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Lobster, Fregattvögel und indianische Kultplätze

Barbuda, eine Karibikinsel aus dem Bilderbuch

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Wie sich die Zeiten ändern. Für ein fettes Schaf pro Jahr, das nur zu liefern war, wenn es ausdrücklich angefordert wurde, hatte der englische Kolonialist Christopher Codrington im Jahr 1705 die gesamte Insel Barbuda für die kommenden 99 Jahre vom britischen Königshaus angemietet. Ein einträgliches Geschäft, denn Barbuda hatte für Codrington einen interessanten Vorteil. Rund um die Insel herum finden sich Riffe. Für Schiffe, die sich dem Eiland nähern, werden diese oftmals zu einer gefährlichen Falle. Mit Lichtsignalen lockte Christopher Codrington die Boote an, um bequem an ihre Ladung zu gelangen. Mehr als 100 Wracks finden sich rund um die Insel, die meisten davon sind bis heute nicht erforscht.

Barbuda - Seventeen-Mile Beach
Seventeen-Mile Beach

Ein fettes Schaf pro Jahr für die Insel Barbuda, das war kein schlechter Deal. Heute freilich sind andere Preise fällig. Allein die Anlage des K-Clubs, lange Zeit eines der exklusivsten Resorts der gesamten Karibik, in dem auch Sylvester Stallone, Dustin Hoffmann und Lady Di ihre Ferien verbrachten, soll für 82 Millionen US Dollar verkauft werden. Bislang jedoch hat sich noch kein solventer Käufer gefunden, also steht die Anlage leer. Der Strand des K-Clubs kann trotzdem besucht werden, denn Strände sind in Antigua und Barbuda grundsätzlich öffentlich zugänglich. Und Mangelware sind Strände hier ohnehin nicht. Am spektakulärsten ist auf Barbuda sicherlich die Seventeen Mile Beach an der Südküste der Insel. Und die Low Bay, ein weiß-rosaner Sandstrand an der Westseite der Codrington-Lagune, der sich bis zum Horizont hinzuzuziehen scheint - und den Besucher meist ganz für sich alleine haben.

Barbuda - Low Bay
Low Bay

Die Insel Barbuda, deren Hauptort noch heute nach der Codrington-Familie benannt ist, und das 45 Kilometer südlich gelegene Antigua, eine Insel mit rund 70 000 Einwohnern, werden häufig als Schwesterinseln bezeichnet. Und wie das im Leben nun mal so ist: Im Gegensatz zu Freunden, die man wählt, kann man sich Geschwister nicht aussuchen. Deshalb waren die Feiern der 25-jährigen Unabhängigkeit Antiguas und Barbudas auf der 1500-Einwohner-Insel Barbuda deutlich verhaltener als auf Antigua, wo Prince Edward extra zur Militärparade nach St. John’s angereist war. „Wir haben uns lange gegen diesen Zusammenschluss gewehrt und wollten nie gemeinsam mit Antigua unabhängig werden“, beteuert der 50-jährige Calvin Gore, ein Barbudianer, der nicht nur Rennpferde hält und für den Unterhalt der historischen Stätten auf der Insel verantwortlich ist, sondern der sich auch viele Jahre lang politisch engagiert hat. „Heute wissen wir, dass wir den Zusammenschluss nicht mehr rückgängig machen können, aber wir wollen zumindest mehr Rechte. Und es muss klar sein: Das Land auf Barbuda gehört den Einwohnern Barbudas, und nicht der Regierung in Antigua“, erklärt Gore.

Barbuda - Two Feet Bay
Two Feet Bay

Immerhin gibt es mittlerweile ein Gesetz, das vorsieht, dass vor der Neuerrichtung von Hotels auf der Insel nicht nur der Inselrat zustimmen muss, sondern auch eine Volksbefragung durchgeführt werden muss. Bei 1.500 Einwohnern ist das kein großer Aufwand. So lassen sich Konflikte, wie sie noch vor einigen Jahren hier aufgetreten sind, von vornherein vermeiden.


„Vor etwa sechs Jahren hatte die Regierung Antiguas dem Bau eines Hotels an der Two Feet Bay im Norden der Insel zugestimmt. Wir wollten das nicht, denn wir meinen, dass dieser Strand den Einheimischen vorbehalten sein sollte. Also sind wir hergegangen und haben die Container mit den Baumaterialien einfach ins Meer geworfen“, berichtet Calvin Gore, bevor er mit seinen Gästen einen felsigen Hügel in der Nähe der Two Feet Bay hochklettert, um dort eine Kalksteinhöhle zu betreten.

Barbuda - Höhle
Kalksteinhöhle

Ein Gebiet, das historisch hoch interessant ist, das belegte der Fund eines etwa zweitausend Jahre alten Skeletts, das nun vom Smithonian Institut untersucht wird. „Diese Höhlen waren Kultplätze der Arawak-Indianer, die hier ihre Götter verehrten. Ein Beweis dafür sind Felszeichnungen, die ziemlich außergewöhnlich sind“, erläutert Calvin Gore, der betont, dass die Kariben, nach denen die Karibik benannt wurden, die Insel Barbuda zwar gekannt hatten, sich dort jedoch niemals ansiedelten.

Barbuda - Martello-Tower
Martello-Tower

Abgesehen von rosafarbenen Traumstränden, historischen Kultplätzen, einem verfallenen Wehrturm, dem Martello-Tower, mit dem die Engländer die Insel vor den Franzosen schützen wollten, und den unzähligen Schiffswracks kann Barbuda noch mit zwei weiteren Attraktionen aufwarten: mit einer Lagune, die zu den fruchtbarsten Lobster-Fanggründen der Karibik gehört und mit einer Kolonie von etwa 2500 Fregattvögeln. „Die Männchen fliegen jedes Jahr für einige Monate auf die Galapagos-Inseln, die Weibchen bleiben hier“, erklärt Calvin Gore. Das Gebiet, in dem die Vögel leben, ist mittlerweile geschützt. Doch nach Zahlung einer Nationalparkgebühr sind Bootsausflüge an den Rand des Vogelschutzgebiets möglich. Dort lässt sich belauschen, wie die Tiere mit ihren Schnäbeln klappen und beobachten, wie die Männchen ihre roten Kehlsäcke aufblasen, um den Weibchen zu imponieren. Die Vögel leben dicht an dicht in den Mangroven –und wenn es hart auf hart kommt, halten sie zusammen. „Fregattvögel können nicht schwimmen, weil ihre Flügelspannweite zu groß ist und weil ihre Federn nicht ölhaltig sind“, erklärt Calvin Gore. „ Wenn einer von ihnen trotzdem einmal ins Wasser fällt, helfen ihm die anderen, um wieder herauszukommen.“ Ganz ähnlich ist der Zusammenhalt, der auf Barbuda bei den Menschen anzutreffen ist. „Wenn es hier einen Hurrikan gibt und Häuser beschädigt werden, dann packen alle mit an und helfen“, beteuert Calvin. Nur einmal im Jahr, wenn der Insel-Karneval, die „Caribana“, gefeiert wird, teilt sich die Bevölkerung in zwei Fraktionen. „Die besonders streng Gläubigen und der Pfarrer verlassen in dieser Zeit das Dorf und übernachten am Strand“, erklärt Calvin Gore.

Barbuda - Fregattvogel
Fregattvogel auf Barbuda

Die meisten Besucher, die Barbuda ansteuern, kommen nur im Rahmen eines Tagesausfluges aus Antigua. Doch wer Strand und Ruhe sucht und wer echtes Karibikflair auch ohne Discos und Animateure genießen kann, sollte länger bleiben. Die drei Strandhotels auf der Insel sind traumhaft gelegen, verlangen aber auch stolze Preise. Auch im Beachhouse, dem günstigsten der drei Hotels, schlägt eine Nacht noch mit mehreren 100 US Dollar zu Buche. Doch auch für Normalverdiener ist Barbuda erschwinglich – für etwa 60 US Dollar pro Person können in Codrington kleine Privatzimmer angemietet werden. Besonders attraktiv ist ein Besuch der Insel in der Zeit von Dezember bis März – dann können im Nordosten der Insel häufig auch gewaltige Wale beobachtet werden.

Barbuda - Lobster
Lobster im Restaurant

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