DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN
Die weiße Wüste ist wohl eine der Welt größten Kunstausstellungen unter freiem Himmel, allerdings nicht mehr in dieser Region, in der die ersten Vernissagen stattgefunden hatten. Dort ist die Pracht in sich zusammengesunken, hat der Wind die tragenden Fragmente aus allen hohen Skulpturen herausgeschliffen und nur noch Scherben der zerbrochenen Elemente lassen den Betrachter die ehemalige Grandiosität der weißen Gebilde mit ihren glattweichen Konturen erahnen.

Doch hat die Vergänglichkeit noch nicht das letzte Wort, denn nur wenige Kilometer östlich, im Moment nur über schwer befahrbare Pisten zu erreichen, hat die Arbeitsgemeinschaft Stein und Wind ein neues, weites Feld zur Schaffung weiterer Projekte in Angriff genommen. Schon hat auch die Neue Weiße Wüste Galeriecharakter. Zwischen Pfeilern, mutierten Pilzen, über Bergrücken wie Schildkrötenpanzer und durch stilisierte Schluchten hindurch wandelt es sich wie im Raritätenkabinett darstellerischer Freiheiten. Wissend, daß in kurzer Zeit diese Formen sich in andere gewandelt haben werden. Bis eines Tages auch sie verschwunden sind und nur noch schneeweißer Sand an das Naturwunder erinnert. Dann werden nur noch wilde Kamele die Sicht bis zum Horizont unterbrechen, hier und da ein Rudel Wüstenfüchse und des Nachts die vereinzelten Feuer der Beduinen zwischen den Dünen weit entfernt.

Und die Stille? Der Wind wird nicht aufhören zu fegen und die Sonne nicht aufhören zu brennen.

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