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Jan Neruda

Jan Nepomuk Neruda wurde am 9.7.1834 in Prag geboren. Er kam aus sehr einfachen Verhältnissen, studierte jedoch Jura, Geschichte und Philologie. Ab 1856 wirkte er in der Redaktion des deutschen 'Tageboten aus Böhmen' mit, ab 1861 war er auch Feuilletonist und Theaterkritiker der liberaldemokratischen Zeitung 'Narodni listy'. Neruda veröffentlichte in der literarischen Tradition K.H. Machas, B. Nemcovas und K.J. Erbens zahlreiche Gedichte, Feuilletons und Erzählungen, doch auch Goethe und vor allem Heinrich Heine waren für seinen Werdegang von großer Bedeutung. In seiner Jugend sympathisierte er mit der literarischen Gruppe 'Maj', später fühlte er sich den Gedanken der tschechischen nationalen Wiedergeburt verbunden. Über 2000 Feuilletons schrieb er in den Jahren 1860-1891.

Sein Selbstverständnis als Schreibender läßt sich mit folgenden Aussagen Nerudas zusammenfassen: "Es ist vor allem notwendig, daß wir lernen, die Menschen zu verstehen, daß wir ihre Nöte, Ihre Freuden und Leiden studieren, wir brauchen also z.B. in der Hauptsache getreue Erzählungen aus dem Leben, Bilder von Menschen aller Schichten, Sammlungen wahrhaftiger Beispiele einer nicht erdachten und wirklichen Erfahrung."

Bereits in seiner 1864 erschienenen Prosaarbeit 'Arabesken' (dt. 'Bilder aus dem alten Prag', 1883/84), steht die Beschreibung von Prager Gestalten im Mittelpunkt. Besonders zwei literarische Figuren, der Außenseiter und der Spießer, haben es ihm angetan. Die genaue Beobachtung seiner Umwelt gab ihm den Stoff seines Schaffens. "Ich bringe es besser zustande, das Leben real zu beschreiben als es zu idealisieren, und obwohl ich eine üppige Phantasie besitze, reicht sie doch nicht hin, irgend etwas Gutes zu gestalten."

Den Höhepunkt seines schriftstellerischen Schaffens stellen die 'Kleinseitner Geschichten' dar, die zunächst 1867-1877 in verschiedenen Prager Zeitschriften und 1878 als Buch erschienen waren. Dieses Portrait der Bewohner der Prager Kleinseite gehört zu den schönsten Schilderungen des Alltags in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. Auch hier werden wieder liebevoll Einzelgänger ebenso dargestellt wie Durchschnittscharaktere. Eine der schönsten Geschichten darin handelt von Herrn Rysanek und Herrn Schlegl, die sich seit ihrer Jugend feind sind, aber dieselbe Kneipe besuchen. Erst Krankheit führt zur Versöhnung.

Jan Neruda starb am 22.8.1891 in Prag.

 


 

 


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