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Man hat Zeit, viel Zeit

Inseln wie Tami gelten in Reisekatalogen gemeinhin als paradiesisch: vier palmenbestandene Eilande mit Korallenriff und weißem Sandstrand, gruppiert um eine fischreiche Lagune, sauberes Wasser und tropisches Klima. Dieses winzige Stückchen vom Paradies, irgendwo im Golf von Huon und höchstens auf detaillierten Seekarten verzeichnet, ist allerdings in keinem Prospekt zu finden. Die Einheimischen haben es für sich, und sie wollen, dass es so bleibt: Kokosnüsse und Bananen ernten, Fische fangen, Holzschüsseln und Holzlöffel schnitzen und damit gelegentlich auf dem Festland ein paar Tauschgeschäfte erledigen, das ist alles. Ansonsten haben sie Zeit, sich ihrem Gärtchen zu widmen, mal wieder ein neues Boot zu bauen, ihre aufgeräumte Insel noch mehr in Ordnung zu bringen oder mit den Kindern im schmucken Auslegerkanu ziellos durch die Lagune zu paddeln. Und dann haben sie immer noch Zeit, viel Zeit.

Papua neuguinea Geschwister

Früher, so gehen die Geschichten des Clans, kamen regelmäßig Invasoren vom Festland oder von anderen Inseln, aggressive Nachbarn, die zu Beutezügen herüberpaddelten. Deshalb legten sich die Tami-Leute abschreckende Masken aus Kokosschalen und raschelnde Kostüme aus den Blättern der Sagopalme zu, aber das half ihnen nicht immer. Doch an die Zeiten dieser Kämpfe kann sich keiner der Einwohner mehr erinnern, sie liegen mehr als hundert Jahre zurück.

papua Neuguinea Maskenmänner

Heute tragen sie die Kriegskostüme nur noch zu besonderen Anlässen wie zur Begrüßung der Schiffe, die hier zwei- oder dreimal pro Jahr vor Anker gehen. Und weil ihnen der traditionelle Kriegstanz soviel Spaß macht, aber nicht jeder daran teilnehmen kann, haben sie neuerdings noch eine zweite Gruppe gegründet und einen bis dahin unbekannten Tanz mit neuen Kostümen und neuer Musik choreographiert. Verwurzelt in ihrer Kultur und aufgeschlossen zugleich sind sie, die Tami-Leute, und Zeit zum Üben haben sie genug.

Papua Neuguinea  Tänzer

Die sechs Dörfer auf Cape Nelson sind auf Tourismus eingerichtet. Aber weil nur hin und wieder einige Taucher oder Hochseefischer auf der Halbinsel landen, muss das Einkommen gerecht geteilt werden. Jedes Dorf hat seinen Strand und beansprucht einen Abschnitt der Küstengewässer, und so hat man sich auf ein Rotationsprinzip geeinigt. Die Gemeinden kommen abwechselnd an die Reihe, und das verdiente Geld wandert in eine gemeinsame Kasse. In vertrauensvoller Harmonie lebt man deshalb noch lange nicht: Holt ein Dorf seinen Anteil ab, dann müssen mindestens drei Personen beteiligt sein, und es wird zum Beweis ein Foto gemacht: Die Geldscheine werden deutlich sichtbar vor die Kamera gehalten - und klick: der Umgang mit traditionellem Gemeindeeigentum in Zeiten digitalisierter Technik.

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