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Mein Strand, dein Strand

 Auf der Karibikinsel Antigua haben
Badegäste und Segler die Qual der Wahl

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Antigua & Barbuda - Antigua - Dickenson Beach
Dickenson Beach

Das Feuer der Karibik – die Antiguanerin Rosie McMaster braut es in ihrer Küche zusammen und füllt es in kleine Glasfläschchen ab. Sie nennt es „Susie’s Hot Sauce“ oder „Burning Desire“ – und sie gewinnt mit ihren Chilisaucen, mit deren Entwicklung bereits ihre Mutter Susannah Tonge, genannt Susie, begonnen hatte, nicht nur reihenweise Wettbewerbe, sondern sie ist damit auch so etwas wie eine Botschafterin ihrer Heimat geworden, der Karibikinsel Antigua, die zu den östlichen Antillen gehört und die sich vor gut 25 Jahren vom britischen Königshaus losgelöst hat. „In meiner Sauce steckt die Würze, die Liebe und die Musikalität der Antiguaner, wir sind warm, wir sind freundlich, wir sind heißblütig – und wir lieben es, für unsere Gäste zu kochen“, beteuert Rosie, die davon träumt, die Saucenproduktion von der Küche in eine regelrechte Fabrik mit angegliedertem Tourismuskomplex zu verlegen. Rosies Lieblingsstrand auf Antigua? „Mein Favorit ist die Dickenson Beach, dort, wo auch das Hotel Sandals ist, ein reines Pärchenhotel. Ich liebe diesen Strand – und er ist so nah, dass ich dorthin zu Fuß gehen kann.“

Antigua & Barbuda - Antigua - Rosie McMaster
Rosie McMaster

Egal, wo man sich auf Antigua aufhält, die Fahrt zum nächsten Strand dauert nie länger als 45 Minuten. Und traumhafte Buchten und Strände hat die Insel in der Tat genug. 365 Strände, so beteuert das Touristenbüro, hat die Insel, die etwa so groß ist wie Elba oder Malta, den Sonnensuchern zu bieten. Ob Familienurlaub oder Surfer, ob Honeymooner oder Segler – auf Antigua findet garantiert jeder einen passenden Strand. „Wenn man Wasser und Wassersport liebt, ist Antigua traumhaft“, versichert der Hamburger Jürgen Hubchen, der als Braumeister auf Antigua lebt und dort – mit einer aus Oggersheim importierten Brauereieinrichtung - nicht nur Guinness und Red Stripes Bier braut, und zwar aus entsalztem Meerwasser, sondern auch ein leichtes helles Bier, das den ursprünglichen indianischen Namen der Insel Antigua trägt: Wadadli. „Die größte Biernachfrage haben wir an Weihnachten und an Karneval“,  berichtet Jürgen Hubchen – und auf Anfrage verrät er auch seinen persönlichen Lieblingsstrand: Die Yabberwock Beach auf der Atlantikseite der Insel. „Dort gibt es richtig schöne Wellen, bis zu zwei Meter hoch“, freut sich Hubchen.

Antigua & Barbuda - Antigua - Resort
Blick auf den Ocean vom Cocobay Resort

Die gebürtige Koblenzerin Bärbel Pfeiffer, die seit mehreren Jahren auf Antigua wohnt und im Hotelmanagement tätig ist, hat einen ganz anderen Strand-Favoriten: Die Halfmoonbay ganz im Osten der Insel. „Früher gab es einen Golfplatz und ein Luxushotel, in dem die Kennedys etliche Male Urlaub gemacht haben. Mittlerweile steht das Hotel leer, aber der Strand ist noch immer wunderschön  - und er sieht aus wie ein gigantischer Halbmond“, schwärmt Werner Giersch, der das Antigua-Tourist Board in Deutschland vertritt und der selbst längere Zeit auf der Insel gelebt hat. Giersch selbst hat gleich drei Lieblingsstrände: Neben der Halfmoonbay hat es ihm auch ein Strand auf der Südseite der Insel, in der Nähe von English Harbour angetan, der direkt beim Hotel „The Inn“ gelegen ist. Und der kilometerlange Sandstand Jolly Beach, an dem sich auch das das größte Hotel der Insel, das „Jollybeach Resort“ befindet, eine Drei-Sterne-Anlage mit über 400 Zimmern und einem All-Inklusive-Angebot. Der geschützte Sandstand dieses Hotels ist – wie alle Strände auf Antigua – für die Öffentlichkeit zugänglich. „Wir haben auf Antigua keine Verhältnisse wie am Starnberger See“, versichert Giersch, der sich dafür stark gemacht hat, dass Antigua, das bis zum Jahr 2005 von Deutschland aus nur mühsam erreichbar war, nun wieder per Direktflug ab Frankfurt angeflogen wird.


Nicht nur Strandfreunde, auch Segler kommen auf Antigua voll auf ihre Kosten. Neben dem Karneval, der im Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1834 auf Antigua nicht im Februar, sondern Anfang August gefeiert wird, gehören die Antigua Sailing Week und die Antigua Classic Yacht Regatta, die im April und Anfang Mai durchgeführt werden, zu den Höhepunkten des Insellebens. Wer nicht selbst segeln will, für den bleibt immer noch die Möglichkeit, die Insel innerhalb eines Tages per Katamaran zu umrunden.

Antigua & Barbuda - Antigua - Katamarantour
Auf einer Tour mit dem Katamaran

Die aus Jamaika stammenden Matrosen verraten bei der Rundfahrt gerne, wo sich die Prominenz auf Antigua ein schönes Plätzchen gesichert hat. Auf jenem Hügel hat Giorgio Armani vor kurzem erst zwei Häuser gebaut, dort auf jenem Felsvorsprung hat Eric Clapton bereits seit Jahren eine Villa. Keine Frage, die Armanis und die Berlusconis, die Kennedys und die Robert de Niros dieser Welt haben längst herausgefunden, dass Antigua ein schönes Fleckchen Erde ist.

Doch obwohl auf der Insel, die von etwa 70.000 Menschen bewohnt wird, 365 verschiedene Strände zu entdecken sind, bleiben die meisten Gäste nur einen einzigen Tag lang. 500.000 Kreuzfahrtpassagiere, so meldet die Statistik, laufen Antigua jedes Jahr an. Und auch wenn längst nicht alle ihre schwimmenden Luxushotels verlassen: Saint John’s, die Hauptstadt Antiguas, ist ganz auf die Besucher der Luxuskreuzer eingerichtet. Wenn man vom Pier aus in den Ort läuft, befindet sich rechts der St. Mary’s Street die Redcliffe Quay, und links von ihr die Heritage Quay. Neben Grillrestaurants und Cafés stößt man hier auf Boutiquen und Andenkenläden – sowie zahlreiche Taxifahrer, die abenteuerlustigen Kreuzfahrtpassagieren eine Inselrundfahrt anbieten.

Antigua & Barbuda - Antigua - Saint John's
In der Inselhauptstadt Saint John's

Beliebt sind Ausflüge nach Nelson’s Dockyard im Süden der Insel. Benannt ist dieser Ort nach Horatio Nelson, der später durch seinen Tod bei der Schlacht von Trafalgar weltberühmt wurde. Nelson erhielt 1784 den Auftrag, Antigua als Flottenstützpunkt für die Karibik auszubauen und die Einhaltung des Navigation Acts durchzusetzen, eines Gesetzes, das der britischen Kolonie den Handel mit den abtrünnigen amerikanischen Provinzen untersagte. Von 1750 bis etwa 1850 dauerte die Blütezeit von English Harbour. Die Werftanlage spielte eine Schlüsselrolle für die gesamten westindischen Kolonien. Reste davon – insbesondere einige gewaltige Steinsäulen, die früher zum Segelmacherhaus gehörten - sind noch immer zu bewundern.

Antigua & Barbuda - Antigua - English Harbour
Steinsäulen in English Harbour

Einer der wichtigsten britischen Generäle auf Antigua war Thomas Shirley. Er befahl 1781 den Aufbau der gewaltigen, mittlerweile nach ihm benannten  Befestigungsanlage Shirley Heights auf einer Anhöhe in der Nähe von English Harbour. Heute ist der Shirley Heights Lookout in der Nähe des ehemaligen Forts eine regelrechte Pilgerstätte - allerdings nicht für Militärhistoriker, sondern für musik- und tanzbegeisterte Einheimische und für Touristen. Jeden Sonntag lädt die Lookout Bar auf Shirley Heights zu einem Openair-Konzert mit  Barbecue. Schon am Spätnachmittag, wenn English Harbour noch deutlich zu sehen ist, spielt eine Steelband moderne und klassische Stücke auf lackierten Öltonnen und Blechfässern, die umfunktioniert wurden und nun  kurzerhand als Musikinstrumente genutzt werden. Kaum ist der letzte Ton dieser Gruppe verklungen, startet auf einer zweiten Bühne ein Reggaekonzert. Dort, wo einst die Militärs die Zufahrt zum Hafen überwacht hatten, regiert heute also Love & Peace. Zugegeben, es sind seit Jahren die gleichen Musiker, die sonntags hier auftreten. Doch langweilig wird ein Antigua-Aufenthalt trotzdem nicht. Denn erstens gibt es 365 Strände zu entdecken, und zweitens bringt Rosie McMaster regelmäßig neue Saucen auf den Markt, beispielsweise mit Mango-, Ananas- oder Tamarinde-Geschmack.

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