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Annäherung an die Goldene Stadt

Prag: Brücken über die Moldau

Läßt man die Beschreibungen Revue passieren, die Prag in den letzten Jahrhunderten zuteil wurden, so begegnet man wahren Lobeshymnen. Vom Glanz der "Goldenen Stadt" ist da die Rede, von der "Mutter der Städte", vom "hunderttürmigen Prag". Thomas Mann ließ sich gar zu dem Satz hinreißen: "Ich bin froh, wieder einmal hier zu sein, in dieser Stadt, deren architektonischer Zauber fast einzigartig unter allen Städten der Welt ist." Diese Faszination, die Generationen von Literaten und anderen Künstlern immer wieder packte, trägt bis in unsere Zeit hinein - trotz all der sozialen und politischen Veränderungen, die das Gesicht der Stadt modellierten. Kaum ein Tourist, der nicht angetan ist vom Flair der Altstadt und der Kleinseite, von der künstlerischen Ausstrahlungskraft des Veitsdoms, kaum ein Besucher, der nicht plant, wiederzukommen oder die Kürze seines Aufenthalts bedauert.

Was ist es, das die Menschen an dieser Stadt so bezaubert? Bereits im 19. Jh. Prag: Moderne Architektur von Frank O. Gehry und V. Milunicversuchte der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer eine Erklärung: "Es ist hier etwas, das an Venedig erinnert: das Fortlebende nämlich, das Altertümliche zwischen und neben dem Neuen". Und in der Tat: Es gibt nur wenige Orte, an denen sich auf so engem Raum steingewordene Geschichte in einer derartigen Vielfalt präsentiert. Zwar sind die Reste romanischer Architektur in Prag bescheiden, doch schon die Gotik brachte eine Vielzahl von Kirchen und Palästen hervor, die dem Interessierten immer neue Entdeckungen bescheren. Dominierend ist jedoch der Barock: Die meisten Häuser, Kirchen und Paläste, die Mehrzahl der Gemälde und Bildhauerwerke entstammen dieser reichen Periode künstlerischen Schaffens. Das 20. Jh. ist durch sehenswerte Beispiele des Jugendstils und des Kubismus eindrucksvoll vertreten. Und gerade dieses oft übergangslose, zum Teil frappierende Nebeneinander verschiedener Stile - manchmal sogar an einem einzigen Gebäude - erzeugt beim Flanieren die spannungsreiche Atmosphäre, die den Reiz der Stadt auszumachen scheint.

Oder sind es vielleicht auch die kleinen, verwinkelten Gassen der Altstadt zwischen Altstädter Ring und Karlsbrücke, die idyllischen Fleckchen der Kleinseite mit ihrem morbiden Charme, das scheinbar harmonische Nebeneinander von Palais und Bürgerhäusern, die eine romantische Sehnsucht befördern, die Sehnsucht nach einer überschaubaren Stadt, nach einem Ort, an dem Geschichte, Kunst und Alltag - auf den ersten Blick zumindest - so eng miteinander verwoben sind ? Ist es also die romantische Verklärung der Vergangenheit, die hier so direkt fassbar, so lebendig erscheint, der Eindruck von ehemals erhabener Größe und Geschlossenheit, die uns die Gegenwart sonst nicht mehr bieten kann ?

Prag: Das Goldene Gässchen auf der Burg

Das Goldene Gässchen auf der Burg erinnert an längst vergangene Zeiten

Prag gilt seit jeher als eine der großen Kulturmetropolen. Die glanzvollen Epochen wie etwa die Zeit Karls IV., als Prag zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aufstieg, oder die Ära Rudolfs II., als Künstler aus ganz Europa hier arbeiteten, demonstrieren beispielhaft die Bedeutung der Stadt. Spätestens seit dem 10. Jh. hat Prag eine Vielzahl von Nationen beherbergt. Diese Menschen arbeiteten hier nicht nur als Händler und Handwerker, sie brachten auch neue Einflüsse, Techniken und Fertigkeiten mit. Künstler aus Italien und Frankreich, Flandern und Deutschland trugen zum kulturellen Reichtum der Stadt bei. Prag hat dabei wie keine andere Metropole Tschechen, Juden und Deutsche zusammen geführt - wenngleich nicht immer in friedlichem Nebeneinander. Diese "Drei-Völker-Stadt" - ein Begriff, den Franz Werfel prägte, hat kulturelle Leistungen hervorgebracht, die auch den deutschsprachigen Raum nachhaltig beeinflussten. Die Musik Dvoraks und Smetanas gehört heute ebenso zum europäischen Kulturerbe wie das schriftstellerische Werk von Franz Kafka, Egon Erwin Kisch, Jaroslav Hasek und Jaroslav Seifert, um nur einige der herausragenden Persönlichkeiten zu nennen.

Doch Prag zehrt nicht nur von seiner Vergangenheit. Auch heute kann sich der Prag: Straßenmusiker auf der KarlsbrückeBesucher über einen Mangel an kulturellen Veranstaltungen kaum beklagen. Zu jeder Jahreszeit kann man zahlreiche klassische Konzerte besuchen, vom großen Sinfonieorchester im Rudolfinum bis zur Kammermusik im Haus Zur steinernen Glocke. Täglich wird in den Jazzlokalen der Stadt Live-Musik geboten, die keine Vergleiche zu scheuen braucht, und zahlreiche Discos bieten die Möglichkeit, sich auszutoben. Die großen Kunstsammlungen der Stadt gewähren einen Einblick in die europäische Kunstgeschichte, in der die böhmischen Künstler einen bedeutenden Platz einnehmen; und die über die ganze Stadt verstreuten Kunstsammlungen und Galerien zeigen tschechische Kunst der Moderne.

Doch die Stadt hat noch weitere Gesichter: Da ist das Prag der bahnbrechenden Wissenschaftler wie Kepler, Tycho Brahe und Einstein. Da ist das jüdische Prag mit seinem wie verzaubert wirkenden Alten Jüdischen Friedhof und der ehrwürdigen Altneusynagoge. Und da ist nicht zuletzt das Prag der Goldmacher und Gespenster, der Geheimnisse und Mythen, die in den dunklen Gässchen der Altstadt manchmal Wirklichkeit zu werden scheinen.

Doch auch das Prag der Gegenwart sollte bei einem Besuch nicht zu kurz kommen: Bummeln Sie durch die Glasgeschäfte, Antiquariate und Kunstgewerbeläden, die seit einigen Jahren ein respektables Angebot bieten, genießen Sie die Kaffeehauskultur und versäumen Sie nicht, dem Weltruhm des böhmischen Bieres nachzuspüren.

 


 

 


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