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Musik aus Argentinien

 

Verschiedene Interpreten: „The Rough Guide To Tango”
CD (plus Bonus-CD “Carlos Libedinsky”): RGNET 1219CD / harmonia mundi

www.worldmusic.net


Das Weltmusik-Label Rough Guide hatte dieser argentinischen Spelunkenmusik bereits mehrere CDs gewidmet. Darauf wurden vor allem die stilbildenden Arbeiten des Bandoneon-Virtuosen Astor Piazzolla gewürdigt und die poppig aktuellen Blüten des Tango-Tanzbooms vorgestellt. Aber Tango kann auch für Nichttänzer ein Genussmittel sein.

   Die vorliegende Compilation zeigt eher die nachdenklich intimen Facetten dieser Unterhaltungsmusik aus den Hafenkneipen von Buenos Aires. Das deutsche Weltmusik-Ensemble Quadro Nuevo mit dem Klassiker „Tango Jalousie“ sowie die Gruppe El Ultimo Tango huldigen aus Birmingham  von dieser Seite des Atlantiks aus der inspirierenden Kraft des Tango für konzertante Jazz- und Pop-Musiker.
   Auf einer beiliegenden Bonus-CD verbinden der argentinische Gitarrist Carlos Libedinsky und seine Gruppe ebenso einfühlsam wie mitreißend die Stilmittel des Electronic-Pop mit jener Träne, die man tanzen kann.wd@saw

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“The Famous Lippmann + Rau Festivals”  (3 DVDs - auch einzeln erhältlich)
DVD 1: “Legends of ‘Folklore Argentino’, ‘Flamenco’ and ‘Música do Brasil’”
Tropical Music 68.362
DVD 2: „Legends of ‚Spiritual & Gospel’ and ‚Folk & Country’“
Tropical Music 68.363
DVD 3: „Legends of the ‚American Folk Blues Festivals’“
Tropical Music 68.364
www.tropical-music.com

 

Horst Lippmann und Fritz Rau gründeten Mitte der 50er Jahre eine Konzertagentur. Viele kulturell ausgehungerte Nachkriegs-Deutsche verdanken den Lippmann+Rau-Konzerten ihre ersten Begegnungen mit authentischer „Negermusik“ und internationalen Folklore-Künstlern, die zehn Jahre zuvor noch als „entartet“ galten.


1962 organisierten L+R ihr erstes American Folk Blues Festival (AFBF), das sich im Laufe der Jahre zu einer Konzertserie entwickelte, die europaweit viele junge Pop- und Jazz-Musiker inspirierte – vor allem in Großbritannien und Skandinavien. Mick Jagger und Eric Clapton schwärmen heute noch davon, dass sie bei L+R’s AFBF-Konzerten endlich einmal jene schwarzen US-Idole live erleben durften, die sie zuvor nur von Import-Schallplatten her kannten.


Zum Glück nutzten der WDR Köln und der Südwestfunk Baden-Baden die Gelegenheit, solche - auch in den USA weitgehend unbekannten – Blues-Archetypen wie John Lee Hooker, Bukka White oder Jimmy Reed  der Nachwelt zu erhalten. Die jetzt auf DVD vorgelegten Aufzeichnungen aus den Jahren 1967-69 sind wertvolle Zeitdokumente – und zwar im doppelten Sinne.


Erstens zeigen sie Blues-Sänger und -Musiker, die ohne übertriebenen technischen Aufwand ein Kulturgut produzieren, für das die deutsche Sprache nur ein einziges Wort kennt: Blues-Feeling. Zweitens offenbaren diese Dokumente aus der TV-Steinzeit schonungslos jene – oft an peinliche Überheblichkeit grenzende - Hilflosigkeit, mit der die gut meinenden Moderatoren damals diesen Musikern begegneten. Trotzdem – oder gerade deswegen – wurde es vielen Blues-Künstlern erst in Europa so richtig bewusst, welche kulturelle Wertschätzung ihre Südstaaten-„Kneipenmusik“ verdient hat.


Der AFBF-Erfolg ermutigte L+R zu ähnlichen Projekten mit anderen US-Musikern. Die zweite der drei vorliegenden DVDs zeigt Künstler aus völlig unterschiedlichen Welten der US-Gesellschaft, die damals noch unvereinbar zu sein schienen. Zunächst präsentieren sich hier überschäumend temperamentvolle afroamerikanische Gospel-Solisten und –Chöre, die Aufnahmen stammen von 1965 und 1966. Anschließend pflegen weiße „Hillbiellies“ das Erbe der frühen weißen US-Siedler; ihre Interpretationen aus dem Jahre 1996  klingen heute vielleicht ein wenig altmodisch, aber grundehrlich und verdammt authentisch, und sind damit eine Pflichtlektüre für jeden ambitionierten Countrymusic-Fan.

Die DVD 1 präsentiert die – auch nach heutigen Maßstäben - virtuosesten Meisterleistungen dieses Dreierpakets. 1965 tanzte sich unter anderem die Flamenco-Legende La Singla die Seele aus dem Leib. 1966 zeigten brasilianische Folklore- und Jazz-Musiker dem deutschen Publikum auf allerhöchstem Instrumentalisten-Niveau, wer wirklich die Schuld am Boss Nova hatte. Mercedes Sosa und andere argentinische Musiker demonstrierten 1967 eindrucksvoll, mit welcher Ernsthaftigkeit – beinahe schon Würde – sie die volksmusikalischen Wurzeln ihrer Heimat pflegen.  wd@saw

 

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Magic Malik, Minino Garay, Jaime Torres: „Altiplano“
CD : Accords Croisés AC 125 / harmonia mundi
www.accords-croises.com

1977 gründeten Jazz- und Avantgarde-Musiker in Lyon die Initiative "Association à la Recherche d'un Folklore Imaginaire" (ARFI). Der von ihnen geprägte Begriff „Imaginäre Folklore“ befreite sie von dem Zwang, sich beim Improvisieren an den harmonischen und rhythmischen Überlieferungen von Jazz und Blues zu orientieren. Der Flötist Malik Mezzadri kommt von der Elfenbeinküste und kreierte für die vorliegende CD gemeinsam mit südamerikanischen Musiker-Kollegen eine imaginäre Folklore für den Altiplano – jene Hochebene zwischen den West-Kordillieren und den West-Anden. Mezzadris Querflöte, der Tango-Pianist Gustavo Beytelmann, Saxophon und Drums in der Tradition des Free Jazz spielen hier die Rolle der künstlerischen Herausforderer. Demgegenüber stehen als authentische Regional-Farbtupfer solche die Schlaginstrumente des Percussionisten Minino Garay und die Holzflöten von Juan Martin Medinan. Und immer wieder prominent hervor tritt Jaime Torres mit seinem winzigen Charango – diesem zirpend klingenden Saiten-Zupfinstrument, das einen Schildkröten-Panzer als Klangkörper verwendet. wd@saw 

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Kölner Klassik Ensemble: „Astor Piazzolla – Las Estaciones Portenas“
Sony Classical 8869 7298 732
www.sonybmglassical.de

 

Die Werke des argentinischen Bandoneon-Virtuosen und Tango-Komponisten Astor Piazzolla (1921-1992) erleben zurzeit einen Boom. Darüber freuen sich die Erben seiner Tantiemen. Aber Musik-Liebhaber wünschen sich eher, dass mancher dritte oder vierte Aufguss von Piazzollas Nachlass nicht auf CD gepresst worden wäre. Deshalb überrascht ausgerechnet eine deutsche Einspielung seiner „Las Estaciones Portenas“, hierzulande besser bekannt als „Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires“. Der Gitarrist Tobias Kassung und sein Streicher-Ensemble haben genau den richtigen Tonfall gefunden für Piazzollas Opus. Denn diese Musiker versuchen niemals, sich tänzerisch anzubiedern. Im Gegenteil. Und die piekfeine Aufnahme (Kompliment an den Tonmeister Alexander Prushinsky) erlaubt der zart spröden Kammermusik, sich erst im Kopf des Hörers zu dem zu entwickeln, was sie eigentlich ist: Eine Träne, die man auch im Sitzen oder Liegen tanzen kann. wd@saw

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