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150.000 Dattelpalmen

Die Nacht ist kalt und wieder sternenklar. Der Mond hat sich scheinbar zu einem kleinen Streifen zusammengezogen. Eine magische Stille liegt über der Wüste, als Karim am flackernden Lagerfeuer aus seiner Jugend erzählt. Mit seinen 38 Jahren hat er noch das einfache Leben in der Oase kennen gelernt. Kein Strom, keine Autos. Ganz Bahariya war eine große Familie. Wenn geheiratet wurde, dauerte das Fest gleich sieben Tage. Jeder brachte etwas zu essen mit, man hatte zusammen gekocht, es wurde musiziert und getanzt. Wenn einer in der Oase starb, dann durfte 40 Tage lang keine Musik gemacht werden. Seit den 1950er Jahren ist die Oase förmlich aus den Fugen gegangen. Heute schauen mehrstöckige Häuser über die Palmen hinaus, es wird überall gebaut und erweitert. Die einst handgeformten Ziegel werden nun durch rote und weiße Steine ersetzt.

Ägypten Bahariya Musikant

Aus etwa 400 Brunnenbohrungen dringt das kostbare Wasser an die Oberfläche – heiß. Wissenschaftler haben ihm Heilwirkung bescheinigt, doch die Bestrebungen, die nötige Infrastruktur für einen Kurtourismus zu schaffen, sind an der Bürokratie gescheitert. Dafür kommt das Wasser rund 150.000 Dattelpalmen, Oliven und verschiedenen Obstbäumen zugute. Die Oase erstreckt sich über 95 Kilometer Länge und 40 Breite. Mit 32.000 Menschen, wovon mehr als die Hälfte im Doppelort Bawiti/Oasr leben, ist sie eine der größten in der Sahara.

Ägypten Bahariya Im Beduinenzelt

Einige Beduinen versuchen neue Wege zu gehen. Einer davon ist Mr. Salat. Er betreibt seit einiger Zeit erfolgreich das Hotel Old Oasis, das sich durch eine besondere Architektur und einen besonderen Geist von anderen Herbergen unterscheidet. Die Anlage, bestehend aus mehreren Häusern, liegt am Rande der Dattelgärten. Von der schattigen Laube reicht der Blick über grüne Baumwipfel bis zu den Dünen am Rande. Auch der einstige Tourismusmanager berichtet von den Veränderungen in der Oase. Seit die großen Maschinen verwendet werden, so beobachtet er, hat sich die Sozialstruktur gewandelt. Die Beduinen machen sich dadurch immer unabhängiger, was auf den ersten Blick ein Vorteil ist, doch damit geht der Respekt für einander und für die Umwelt verloren, sagt er bei einer Rundfahrt durch die Oase. „De facto gilt bei uns der lange Arm der Regierung“, klärt er uns auf. „Doch Kairo liegt 400 Kilometer entfernt. So geht man bei Konflikten wie früher zu den Ältesten der jeweiligen Familien um Lösungen zu finden. Polizei brauchen wir kaum“, sagt der große Mann sichtlich stolz. Doch wie lange das noch gut geht weiß er nicht zu sagen.

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