Reisemagazin schwarzaufweiss

Wandern, Radeln, Ausspannen

Mit dem Fernglas die Gegend zu durchstreifen, um die Vogelwelt zu beobachten und einem Milan beim Gleiten in den aufsteigenden Windströmen zuzuschauen, kleinere und größere Wanderungen zwischen Wacholder und wilden Orchideen zu unternehmen oder auf dem Radrundkurs durch das Lubéron unterwegs zu sein, sind die möglichen Tagesaktivitäten. Manche Gäste tauchen auch nur in den hauseigenen Pool ein, blättern in mitgebrachter Literatur und hängen in der Stille ihren Gedanken nach. Einfach mal die Seele baumeln lassen, lautet für viele das Motto.

Frankreich - Hochprovence - Radwegweiser

Stummer Hinweis auf die Radroute von Lubéron

Wer seinen Mal- und Zeichenblock sowie Aquarellfarben oder Pastellkreide dabei hat, der wirft eine schnelle Skizze der Landschaft auf das Papier – rosa blühender Thymian und Salbei, satt roter Mohn, volle Kornähren, weißes Mädsüß, goldgelb blühender Ginster vor der Silhouette einer Hügelkette.

Einen fahrenden Kaufmann gibt es nicht, einen Dorfladen auch nicht. So muss man zum Einkaufen am Markttag in die Stadt – mit dem Auto, mit dem die meisten Gäste auch anreisen. Sich auf Autostopp zu verlassen, bedeutet Geduld, denn eine Rushhour gibt es hier nicht. Die vorbeikommenden Autos pro Tag kann man an einer oder zwei Händen abzählen. Doch zum Einkaufen muss man nach Apt, Reillanne oder Manosque und diese Orte liegen nicht fußläufig von den charmanten  Unterkünften entfernt.

Frankreich - Hochprovence - Blumen am Wegesrand

Ein Motiv zum Aquarellieren: Eine bunt blühende Wiese am Wegesrand

In die Anerkennung der Revitalisierung einer ländlichen Region mischt sich ein schaler Beigeschmack. Die Unterkünfte können noch so sehr umweltverträglich sein – und auch das hat Grenzen, wenn die Versorgung mit dem alltäglichen Bedarf das Autofahren erzwingt. Und nicht alles, wo Öko draufsteht, ist auch Öko. Getrennte Brauch- und Trinkwasserkreisläufe, um die Toilette nicht mit Trinkwasser zu spülen, Regenwassergewinnung in Zisternen, Sonnenkollektoren zur Energiegewinnung oder Komposttoiletten haben sich auch bei den als Gîte Panda und Ecogîte ausgezeichneten Unterkünften bisher nicht vollständig durchgesetzt. „Es ist eben nicht alles Schwarz oder Weiß“, bemerkte Pierre Pasteau hierzu.

Ein Jungbauer unter Aussteigern

Frankreich - Hochprovence - Jungbauer

Ein Jungbauer aus der Hochprovinz erzählt ...

Einer der wenigen, der aus der Gegend stammt und sowohl Landwirtschaft betreibt als auch Gästezimmer in der Moulin Brun vermietet, ist Florian Pascal. Gemeinsam mit seinen Eltern kümmert er sich um den ökologischen Landbau, zieht selber Gemüsesetzlinge und pflanzt diese, darunter auch Zuckermelonen. Das Wurzelwerk von Steineichen, die in Reih und Glied stehen, dient als „Wirt“ für die begehrten Trüffel.

Frankreich - Hochprovence - Landschweine

Dicke Landschweine, die sich noch draußen suhlen dürfen und nicht im Stall auf Betonrosten stehen müssen

Florian liegt es am Herzen, die Besucher für den Landbau im kleinen Stil zu sensibilisieren, der es immer schwerer hat, sich gegen die Agroindustrie zu behaupten. Deshalb organisiert er so genannte Bauernrundgänge, die die romanische Kirche von Aubenas les Alpes zum Ziel oder Ausgangspunkt haben. „In Aubenas“, so Florian, „kann man gut die typische Siedlungsstruktur erkennen. Das Dorf in der Hochprovence liegt stets auf einem Hügel. Die Kirche diente einst nicht nur sakralen Zwecken, sondern war auch eine Fluchtburg. Im Tal verstreut und in der Nähe des Flüsschens Largue befinden sich die Gehöfte und auch die Moulin Brun, die im Besitz der Familie von Florian ist. Doch seit Jahrzehnten gibt es keinen Mühlenbetrieb mehr, der im 16. und 17. Jahrhundert eine wichtige Einnahmequelle des Bauern war.

Frankreich - Hochprovence - Tal der Largue

Blick in das Tal der Largue

„Tropfen für Tropfen, Korn für Korn“ nennt Florian seine Exkursion, bei der es weniger um die vielen Wildblumen geht, die im Frühjahr blühen, sondern um die Veränderung der Kulturlandschaft in der Hochprovence. Er erläutert auf seinen Rundgängen nicht nur, wie ein Ziegenkäse gemacht und Oliven verarbeitet werden, sondern spricht auch von der Veränderung der Landschaft, die einst von Ziegen beweidet wurde, so dass sich eine spezifische Vegetation entwickeln konnte. Kiefern wuchsen nur hier und da und auch Flaum-Eichen waren nicht so zahlreich wie heute, nachdem die Beweidung aufgegeben wurde. Ohne den Verbiss durch die Ziegen setzt  allmählich Verbuschung ein. Lavendel, Thymian und andere Wildpflanzen verschwinden nach und nach. Wacholder und Ginster stehen am Rand unseres Weges, der sich gen Tal schlängelt. Hier und da wächst noch echter Lavendel, der im Frühjahr jedoch noch nicht sein blauviolettes Blütenkleid zeigt.

„Die Landwirtschaft“, so Florian, „hat sich gewandelt. Extensive Ziegen- und Schafhaltung betreiben nur noch wenige. Seine Großmutter habe bereits die Ziegenzucht aufgegeben.“ Wenn aber ein derartiger Betrieb existiert, dann mit Herden von 200 Tieren. „In der Region gibt es immerhin noch 17 Bauern, die eine Käserei betreiben.“, weiß Florian zu berichten.

Florians Familie hat sich auf ihrem Biohof auf Gemüse- und Obstanbau konzentriert. Neben Kartoffeln werden Melonensetzlinge gezogen. Aus 500 von ihnen werden vermarktbare Früchte: „800 Kilo Melonen sind am Tag zu ernten!“ Angebaut wird die süße, sehr aromatisch duftende Cavaillon-Melone, deren äußere Schale sternförmige tiefgrüne Furchen auf zart gelbem Grund aufweist. Charakteristisch ist zudem das orange- bzw. lachsfarbene Fruchtfleisch, das Kalorienbewusste besonders schätzen: 100 Gramm Fruchtfleisch haben nur etwa 40 Kalorien!

Frankreich - Hochprovence - Bauer mit Melonensetzlingen

Melonensetzlinge warten auf die Pflanzung

Auf der Tour erfährt man, dass es noch drei Bauern in der Gegend gibt, die sich auf den Anbau und die Ernte von Lavendelhybriden (Lavendin) spezialisiert haben. Salbeifelder zu sehen ist in der Umgebung von Aubenas keine Seltenheit und auch Florian baut dieses Lippenblütengewächs an, das kalkreichen Boden liebt. Und den gibt es hier zur Genüge.

Direkt an der Moulin Brun, wo die Tour endet oder beginnt, je nachdem, was sich Florian vorgenommen hat, wurde von ihm ein Demonstrationsgemüsegarten mit verschiedenen Salatsorten, Sellerie, Auberginen, Tomaten und Paprika sowie Wassermelonen angelegt. Er dient dazu, den Urlaubern, vor allem den Kindern unter ihnen, Landbau ein wenig näher zu bringen.

Frankreich - Hochprovence - Le Moulin Brun in Aubenas les Alpes

Le Moulin Brun in Aubenas les Alpes

Wer mobil ist – wer also mit dem Auto in die Hochprovence gereist ist –, der kann bequem – umweltverträglich hin oder her – Ausflüge in die Umgebung unternehmen, das Ethnobotanische Museum in Salagon, das Olivenmuseum in Volx oder das Haus der Biodiversität bei Manosque besuchen, um einen weiteren Farbtupfer der Provence zu erleben – aber das ist ein neues Thema.

Frankreich - Hochprovence - Priorat von Salagon

Die Priorat von Salagon mit dem Ethnobotanischen Museum

Die Recherche für diesen Beitrag fanden im Rahmen einer Pressereise statt, die von Maison de la France organisiert wurde.

 

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