Gratwanderung zwischen den Kulturen
Ranger sind das Bindeglied zwischen den Ansprüchen der traditionellen Landbesitzer und dem australischen Staat, in dessen Grenzen sie leben. „Verständnis und Zusammenarbeit“ ist das Motto von Greg, dessen Erfüllung freilich auch ihm nicht leicht fällt. Oft genug, so erzählt er, hat er ein schlechtes Gewissen gegenüber den Anforderungen seiner traditionellen Lebensweise, wenn er Entscheidungen trifft, die nach westlichen Normen sinnvoll sind und die ihm einleuchten. Und manchmal ist es genau umgekehrt: Er kann bestimmte althergebrachte Regeln nicht übertreten, auch wenn es die Anforderungen seines Berufes verlangen. „Die Kultur bewahren und doch in der westlichen Gesellschaft überleben“, nennt Greg diese Gratwanderung, die ihm Tag für Tag schwierige Entscheidungen abfordert.

Unterschiedliche Malstile ...
Ein komplettes Zurück in ihre Vergangenheit wird es für die Aborigines nicht geben, zu sehr ist die westliche Welt bereits in die Denkweise der Menschen eingedrungen. Sie besitzen zwar ihr Land, aber welchen Gebrauch sie langfristig davon machen werden, weiß niemand. Noch sind genügend Ältere da, die sich gegen rasche Veränderungen wehren. Sie sind derzeit der Garant dafür, dass die Wildnis nicht ausgebeutet und die Küste nicht verbaut wird. Sie befürchten aber, dass ihre Nachkommen die Bindung an das vererbte Land verlieren und eines Tages nur auf dessen materiellen Wert achten werden.

... im Wandel der Jahrtausende
Schon jetzt ist völlig unklar, was mit den Felsmalereien geschieht. Orte wie Injalak, an dem wir uns umsehen durften, gibt es in Arnhem Land zu Hunderten, vermutlich zu Tausenden. Einige von ihnen sind älter und gleichzeitig künstlerisch ausgeprägter als die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux in Frankreich und Altamira in Spanien. Selbst die Aborigines kennen oft nicht einmal mehr ihre Lage, ganz zu schweigen von ihrer Bedeutung. Brendan Bainbridge, einer der wenigen Weißen, die mit Genehmigung der Landbesitzer Besucher durch das zerklüftete Arnhem Land Plateau führen dürfen, berichtet von Exkursionen bei denen man auf Schritt und Tritt der Aboriginal Malerei begegnet: von bekannten und verborgenen Orten, die seit Jahrzehnten niemand mehr aufgesucht hat, und von heiligen Stätten, die auch für die Ureinwohner selbst schon immer tabu waren. „Wo Felsen sind, da sind auch Bilder“, sagt Brendan und klingt dabei beinahe ein wenig resigniert. Denn seine Expeditionen führen zwar zur Wiederentdeckung von Kunstwerken und kulturhistorisch bedeutsamen Stätten, doch werden die meisten rasch wieder vergessen, weil man sie nur sporadisch registriert.
Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 (Infos) / zur Startseite