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Rabbi Löw und der Golem

Nicht erst in der jüngeren Vergangenheit sah sich die jüdische Gemeinde Prags Prag: Statue des Rabbi Löw und des Golem von Ladislav Saloun am Neuen Rathausimmer wieder Wellen des Hasses, der Demütigung und Vernichtung ausgesetzt. Die Angst vor Verfolgung und die Hoffnung auf Besserung schlug sich im jüdischen Geistesleben nicht zuletzt in zahlreichen Geschichten und Erzählungen nieder. Die Anekdoten um Rabbi Löw und seinen sagenhaften Golem zählen - in unterschiedlichsten Varianten - zu ihrem Kernbestand.

Foto: Statue des Rabbi Löw und seines Golem von Ladislav Saloun am Neuen Rathaus

Als sich die Juden der Stadt wieder einmal großer Bedrängnis ausgesetzt sahen, baten sie den weisen Rabbi Löw um Beistand. Lange grübelte dieser darüber nach, wo er Hilfe finden könnte, bis sich ihm im Traum die Lösung eröffnete: Aus Lehm sollte er ein menschenähnliches Wesen erschaffen, das den Juden fortan beistehen würde. Mit Hilfe eines Schülers und seines Schwiegersohns bereitete er sich sieben Tage lang auf diese schwere Aufgabe vor. Am Ufer der Moldau fanden sie feuchten Lehm, aus dem sie, als die Nacht am dunkelsten war, eine menschenähnliche Gestalt formten. Jeder der drei musste sieben mal um den Golem herumgehen und dazu heilige Worte sprechen. Sie vertraten dabei die Elemente Feuer, Wasser und Luft; die Erde als viertes Element lag als Lehm schon vor ihnen.

Langsam nahm die künstliche Gestalt menschliche Züge an. Zum Schluss schob ihm Rabbi Löw noch das Sch'ma, ein Pergamentblättchen mit einem Gebet, unter die Zungne: Der Golem war geboren.

Fortan diente der Golem als stummer Gehilfe des Rabbi Löw. Bisweilen tauchte er - mit Hilfe eines Amuletts unsichtbar gemacht - auf Straßen und in Schenken auf, lauschte den Gesprächen und bestrafte jene, die sich schuldig gemacht hatten. Bei seinem bloßen Erscheinen nahm so mancher Bösewicht reißaus, denn der Golem schreckte auch vor handgreiflichen Bestrafungen nicht zurück. Wurden, wie so oft, die Juden wieder einmal angeklagt, für den Tod oder das Verschwinden eines christlichen Nachbarn verantwortlich zu sein, war es häufig der Golem, der die wirklich Verantwortlichen herbeischaffte und so Blutvergießen vermeiden half.

Doch der Golem unterlag auch Einschränkungen, er durfte nicht für alltägliche Verrichtungen mißbraucht werden. Als ihm die Frau des Rabbi einmal befahl, Wasser aus dem Brunnen zu holen, schleppte er so lange Eimer für Eimer herbei, bis es die Treppe herunter lief. Erst der Rabbi selbst konnte ihm Einhalt gebieten.

Die Kraft des Golem wuchs von Tag zu Tag, so dass ihm der Rabbi an jedem Freitagabend vor dem Sabbat ein neues Sch'ma unter die Zunge legen musste: Erst dann konnte er am Sabbat Ruhe finden. Als er dies einmal vergaß, wuchs des Golems Kraft unaufhörlich, er verfiel in Raserei und zerstörte in den Gassen Bäume ebenso wie Türen und Fenster. Bevor sich Schlimmeres ereignete, konnte Rabbi Löw ihm Einhalt gebieten und ein neues Sch'ma unter die Zunge legen.

Doch damit war das Schicksal des Golem besiegelt. Der Rabbi führte ihn auf den Dachboden der Altneusynagoge, sprach einige heilige Worte und verwandelte ihn zurück in gewöhnlichen Lehm. In allen Synagogen wurde daraufhin kundgetan, niemand dürfe den Dachboden von nun an betreten, der Golem sollte nie wieder zum Leben erweckt werden.

 


 

 


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