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Scharlatane und Genies

Im Prag Rudolfs II.

Mit der Herrschaft Rudolfs II. (1576 - 1611) erlebte Prag eine glanzvolle Aufwertung: 1582 verlegte der Kaiser seine Residenz von Wien nach Prag, das dadurch erneut, wie unter Karl IV. zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Habsburgermonarchie aufstieg.

Die Geschichtsschreibung zeichnet Rudolf als düstere Persönlichkeit. Lange Jahre am spanischen Hofe erzogen, dürfte er mit höfischen Intrigen ebenso vertraut gewesen sein wie mit den blutigen Exzessen der katholischen Inquisition. Zeitgenossen berichten von seinem ausgeprägten Verfolgungswahn, von zunehmender Kontaktscheu und Entscheidungsschwäche - all dies Anzeichen eines schweren Gemütsleidens. Doch Rudolf II. war dank seiner Erziehung auch ein außergewöhnlich gebildeter Mensch, der fünf Sprachen fließend beherrschte und großes Interesse an Kunst und Wissenschaft zeigte. Aus ganz Europa ließ er berühmte Gemälde nach Prag bringen und holte bedeutende Maler und Bildhauer wie Giuseppe Arcimboldo, Bartholomäus Spranger oder Matthäus Gundelach an seinen Hof. Auch Forscher und Gelehrte fanden in der "Goldenen Stadt" ein fruchtbares Klima für ihre Wissenschaften: Der Arzt Jan Jessenius etwa führte im Jahre 1600 die erste öffentliche Sektion eines Menschen durch. Tycho Brahe, ein dänischer Astrologe, beobachtete hier den Himmel und den Lauf der Sterne, ersann zahlreiche astronomische Instrumente und berechnete die Position des Mars. Berühmtheit erlangte er übrigens vor allem durch seine künstliche Nase aus Gold und Silber - seine eigene war ihm im Kampf abgeschlagen worden. Auch der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler fand - erbärmlich bezahlt - von 1600 bis 1612 Aufnahme am kaiserlichen Hof. Allein in Prag verfasste er über 30 wissenschaftliche Arbeiten, in denen er seine bahnbrechenden Erkenntnisse zum Lauf der Planeten niederlegte. Doch selbst er als Wissenschaftler verdiente sich ein Zubrot mit dem Erstellen von Horoskopen - über 800 wurden in seinem Nachlass gefunden, zum Beispiel für Albrecht von Wallenstein, dem er angeblich eine steile Karriere voraussagte.

Der Weg zwischen Naturwissenschaft und Scharlatanerie war nur ein schmaler Grat, vor allem auf dem Gebiet der Chemie und Alchemie. Der unersättliche Geldbedarf des Hofes brachte dem Versuch, Gold herzustellen, ein besonderes Interesse entgegen. So ist es nicht verwunderlich, dass berühmte Alchemisten wie John Dee und Edward Kelly aus England oder der Pole Michael Sendivogius ihr Glück in Prag versuchten. Manche dieser Glücksritter blieben nur kurze Zeit, andere endeten ob ihres Mißerfolges und ihrer offensichtlichen Betrügereien im Kerker oder sogar am Galgen. Doch einigen gelang es zumindest zeitweise, den Kaiser mit genialen Tricks hinters Licht zu führen, wie Rippelino berichtet:

" Sie benutzten Tiegel mit einem falschen Boden aus Wachs oder Lehm, unter dem sie Goldstaub versteckt hatten. Oder sie rührten den Inhalt des Tiegels mit einem hohlen Stäbchen, in dem unter einer Wachsschicht etwas Gold versteckt war. Oder sie gebrauchten Kohlestückchen, die, in schwarzem Wachs verborgen, Feilstaub des edelsten Metalls enthielten, der dann von der Hitze freigesetzt wurde."

Erfolg hatte auf Dauer freilich keiner von ihnen, doch Stoff für Legenden und Romane war damit reichlich vorhanden.

 


 

 


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