
Über die Grachten nach Jordaan
Text und Fotos: Ulla Ackermann
Natürlich blühen überall in Amsterdam Tulpen, kaum daß die ersten Sonnenstrahlen eine wärmere Jahreszeit erahnen lassen. Man scheint Stücke aus den endlos weiten Blumenteppichen der Felder vor der Stadt geschnitten und sie dem Puzzle der alten Hafenstadt mit ihren Grachten großzügig zugeteilt zu haben, denn die bunten Zwiebelblumen haben die Fensterbretter aller Häuser und Wohnungen vereinnahmt, quellen aus den Blumenkästen auf den Trottoirs, füllen die Rabatten der Verkehrsinseln aus, wachsen entlang der Mauern von Vorgärten und zwischen den Stäben schmiedeeiserner Zäune hindurch.

Amsterdam ist vom Winterschlaf erwacht, einem leichten, oberflächlichen wohlgemerkt, denn die Hauptstadt der Niederlande ist ganzjährig Ziel vieler tausend Touristen aus aller Welt. Wobei die Sex- und Drogentouristen nur einen kleinen Teil des Ansturms ausmachen dies soll von vorneherein im Sinne der Amsterdamer klargestellt sein. Denn sie sind es leid, daß der Bekanntheitsgrad ihrer Stadt so häufig am Rotlichtmilieu und an der Drogenszene gemessen wird. Zwar hat kaum jemand der Einheimischen Probleme mit der Existenz dieser halbseidenen- und Subkulturen, denn die Toleranz, die man den Amsterdamern seit jeher nachsagt und die sich zudem wie ein roter Faden durch die Geschichte und durch die Gesetzgebung der Stadt zieht, diese Toleranz allen Andersdenkenden gegenüber ist nicht gespielt doch gibt es im größten Handelsplatz Hollands wahrlich mehr zu sehen und zu erleben als Prostituierte und Dealer. Dies meint auch Fietje, der die Bürgersteige am Damrak fegt, bis nachher, wenn die Geschäfte, Bars und Pornokinos wieder geöffnet haben, die Besucherströme wie jeden Tag hier entlang promenieren werden.
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