DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

 

"... in der That ein sehr schöner und angenehmer Ort..."

Mozart in Prag

Während sich im Wien des 18. Jhs. das gesamte musikalische Wirken den Bedürfnissen des kaiserlichen Hofes unterzuordnen hatte, dessen Intrigen und Günstlingswirtschaft einem jungen, hoch begabten Musiker wie Wolfgang Amadeus Mozart das Leben schwer machten, konnte sich in der böhmischen Metropole das kulturelle Leben sehr viel liberaler entfalten. In dieser Zeit standen mit dem Privattheater des Grafen Sporck und dem so genannten Kotzentheater Spielstätten zur Verfügung, die nicht nur den Adel und seine Kostgänger erreichten, sondern es auch dem Bürgertum ermöglichten, musikalische Erfahrung und Tradition zu entwickeln. Sogar Handwerker und Bedienstete wurden im Laufe der Zeit zu Freunden der Opernmusik, denn die Häuser waren auf Eintrittsgelder angewiesen und öffneten sich daher allen Bevölkerungsgruppen. Mozarts Begegnung mit Prag fand also auf fruchtbarem Boden statt, denn die italienischen Opern mit ihrem etwas derben Humor waren dem Publikum längst bekannt.

Prag: Im Mozart-Museum in der Villa Bertramka

Dokument aus dem Mozart-Museum in der Villa Bertramka

1783 eröffnete das dritte Prager Opernhaus, das heutige Tyl-Theater. Bereits in der ersten Saison erzielte Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" großen Erfolg. Drei Jahre später wurde der "Hochzeit des Figaro" eine begeisterte Aufnahme zuteil. "Kein Stück, so gehet hier die allgemeine Sage, hat je soviel Aufsehen gemacht, als die italienische Oper: Die Hochzeit des Figaro....", schrieb damals eine Prager Zeitung.

Anfang 1787 folgte schließlich der erste Besuch Mozarts in Prag. Bereits bei seiner Ankunft am Stadttor habe er einen Bäckerjungen eine Melodie aus dem Figaro pfeifen hören, wird erzählt. Zwar dürfte es sich dabei eher um eine Legende handeln, doch zeigt sie das von Anfang an gute Verhältnis des Meisters zu dieser Stadt. Mozart wohnte während seines ersten Aufenthalts im Palast des Grafen Thun unterhalb der Prager Burg. Nach wenigen Tagen schrieb er in einem Brief nach Wien: "... hier wird von nichts gesprochen als vom - figaro; nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als - figaro; keine Oper besucht als - figaro und Ewig figaro; gewis große Ehre für mich." Noch im selben Monat erlebte im Nostitz-Theater die "Prager Sinfonie" ihre Uraufführung. Aber auch vom Besuch mehrerer Wirtshäuser berichten die Chroniken, und im Kaffeehaus "Zur blauen Weintraube" soll sich Mozart dem Billardspiel gewidmet haben. Schließlich kehrte er nach Wien mit dem Auftrag zurück, eine neue Oper für die bevorstehende Herbstsaison zu komponieren.

Im Oktober desselben Jahres kam Mozart in Begleitung seiner Frau Konstanze in die Stadt. Die "Oper aller Opern", der "Don Giovanni", war jedoch noch nicht ganz fertig gestellt. Unter anderem sind Ouvertüre und Finfale erst in Prag entstanden, einiges davon in der Bertramka, der Sommervilla des Musikerehepaares Dusek in Smíchov. Am 29. Oktober 1787 fand schließlich die Uraufführung statt. Sie geriet zu einem riesigen Erfolg, und Mozart wurde bedrängt, länger in Prag zu bleiben.

Für die Feierlichkeiten anläßlich der Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen erhielt Mozart 1791 von den böhmischen Ständen den Auftrag, eine weitere Oper zu komponieren. Zwar wurde "La clemenca di Tito" vom Publikum begeistert aufgenommen, die Kaiserin aber soll sie als "deutsche Schweinerei" abgetan haben.

Mozart starb noch im selben Jahr. In Wien rief dies nur wenig Emotionen hervor, doch in Prag wurde der große Meister in der St.-Niklaskirche auf der Kleinseite mit Rosettis Requiem geehrt. 120 Musiker spielten vor 4000 Zuhörern. So verbunden war das Prager Publikum mit Mozart, dass in der Folgezeit sogar Konzerte zugunsten seiner Hinterbliebenen aufgeführt wurden.

 


 

 


Reisemagazin schwarzaufweiss

Reiseveranstalter Prag

Reiseveranstalter Tschechien