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Brisbane

Smart City mit großen Visionen in Australien

Text und Fotos: Hilke Maunder

Australien - Brisbane - SouthBank StreetsBeach

South Bank Streets Beach

Das Ziel ist hoch gesteckt: Brisbane, drittgrößte Stadt des fünften Kontinents, will Australien zeigen, wie man nachhaltig wächst: als beste „smart city“ der Antipoden. Mit grüner Energie, emissionsfreier Mobilität und schnellem Internet für alle will die Hauptstadt von Queensland Melbourne den Ruf als eine der lebenswertesten Metropole der Welt streitig machen. Die Natur verwöhnt „Brissie“ schon heute mit 300 Sonnenstunden.

Australien - Brisbane Goodwill Bridge

Goodwill Bridge

„Keep left“, „Walk here“, Prepare to stop“ informieren Schilder, auf den Fußweg sind eindeutig die Laufrichtungen markiert: Fußgänger und Radfahrer werden in Brisbane genauso in die Verkehrsleitführung einbezogen wie bislang nur Fahrzeuge. Ob an den Auf- und Abgängen zur Goodwill oder Kurilpa Bridge, die beide nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassen ist, oder der Uferstrecke, die am Nordufer des Brisbane River als Highway für Radler und Fußgänger unterhalb der Verkehrsarterie für Auto angelegt wurde: Stets geben zig Schilder und Bodenmarkierungen deutlich Anweisungen, wie man sich zu verhalten hat. In den Lampenschirmen der LED-Leuchten, die nachts viel Licht für wenig Geld spenden, überwachen 360°-Videokameras die Einhaltung der Verkehrsregeln. Für Unfälle oder andere gefährliche Situationen wurden in dichtem Abstand Emergency Stations angelegt, Notrufpunkte. „Brisbane wächst so rasch, da muss man die Menschenmassen steuern“, meint Chris, der in Brisbane an der Universität von Queensland Stadt- und Raumplanung studiert, und die omnipräsente Überwachung im Stadtgebiet als notwendig ansieht. „Wir haben so viele Immigranten aus so vielen Ländern – da muss man doch zeigen, wie es hier läuft. Und dafür sorgen, dass sich alle sicher fühlen.“

Australien - Brisbane - Fahrrad-Highway

Highway für Radler und Fußgänger am Nordufer des Brisbane River

Seinen rasanten Aufschwung verdankt Brisbane in erster Linie der Landwirtschaft. Bis heute ist Queenslands wichtigster Finanzplatz noch immer der Handels- und Umschlagplatz für Agrarprodukte, die im Hinterland gedeihen und im größten Hafen des Bundesstaates verschifft werden – Zucker, Kohle und längst auch viele Container. Der Bauboom im „Bush Capital“, wie Brisbane noch in den 1960er Jahren genannt wurde, begann 1987, als Brisbane Gastgeber der Commonwealth Games war. Die Weltausstellung im Folgejahr lockte 14 Millionen Besucher aus aller Welt auf das Expogelände am Südufer des Brisbane River, das heute die South Banks Parklands bildet. Neue Medien, Bergbau und Biotech ließen im eng gedrängten Central Business District (CBD) immer neue Bürotürme aus Glas und Stahl in den Himmel wachsen, neben denen die wenigen historischen Gebäude winzig wirken. Seit der Millenniumswende auf mehr als 1,4 Millionen Einwohner angewachsen, ist heute „Sustainability“ Vision und Wachstumsmotor zugleich. Für emissionsfreie Mobilität soll ein eCar-Pilotprojekt am Transitknoten King George Square sowie das 20 Millionen AUD umfassende EzyGreen-Programm zwischen der Stadt Brisbane, dem Bundesstaat Queensland und zehn Partnern aus Industrie und den Medien sorgen. Bis 2026 will die öffentlich-private Patenschaft Brisbane zum Energiesparprimus des Kontinents machen.

Australien - Brisbane - Central Business District

Blick auf den Central Business District (CBD)

Das Angebot an Radfahrer, das beständig ausgebaut wird, gehört schon heute zum Besten des Kontinents. Auf der Website der Stadtverwaltung lassen sich für das gesamte Stadtgebiet Radfahrkarten kostenlos herunterladen; für sichere Aufbewahrung sorgen mehr als 200 Bike Racks, vier videoüberwachte Bike Shelter sowie neun Cycle Pods für jeweils bis zu acht Fahrräder an den Fähranlegern der CityCats und Bushaltestellen.

In direkter Nachbarschaft zum Fernbahnhof wurde mit dem King George Square Cycle Centre zudem Australiens erste öffentliche Servicestation für Radfahrer und Fußgänger, die an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist, eröffnet. Zum Angebot gehören nicht nur 420 überwachte Stellplätze, sondern auch 35 Duschen, Schließfächer sowie Wäsche- und Reinigungsdienstleister. An den sehr stark frequentierten Radwegen entlang des Brisbane wurden zudem mehrere Reparaturstationen mit einer Werkzeugauswahl und Luftpumpe angelegt. Wer kein eigenes Gefährt besitzt, kann zudem den Stadtrad-Service CityCycle nutzen.

Dritter Baustein auf dem Weg zur Smart City ist neben der emissionsfreien Mobilität und grünen Energieversorgung die enge Vernetzung von realer und virtueller Welt. So bietet die Stadtverwaltung seit Juli 2012 in 22 öffentlichen Parks und Einrichtungen von acht Uhr früh bis acht Uhr abends einen kostenlosen Internetzugang an – im botanischen Garten mitten im Stadtzentrum ebenso wie im Hidden World Park im Vorort Fitzgibbon. Ebenfalls kostenlos sind die WLAN-Angebote der staatlichen Museen und der Queensland State Library, die das stärkste und schnellste Netz der Stadt besitzt. Seit vielen Jahren bereits Standard ist der kostenlose Internetzugang in den Bibliotheken der Stadt. Und natürlich gibt es auch zig Brisbane Apps für iPhone und Smartphone, um die Stadt nicht nur digital, sondern ganz real zu entdecken.

Australien - Brisbane - Eagle Street Pier - PS Kookaburra Queen

Eagle Street Pier - Kookaburra Queen

 

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