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Großes Land und wenig Menschen

Diese kontinuierliche Überlieferung, die dreißigtausend Jahre gedauert hat, manche Forscher gehen sogar von vierzig- bis fünfzigtausend Jahren aus, ist im zwanzigsten Jahrhundert brutal unterbrochen worden. Lange Zeit hat die australische Regierung die Menschen aus Arnhem Land deportiert, die verschiedenen, manchmal verfeindeten Clans in gemeinsame Lager, die Kinder in westliche Schulen und zu weißen Pateneltern gebracht - manchmal in guter Absicht, oft aus Verachtung gegenüber einer angeblich minderwertigen Kultur. Die Aborigines sprechen von einer „gestohlenen Generation“, und die tiefe Lücke, die sich dadurch in ihrer Kultur und ihrer Geschichte aufgetan hat, ist nicht mehr zu füllen.

Australien Arnhem Land Injalak Hill
Blick vom Injalak Hill auf des weite Land

Der Land Rights Act von 1976 hat den Aborigines große Teile des australischen Northern Territory zurückerstattet, und vor allem in Arnhem Land bestimmen sie im wesentlichen wieder, was dort geschieht. Auf hunderttausend Quadratkilometern, einer Fläche so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen, leben in zehn größeren Dörfern und zahlreichen sogenannten „outstations“ fünfzehntausend Menschen. Niemand darf ohne eine Sondergenehmigung dort einreisen, und nur wenige Firmen haben eine Konzession zum Betreiben rustikaler Buschcamps oder für Touren zu den Felsmalereien.

Australien Arnhem Land Sandsteinfelsen
Wo Felsen sind, da sind auch Bilder - manchmal versteckt ...

Die jungen Aborigines aber sind seit langem mit westlichen und traditionellen Werten zugleich aufgewachsen, leben deshalb entweder auf Dauer in Darwin oder schlagen sich nach der Rückkehr auf ihr Land mal auf die eine, mal auf die andere Seite und kommen mit keiner richtig zurecht. Sogar viele Ältere haben ihren sozialen Kompass verloren, verstehen die Welt nicht mehr oder kämpfen einen vergeblichen Kampf gegen den Verfall der traditionellen Sitten und das Vergessen hergebrachter Werte und Mythen. Alkohol und Drogen tun ein fatales zerstörerisches Werk.

Australien Arnhem Land Menschen und Tiere
... und manchmal ganz offensichtlich

Greg Williams trinkt nicht, sondern kämpft sich auf andere Weise durch den Konflikt der Kulturen. Er ist aufgewachsen in einer westlichen Familie, dann zurückgekehrt auf das Land seiner Vorfahren und arbeitet nun im sogenannten Aboriginal Ranger Program. Damit bekommen Bewohner des Arnhem Land nicht nur eine berufliche Perspektive, sie werden auch in die Lage versetzt, ihre traditionelle Umgangsweise mit dem Land ihrer Vorfahren durch staatliche Autorität zu verankern. „Wenn die Welt unsere Kultur erhalten will“, sagt Greg, „dann muss zuerst das Land geschützt werden.“ Nur in ihm und mit ihm kann sie überleben.

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