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Ein parfümierter Roboter

Die Veranstalter des beliebten Kamelrennsports sattelten um - auf Roboter. Der Golfstaat Katar lancierte eine internationale Ausschreibung für die Entwicklung eines High-Tech-Jockeys, die die Schweizer Firma K-Team gewann; sie ist auf die Herstellung von kleinen mobilen Helfern spezialisiert. Der Prototyp, der wie eine Figur aus einem Terminatorfilm aussah, kam erstmals im Oktober 2005 zum Einsatz. „K-Mel“, so wurde er getauft, absolvierte erfolgreich eine Teststrecke von 2,5 Kilometern. Im Juni 2006 stellte die Entwickler-Firma den Reit-Roboter auf der Automatica-Messe in München vor. Die Emirate bestellten gleich 150 Roboter-Jockeys zum Entwicklerpreis von je 15.000 Euro. Seit der Kamelrennsaison 2006/2007 sitzen in Al Wathba nur noch Robots im Sattel.

Abu Dhabi Renntraining
Ohne Roboter auf dem Weg zum Training

Der Vater von „K-Mel“ ist der Ingenieur Olivier Magnenat aus Yverdon im Schweizer Jura. Sein Team entwickelte den kleinen Stahlmann mit den Greifarmen, nachdem es im Wüstenstaat den Bewegungsablauf der Kamele untersucht und die Temperaturschwankungen zwischen 20 und 50 Grad notiert hatte. Das elektronische Double muss alle Bewegungen des Jockeys beherrschen, gleichzeitig die Zügel halten und das Kamel mit einem Stock antreiben. Wie die Versuche zeigten, muss der Automat dem Menschen möglichst ähneln und vor dem Rennen parfümiert werden, damit das Kamel ihn akzeptiert. „K-Mel“ erwies sich im Test sogar als der bessere Jockey: Deutlich schnellere Zeiten wurden gemessen als bei den Kindern.

Abu Dhabi Karawane
Die "Karawane" der Rennkamele

Das komplette Robot-Jockey-System-for-Camel-Racing besteht aus Jockey, Fernsteuerung und Satellitenzelle – eine Spitzentechnologie. Die erste Generation war noch 25 Kilo schwer, mit Fernsteuerung und einem GPS ausgerüstet. Die zweite verfeinerte Generation bringt als Leichtgewicht nur noch 8-15 Kilo auf die Waage. Allerdings mussten die Jockeys auf ein Gesicht verzichten, denn bildhafte Darstellungen widersprechen den Regeln des Islam. Nach einem Abkommen mit Unicef hat die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate damit begonnen, die ehemaligen Kinder-Jockeys in ihre Heimatländer zurückzubringen. Dort erhalten sie psychologische Betreuung und eine Schulausbildung.

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