DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Verblasster kolonialer Glanz

Noch ein Plan, der gründlich schiefgegangen ist: Ein gewisser Christopher Robinson - „ein aufrechter Richter“, wie es auf seinem Grabstein in Samarai heißt - versuchte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Papua Neuguinea in ein „Land für den weißen Mann“ zu verwandeln. Dreißig Jahre später schien das Projekt vorangekommen zu sein, zumindest auf der Insel Samarai, damals eine günstig gelegene Zwischenstation an der Handelsroute zwischen Australien und China. Auf alten Fotos erkennt man eine Stadt mit rechtwinklig ausgelegten Straßen, feinen Kolonialhäusern und einem veritablen Schiffsanleger.

Papua Neuguinea großes Auslegerkanu

Heute ist Samarai ein trauriger Ort; der Welthandel hat die Insel links liegen gelassen. In den Straßen wächst das Gras, die Farbe von den Holzhäusern ist längst abgeblättert, und viele Fenster sind mit Brettern vernagelt. Der einst stolze Pier fault vor sich hin. In der anglikanischen Kirche tropft der Regen durchs Dach, und während des Monsuns fließen kleine Bäche an den Bänken der wenigen Gläubigen vorbei. Die beiden Buntglasfenster sind beschädigt, der Engel hat ein Loch im Gewand. Ein halbes Dutzend Bibeln und Gesangbücher liegen noch aus, doch sind ihre Seiten von Schimmel und Termiten angefressen.

Papua Neuguinea Erdnussverkäuferin

Zwar steht das Städtchen offiziell unter Denkmalschutz, doch niemand hat hier Geld übrig für seine Erhaltung. Einzig und allein der meterhohe Grabstein von Mister Robinson steht aufrecht und unantastbar mitten auf einer Straßenkreuzung und zeugt von den hochtrabenden Absichten der britischen Kolonialmacht. Der Mann, den wir im Büro der Stadtverwaltung treffen, zuckt mit den Achseln: „Das geht hier alles sowieso unter“. Bis dahin findet man in Samarai zumindest noch den morbiden Charme eines verblassten kolonialen Glanzes.

Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 / 8 (Infos) / zur Startseite



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel




Twitter
RSS