DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Deutsche Geschichte im Pazifik

Samson Kakai kennt sich gut aus mit deutscher Geschichte - jedenfalls, soweit sie sich in Papua Neuguinea abgespielt hat. Er lebt in Kokopo, das Herbertshöhe hieß, als sich das Deutsche Kaiserreich gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts auch im Pazifik ausbreiten wollte und im östlichen Neuguinea das Kaiser Wilhelms-Land ausrief. Samson führt Touristen über den deutschen Friedhof, wo zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts unter tropischer Sonne drei Dutzend Menschen begraben wurden: einige Pflanzer, ein paar Besatzungsmitglieder von Schiffen der Kaiserlichen Marine und mehrere „unbekannte Deutsche“.

Papua Neuguinea Fest der Frauen

Samson hat auch die deutsche Abteilung im Heimatmuseum von Kokopo zusammengestellt. Viel zu sehen ist freilich nicht, außer einigen Dokumenten der „Neu Guinea Compagnie zu Berlin“ und Fotos aus der Zeit von 1884 bis 1914, in der die Deutschen rund um Herbertshöhe Kokosnuss- und Kopraplantagen aufbauten. Die Bildunterschriften unter den verblaßten Fotografien sind in deutscher Sprache verfasst: „Auf dem Tennisplatz“, heißt es da, „Kaserne für farbige Polizeisoldaten“ oder „Dr. Wilhelm Wendland vor dem Hotel Fürst Bismarck“ - die skurril anmutende Dokumentation einer kurzlebigen Kolonialgeschichte.

Papua Neuguinea geschmückte Frauen

Samson, der junge, gebildete Papua, mag tagsüber sein historisches Wissen an Touristen weitergeben und sich mit ihnen über die Probleme dieser Welt unterhalten. Aber abends kehrt er zurück in sein Dorf, lebt dort ein traditionelles Leben und befolgt die Regeln seines Tolai-Clans. Kaum zu Hause, wechselt er deshalb sein hellblaues Hemd und seine gebügelte Hose gegen einen Lendenschurz. Seine Frau hat er, wie Generationen vor ihm, mit Muschelgeld gekauft - die einzige Möglichkeit, die Eltern der Braut für sich zu gewinnen. Das Muschelgeld existiert beim Clan weiterhin neben den Kinas, der offiziellen Landeswährung. Während der Verlobungszeit hatte Samson bereits eine Anzahlung hinterlegen müssen. Wie viel die Braut ihm wert war, will er nicht verraten, aber eine gute Frau, so sagt er, bekomme man wohl für tausendfünfhundert Kina in Muschelwährung.

Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 / 8 (Infos) / zur Startseite



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel




Twitter
RSS