allen Schattierungen, überrascht mit den vielfältigsten Riff-Formationen. „Sieht das nicht wie ein Herz aus?“ fragt der Pilot über das Mikro im Head Set und schwenkt stark zur Seite, um besser sehen zu können. Am Whitehaven Beach, dem Vorzeigestrand der Inselgruppe, bildet feinster Quarzsand bei Niedrigwasser marmorierte Streifen im Türkis der Coral Sea. Acht Kilometer lang säumt der gleißend helle Streifen beim Hill Inlet an der Ostküste. Mit einem Quarzgehalt von 99,7 Prozent ist Whitehaven Beach der weißeste Strand der Welt.

Whitsunday Island
Erster Stop ist Hayman Island, das Idyll der Reichen auf privaten 389 Hektar. Sehen und gesehen werden, ist die Devise. Auf Hayman zeigt man, was man hat: die Gäste mit Status und Schmuck, das Leading Hotel of the World mit schier unendlichen Angeboten zu „great entertainment in style“. Allein der Swimmingpool hat die siebenfachen olympischen Ausmaße - und ist damit groß genug, um die Spuren der hervorragenden Küche ein wenig abzutrainieren. Die helle Nobelanlage schmiegt sich an einen bogenförmigen Sandstrand, hinter dem sich dicht mit Eukalyptusbäumen bewachsene Hügel bis auf 270 m Höhe aufschwingen. Bei Ebbe kann man zur nahen Langford Island hinüber laufen und dort schnorcheln.
Auf Hamilton Island ist vieles entspannter und nicht minder edel. „Hang loose“ heißt hier die Devise, einfach entspannen. Den hellen Sandstrand entlang laufen, mit dem Golf Cart über die autofreie Insel zuckeln und im Innern Kängurus, Koalas und Kakadus entdecken. An der Marina der abendlichen Live-Musik lauschen, dann ein Drink an der Bar, ein Dinner im Freien, ein Bett im Beach Club. Dezenter Luxus für eine Nacht, wohlfühlen garantiert.

Blick auf die Marina von Hamilton Island
Drei Besucher sind auf der Plattform geblieben. Sie haben „Reefsleep“ gebucht, eine Nacht in der Einsamkeit des Ozeans. Ihre Zimmer: zwei einfache Kajüten. Maritim, zweckmäßig, funktional – und doch eine der beliebtesten Fluchtburgen für Flitterwöchner. Kurz nach sechs geht die Sonne unter, ungewohnt, im Westen. An Deck wird Dinner serviert: Schlemmerküche unter dem Kreuz des Südens. „Care for a night dive?“ Mit Scheinwerfern in der Hand, steigen Tauchguide und Gast die Eisenleiter hinab. Nachts entfaltet das Meer seine ganz eigene Magie.
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