Papua-Neuguinea
schwarzaufweiss




Fotos: Albrecht Schaefer und Wolfgang Hickel
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Kurzportrait
Gegen
Ende des 20. Jahrhunderts Jahre war es, als diese Szene im Fernsehen
rund
um den Globus ging: Ein Hubschrauber landet
zwischen ein paar Hütten in einem unzugänglichen Gebiet im
westlichen Hochgebirge, nicht weit entfernt von Ok Tedi, der bedeutenden
Gold- und Kupfermine im Herzen Neuguineas. Zaghaft nähern sich
spärlich bekleidete, dunkelhäutige Menschen dem seltsamen
Rieseninsekt. Verschreckt hören sie zum ersten Mal Popmusik aus
einem Radiogerät der Besucher, ungläubig betrachten sie sich
in einem Spiegel.

Festlich
dekorierter Mann von Mendi
Ein von der modernen Welt abgeschiedenes, geheimnisvolles Land!
Wo die Steinzeit andauert, wo unbekannte, kriegerische
Stämme leben,
die vielleicht - so munkelt mancher gerne – gar Kopfjagd und
Kannibalismus praktizieren. Wo Krokodile, Schlangen, Malariamücken
und viele andere Gefahren lauern.
Papua-Neuguinea! So viel Exotik steckt in diesem Namen, und allerlei
Abenteuerliches vermittelt das klischeehafte Bild, das sich hartnäckig
in Medien und Köpfen hält.
Das von Europa weit weg im Norden von Australien gelegene Land
ist in der Tat mit vielfältigen Naturattraktionen gesegnet, die selbst
erfahrenen Globetrottern das Staunen lehren. Atemberaubende, urzeitlich
anmutende Gebirgspanoramen, aktive Vulkane, rauschende Wasserfälle,
reißende Wildbäche, träge mäandernde Dschungelflüsse,
vor den Küsten des Pazifiks und der Salomonensee Tauchgründe,
die zu den besten der Welt zählen. Die Region Neuguinea stellt
sich als geografische und kulturelle Übergangszone dar. Sie liegt
zwischen dem indonesischen Archipel im Westen und den Inselgruppen
von Neubritannien, Neuirland, Bougainville, den Salomonen-Inseln und
weiteren pazifischen Inseln im Osten. Die Insel Neuguinea, die zweitgrößte
der Erde, durchzieht eine zentrale Gebirgskette, die zu den Küsten
hin steil abfällt. Bis zu 20 Kilometer weite Täler und mehrere
hundert Meter tiefe Schluchten liegen zu Füßen mächtiger
Berge, die in Papua Neuguinea mit dem Mt. Wilhelm in 4509 Meter ihre
höchste Erhebung finden.
Und erst die Menschen! Mit mehr als 820 Sprachen unter den rund
200 bekannten Kulturgruppen ist Papua Neuguinea die in linguistischer
Hinsicht vielfältigste Region der Erde. Eine Fülle an Lebensweisen
und Sozialformen, die nach wie vor Sprachkundler, Ethnologen und Verhaltensforscher
in ihren Bann zieht. Kriegerische Bergstämme, idyllisch siedelnde
Küstenfischer, im Matriarchat lebende Insulaner, die Bewohner
der ehrwürdigen Kunstregion am Fluss Sepik stellen nur einen Ausschnitt
der farbenprächtigen Palette dar. Andererseits taucht PNG, wie
es offiziell abgekürzt wird, ganz selten, wie anlässlich
oben geschilderter Episode, in den Alltagsnachrichten auf. Hin und
wieder bringen spektakuläre Vulkanausbrüche und Erdbeben
die im „pazifischen Feuerring“ eingebettete Insel in die
Schlagzeilen. Von einer langjährigen Rebellion auf der Nebeninsel
Bougainville erfuhren zum Beispiel jedoch viele Menschen erst,
als sie 2001/02 durch ein Friedensabkommen mit der Zentralregierung
von
PNG beigelegt wurde.
Die weltpolitische Randlage hat Geschichte. Portugiesische
Seefahrer hatten die „Ilha dos Papuas“, „die Insel der Kraushaarigen",
Anfang des 16. Jahrhunderts gesichtet. Sich ebenfalls durch Vegetation
und Menschen an Afrika erinnernd hatten kurz darauf die spanischen
Kontrahenten die Neuentdeckung "Nueva Guinea" getauft und
erstmals den europäischen Seekarten einverleibt. Die einst durch
eine Landbrücke mit Nordaustralien verbundene und erst mit Abschmelzen
der Eiszeitgletscher vor rund 6000 Jahren abgetrennte Insel ist allerdings
schon seit mindestens 50 000 Jahren von Menschen bewohnt. Erst im 19.
Jahrhundert erlangte Neuguinea kolonialpolitische Bedeutung und wurde
durch fast schnurgerade Grenzlinien am Verhandlungstisch aufgeteilt:
Den Westen erhielt Holland, den Südosten die Briten, und der Nordosten
kam als „Kaiser-Wilhelm-Land“ zum Deutschen Reich.
Goldsucher, Pflanzer und Wissenschaftler folgten Seeleuten
und Händlern
und wagten sich allmählich hinter die Küstenlinien vor, drangen
auf entbehrungsreichen, oft tödlich endenden Expeditionen ins
Innere der Insel vor. Die Entdecker fanden, in einigen Landesteilen
erst zwischen 1950 und 1960, teils sesshafte Bauernvölker mit
hoch entwickelter Feldwirtschaft, teils im dichten Bergdschungel jagende
Halbnomaden vor. Sehr bald nach dem Erstkontakt wurden Missionare aus
aller Herren Länder und verschiedenster Konfession aktiv, galt
es doch, die „wilden“ Insulaner auf den entsprechend unterschiedlich
interpretierten „rechten Glaubensweg“ zu bringen.
Während des ersten Weltkrieges nahmen die Engländer den Deutschen
deren Besitz an der Bismarck-See wieder ab. Ein Vierteljahrhundert
später lieferten sich Japaner und Alliierte in Neuguinea, das
immerhin wie ein Bollwerk vor dem fünften Kontinent liegt, blutige
Schlachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Australien den
Osten als Mandats- beziehungsweise Protektoratgebiet. Der Westteil
ist seit 1961, als die Holländer ihre letzte Kolonialbastion in
Südostasien aufgeben mussten, eine Provinz Indonesiens. Deren
Papua-Bevölkerung wartet bis heute auf die ersehnte und häufig
gewaltsam umkämpfte Autonomie, während die ehemals deutschen
und britischen Gebiete als Unabhängige Republik Papua Neuguinea
bereits 1975 politisch selbständig wurden.
Port Moresby, bedeutender Hafen am Golf von Papua, ist Sitz
der Regierung und größte Stadt des Landes. 360 000 der über 5.2 Millionen
Menschen zählenden Bevölkerung von PNG leben hier, wo 1873
Kapitän John Moresby als erster Europäer mit den Motu-Fischern
des Pfahlbautendorfes Hanuabada Handel trieb. Das Dorf ist heute eins
der ansehnlichen und sehenswerten Ziele in Stadt und Umgebung, wie
Koki Market, Ela Beach, Idler’s Bay, Bootless Bay und die vorgelagerten
Inselchen, die vor allem ansässige Expats und Veranstalter zum
Tauchen und zu Bootsausflügen ansteuern. Ansonsten stellt Port
Moresby zweifellos den krassen Kontrapunkt zum Rest des Landes dar:
Modern, stellenweise gesichtslos und hektisch wie im Geschäftszentrum
Boroko, laut, mit einer in fast allen Metropolen notorisch beunruhigenden
Kriminalitätsrate, die auch aus der ungebremsten Abwanderung in
den verschiedenen Provinzregionen von Papua Neuguinea resultiert. Meist
suchen die Zugewanderten aus den Provinzen Unterstützung bei ihren „Wantoks“,
die schon in der Stadt leben. Das „Wantok“-System (von
One talk – eine Sprache) beruht auf dem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl
und der Hilfsverpflichtung der Mitglieder einer Sprachgruppe.
Ästhetisch und aufgeräumt, aber auch abgehoben und leblos wirken
die Bauten und Parkanlagen in Waigani, wo die meisten der
Regierungsämter
angesiedelt sind. Als absolute Höhepunkte gibt es
dort das Parliament House mit seiner symbolträchtigen
Architektur im Stil eines Kulthauses der Maprik-Region
und das benachbarte National Museum & Art Gallery,
das zu Beginn oder am Ende eines Besuchs in PNG einen ausgezeichneten
kulturhistorischen und ethnologischen Überblick vermittelt.
Erholung und Einführung in landestypische Flora und
Fauna bieten die im Norden von Waigani angelegten National
Botanic Gardens.

Im
Hochland bei Tari, Mt. Hagen
Ein
beachtlicher Teil der Neuguinea-Touristen interessiert sich für
die Hinterlassenschaften des letzten Weltkrieges. Da suchen noch immer
Japaner und Koreaner nach den Gebeinen ihrer Verwandten, hin und wieder
durchkämmt ein US-Veteran ein Stück Urwald um sein damals
abgeschossenes Flugzeug zu finden. Kaum ein Küstenabschnitt im
Norden und Osten, an dem nicht verrostete Landungsboote und Panzer
im Sand stecken, neben bunten Korallenbänken sind es Kriegswracks,
die Taucher aus aller Welt unter Wasser locken. Rund um die Hauptstadt
und in der angrenzenden Central Province sind etliche solcher „War
Memorials“ verstreut. Die bekannteste und vorzugsweise in den
relativ trockenen Monaten August und September intensiv erlaufene und
erkletterte Gedenkstätte ist der Kokoda Trail, eine damals strategisch
wichtige Nachschubverbindung zwischen Salomonen-See und Papua Golf,
die durch steilen dampfenden Urwald verläuft.
Gute
Straßenverbindungen sind im Archipel, aber auch auf der
Hauptinsel, dem Festland, immer noch sehr spärlich. Von dem rund
20 000 km weiten Netz sind nur etwa 750 km für den Fernverkehr
asphaltiert. Einige solcher Highways führen von Port Moresby in
die Umgebung, auch die beiden bedeutenden Küstenstädte Lae
und Madang sind durch eine Überlandtrasse verbunden. Die wichtigste
Lebensader windet sich in Ost-West-Richtung quer über die Inselhälfte
von Lae bis Lake Kopiago. Das letzte Stück ist ab Tari nur mit
Geländefahrzeugen zu bewältigen.
Wer also in relativ kurzer Zeit viel vom Land sehen will, ist auf das
Flugzeug angewiesen. Die stattliche Zahl von 500 Flugplätzen im
ganzen Land spricht für sich – dass etwa 470 davon mit Schotter-
oder Graspisten aufwarten, unterstreicht den „Last Frontier“-Charakter
in weiten Teilen von PNG.
Die Atmosphäre von Abenteuer und Pioniererlebnis empfängt
die Reisenden spätestens im Hochland, wenn sie sich in den Western
Highlands, in der Chimbu Provinz, bei den Enga-Leuten in Western Highlands
oder in den Southern Highlands rund um Tari bei den als „Wig
men“ (Perückenmänner) bekannten Huli aufhalten. Die
meisten der Highland-Stämme schicken alljährlich ihre Delegationen
zu den weltberühmten Highland Shows, die in Mt.
Hagen (3. Augustwochenende)
und in größerem Stil in Goroka zum Unabhängigkeitstag
(Mitte September) veranstaltet werden. Was im Kleinen die häufig
gefeierten „Sing Sing“, farbensprühende Tanzfeste
anlässlich von Hochzeiten, Weihnachten, Wahlkampagne, Kirchweihe,
Papstbesuch oder „Pay back“ - Kompensationsritual nach
Streitigkeiten mit oder ohne Schweinebraten im Erdofen - repräsentieren,
offenbaren die überregionalen Schautreffen auf spektakuläre
Weise: den Wettstreit faszinierender Körperdekoration zwischen
den Teilnehmergruppen und den einzelnen Akteuren.
Vor rund 50 Jahren wurden diese Treffen der verschiedenen Ethnien
ins Leben gerufen, um traditionelle Distanz und Furcht der Gruppen
untereinander
abzubauen. Verlässt man heute den Highland Highway und dringt
beispielsweise auf Trekkingtouren ins Zentralgebirge vor, in das abgelegene
Tal des Strickland River oder eventuell sogar bis auf die Gipfel von
Mt. Otto oder Mt. Wilhelm, erkennt man unschwer die isolierte, weit
verstreute Siedlungslage der Papuavölker. Noch immer tragen die
Männer stolz Pfeil und Bogen, die zur Jagd und nicht selten auch
bei Fehden zur Geltung kommen. Wie seit unzähligen Generationen
bestellen die Frauen die Süßkartoffelfelder, und zeitlos
erscheinen die Rundhütten in den kühlen Nebelschwaden, die
sich über den Bergurwald legen.
Um so größer ist der Kontrast zu Klima, Landschaft und Lebensweise
am Sepik, dem zu deutschen Kolonialzeiten Kaiserin Augusta-Fluss genannten
Strom im Norden. Er ist neben dem in den Papua-Golf mündenden
Fly River die wichtigste Wasserstraße von PNG. Wenn auch tropische
Begleiterscheinungen wie Malariamücken und drückende Schwüle
eine Reise an den Sepik erschweren, lohnt sich ein Besuch in diese
einzigartige Gegend zwischen Bismarck-See und Hochland allemal. Kennern
des pazifischen Kunstschaffens sind sie bestens vertraut, die Yatmül
am Unteren und Mittleren Sepik und deren große Kulthäuser
(Haus Tambaran), in denen wunderschön geschnitzte Masken an Naturgeister
und Ahnen erinnern. Wo geheiligte Schlitztrommeln und Bambusflöten
nur von den Big Men berührt werden dürfen, gestandenen Männern,
die sich in Verehrung des mächtigen Krokodils unzählige Narben
auf die Körper tätowieren lassen.
Zahlreiche Flusslagunen und Seen, wie die ebenfalls als eigene
Kulturregion bekannten Chambri-Lakes, das Gebiet der Abelam bei
Maprik, die im
Hinterland südwestlich der Küstenstadt Wewak ihr Leben dem Yamskult
unterordnen, gehören ebenfalls zu einer erlebnisreichen Sepik-Erkundung.
Ganz harte Neuguineafreaks können sogar in gemieteten Motorkanus
an den zahlreichen Nebenflüssen entlang bis zur Grenze nach Westpapua
flussaufwärts fahren. Mit der Gewissheit, in eine Welt eintauchen
zu können, wo die Steinzeit noch nicht vergessen ist.

Zum
Tanzfest geschmückt
Als
ob er ein Stück von der polynesischen Seite des Pazifiks
wäre, stellt sich der wie die Samarai- und D’Entrecasteaux-Inseln
zur östlichen Provinz Milne Bay gehörende Trobriand-Archipel vor. Erstmals internationale Beachtung fanden die flachen Koralleninseln
durch die Literatur des Ethnologen Bronislaw Malinowski, der zu Zeiten,
als der Erste Weltkrieg tobte, von den „Inseln der Liebe“ berichtete.
Von anmutigen Menschen ist dort zu lesen, die im Matriarchat leben,
ein für europäische Verhältnisse und im Gegensatz zum
Rest des Landes sehr freizügiges Sexualverhalten praktizieren,
möglichst dicke Yamsknollen züchten und mit ihren kunstvoll
gebauten Auslegerbooten weite Reisen durch die Salomonen-See unternehmen.
Die Hauptinsel Kiriwina hat ihr paradiesisch anmutendes Flair behalten
und zieht trotz ihrer bescheidenen Infrastruktur regelmäßig
Besucher an. Hin und wieder gehen in den geschützten Lagunen auch
Weltumsegler und Kreuzfahrer vor Anker um die Südseeromantik und
die fröhlichen Tänze der Trobriander zu genießen.
In
der Kette von Inseln, die im Osten Papua Neuguineas die Bismarck-
und die Salomonen-See
vom Pazifik abtrennen, nimmt New Britain die
größte Landfläche ein. Gleich zwei Provinzen haben
auf ihr Platz. Die wenigen Bewohner von West
New Britain hatten erst
um 1960 intensiveren Kontakt mit Europäern und leben auch heute
noch eher in einfachen Verhältnissen. Dicht, mehrheitlich von
den Tolai besiedelt ist dagegen die Gazelle-Halbinsel in East
New Britain.
Die Deutschen legten hier weitflächig Pflanzungen an, entsprechend
attraktiv war die Gegend für die feindlichen Konkurrenten. Als
strategisch idealer Stützpunkt während beider Weltkriege
erlebte vor allem die Hafenstadt Rabaul massive Angriffe von See aus.
Doch den größten Schaden brachten ihr die aktiven Vulkane
Tuvurvur und Vulcan bei, deren wütende Eruptionen von 1994 die
einst blühende, geschichtsträchtige Stadt unter sich begraben
haben. Heute ist Rabaul zu weiten Teilen von Asche bedeckt. Neue Siedlungen
und Märkte sind entstanden, im Simpson Harbour ziehen die Fischerboote
durchs stille Wasser, langsam erholen sich die Menschen von dem Schock
und zeigen Besuchern die Ruinen, den rauchenden Tuvurvur und japanische
Tunnelanlagen als makabre Attraktionen. Zum versöhnlichen Ausgleich
bieten sich Schnorchelausflüge im Naturhafen und Bootstouren zu
den Duke of York-Inseln an.
Lang und schmal liegt im Norden von New Britain die ebenfalls
seit gut 30 000 Jahren besiedelte Inselprovinz New
Ireland.
Zwar hatten
sich auch hier die kolonialen Verwaltungen und Plantagenbesitzer
etabliert, doch New Ireland mit der Haupt- und einzigen
Hafenstadt Kavieng blieb
wenig bekannt und besucht. Noch wartet der Welt vermutlich größte
Goldmine auf der vorgelagerten Insel Lihir auf Ausbeutung. Immerhin
haben die verheerenden Vulkanausbrüche von Rabaul der Provinz
zahlreiche Zuwanderer gebracht. Viele weiße Strände laden
zum Baden und Faulenzen ein, die hübsche Stadt Kavieng lässt
sich bequem mit dem Fahrrad erkunden, und in den größtenteils
traditionellen Dörfer trifft man auf ausgesprochen freundliche
Menschen.
Manus heißt die größte der Admiralitätsinseln
in der nach ihr benannten Provinz weit im Norden der Bismarck-See.
Nur wenige Reisende dringen bis hierhin vor, anders als während
des Zweiten Weltkriegs, als rund eine Million australischer und amerikanischer
Soldaten an Land gingen um die den Japanern abgejagte Inselbasis zu
behaupten. Die soziologischen und kulturellen Auswirkungen dieser unfreiwilligen
Kontakte hat übrigens die Ethnologin Margret Mead auf Manus studiert,
bei den Bewohnern, die im Übrigen überdurchschnittlich gut
gebildet und zu einem hohen Prozentsatz auf dem Festland in hohen Positionen
vertreten sind.
Bleibt
noch der Blick auf die North Solomon Province. Deren Hauptinsel Bougainville,
die dort aktive Rebellenbewegung Bougainville Revolutionary
Army, die umstrittenen Einsätze der offiziellen Truppen und damit
verbundene Politikskandale waren in den vergangenen 20 Jahren immer
wieder für negative Nachrichten gut. An Landrechtsfragen bezüglich
einer großen Kupfermine entzündete sich ein bürgerkriegsartiger
Konflikt, der in den folgenden Jahren über 20.000 Todesopfer und
mindestens ebenso viele Vertriebene forderte. Schon zu Kolonialzeiten
gab es vehementen Widerstand gegen Fremdbestimmung in dieser nahe des
Nachbarstaates Salomoneninseln gelegenen Provinz. Seit 1964 die überaus
ertragreiche Kupfermine Panguna aufgetan wurde, kamen alte und neue
Landstreitigkeiten zu den Querelen um Autonomie hinzu. Immerhin produzierte
Panguna bis zu der durch die kriegerischen Auseinandersetzungen erzwungenen
Schließung 1989 zeitweise 45 Prozent des Staatseinkommens von
PNG. Die Bewohner, allgemein als Buka bekannt, sprechen rund 20 unterschiedliche
Sprachen und sind in matrilinearen Verwandtschaftsgruppen organisiert.
Ihr landesweit auffälliges Merkmal ist die sehr dunkle Hautfarbe
und - vor allem bei Kindern und Jugendlichen häufig – strohblondes
Haar. Ihre politische Zukunft ist ungewiss. Immerhin hat die Unterzeichnung
des Friedensabkommens von Arawa auf Bougainville im Frühjahr 2002
die Entwaffnung der Rebellengruppen veranlasst. Der Vertrag stellt
weitgehende Autonomie für die Insel und in einigen Jahren ein
Unabhängigkeitsreferendum in Aussicht.
Wie eingangs gesagt, assoziieren wir gerne das Pazifikland Papua Neuguinea
mit der kriegerischen Tradition seiner Bewohner. Den Krieg auf Bougainville
hat die Weltgemeinschaft kaum registriert. Bleibt zu hoffen, dass die
Sehnsucht der Bewohner nach Frieden mehr Aufmerksamkeit erlangt.
Albrecht
G. Schaefer
Adressen,
Links, Musik und Bücher

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Reiseinfos
Ein- und Ausreise
Deutsche Staatsangehörige können zwar bei Einreise am Flughafen
von Port Moresby ein Touristenvisum mit 60tägiger Gültigkeitsdauer
erhalten, jedoch wird die vorherige Beantragung bei der Botschaft Papua-Neuguineas
empfohlen (Bearbeitungszeit mind. 2 Tage, Gebühr für Touristenvisum
ca. 25EUR). Der deutsche Kinderausweis wird anerkannt. Rückflug-
bzw. Weiterreiseticket und der noch mindestens sechs Monate über
das Einreisedatum hinaus gültige Reisepass sind vorzulegen. Für
einen anderen als touristischen Aufenthalt ist die Einholung eines Visums
bei der Botschaft Papua-Neuguineas unerlässlich. Nach der Schließung
der Botschaft von Papua-Neuguinea in Bonn ist für Deutschland die
Botschaft von Papua-Neuguinea in Brüssel zuständig Bei Ausreise über
einen internationalen Flughafen fällt eine Departure Tax von 30
Kina an.
Klima, Reisezeit
PNG unterliegt einem allgemein tropisch heißen und feuchten Klima.
Von Dezember bis April dauert die regenreiche Jahreszeit. Beste Reisezeit
sind die niederschlagsärmeren Monate Mai bis November. Örtlich
können sehr drastische Ausnahmen auftreten. Die Temperaturen im
stets feuchten Hochland fallen gelegentlich und örtlich bedingt
bis unter minus 10 Grad Celsius.
Gesundheit
Außer
bei Einreise aus Infektionsgebieten besteht kein Impfzwang. Schutzimpfungen
bzw. Auffrischungen gegen Cholera, Hepatitis,
Typhus, Polio und Tetanus sind in Absprache mit Gesundheitsamt bzw.
Tropeninstitut zu empfehlen. Dringend ratsam ist Malaria-Prophylaxe,
insbesondere bei
Besuch des tropischen Tieflandes (Sepik, Küstengebiete, Inseln).
Wichtig sind wirksame Wunddesinfektionsmittel. In den Städten
und größeren Außenposten stehen notfalls Apotheken
und Ärzte
zur Verfügung.
In diesem Zusammenhang ist interessant: Ca. 12000 Einwohner kommen
in PNG auf einen Arzt! 1999 wurden 5400 HIV-Infizierte und 540 AIDS-Tote
in PNG gemeldet.
Geld
Nationale
Währung
ist der Kina (=100 Toea). Banken in den Städten tauschen Euro
und andere gängige Fremdwährungen
(Bar und/oder Reiseschecks) in der Regel problemlos um. Kreditkarten
werden in Hotels, Supermärkten, größeren Restaurants,
bei Reiseveranstaltern und Airlines akzeptiert.
Sprache
Englisch
gilt als Amtssprache. Neben Motu ist Melanesian-Pidgin (Tok Pisin)
Nationalsprache, die zwischen den vielen hundert einheimischen
Sprachen vermittelt.
Literaturtip: „Pidgin-Englisch für Papua Neuguinea“,
Reihe Kauerwelsch B. 18, Reise Know-How-Verlag.
Verkehrsmittel
Flugzeug: Air Niugini fliegt rund 100 Inlandsziele an, über 20 größere
Städte werden so miteinander verbunden, die Flugpreise sind hoch.
Inlandflüge sollten zwischen November und Februar gebucht werden.
Für im voraus gebuchte Ausflüge gibt es Ermäßigungen.
Außerdem können Flugzeuge gechartert werden. Daneben verkehren
kleinere Flugzeuge privater Firmen und der Missionsfluggesellschaft MAF,
die auch entlegenere Flugpisten ansteuern.
Schiff: Kreuzfahrten und Ausflugsfahrten (3-16 Tage) werden angeboten,
sowohl zu anderen Orten an der Küste als auch zu den Inseln. Die
Reederei Lutheran Shipping bietet Fracht-/Passagierverbindungen (einschl.
Passagierkabinen und Mahlzeiten) zwischen Madang und Lae an. Im Programm
der Melanesian Tourist Services sind Expeditionsfahrten von Alotau nach
Madang mit Zwischenstation auf den Trobriand-Inseln sowie von Madang
nach Timbunke über Sepik. In einigen Landesteilen stellen die Flüsse
die Hauptverkehrsadern für die einheimische Bevölkerung dar,
das wichtigste Transportmittel ist der Einbaum. In diesen Gegenden kann
man kleine Motorboote mieten oder auf Frachtschiffen Passagen buchen.
Kreuzfahrten werden vor allem auf dem Sepik angeboten.
Straße: Linksverkehr. Der Straßenbau im Landesinneren schreitet
nur langsam voran. Das bisherige Straßennetz verbindet die Städte
an der Nordküste (Madang und Lae) mit den größeren Orten
im Hochland. Bus: Begrenzte Busliniennetze existieren in Port Moresby
und abgelegeneren Regionen. Touristenzentren haben normalerweise keine öffentlichen
Verkehrsmittel. Im Hochland verkehren Busse zwischen Goroka und Lae bzw.
Mount Hagen. Man kann Busse, LKWs und Pick-ups chartern. Fahrten in sog. „PMV’s“ ,
im Stil von Sammeltaxis operierende Kleinbusse verkehren innerhalb der
größeren Orte und teilweise auch über Land, sind allerdings
mit Vorsicht zu benutzen (s. Sicherheit).Taxis gibt es in den regionalen
Hauptstädten. Mietwagen (nur tagsüber innerhalb von Städten
und bei guter Ortskenntnis zu empfehlen) sind in den größeren
Städten bei den bekannten Firmen erhältlich. Vorzulegen ist:
Nationaler Führerschein bei Aufenthalten von bis zu drei Monaten.
Sicherheit
Die beiden größten Städte Port Moresby und Lae sind schon
seit Jahren notorische Sorgenkinder, was öffentliche Sicherheit
betrifft. Auch wenn zeitweise die Medien die Risiken überfallen,
ausgeraubt und vergewaltigt zu werden, etwas übertrieben dargestellt
haben mögen. Reisende sollten sich der Gefahren bewusst sein, vor
allem nach Einbruch der Dunkelheit möglichst keine Spaziergänge,
schon gar nicht allein unternehmen. Überfälle kommen bedauerlicherweise
auch auf dem Land vor, die schlechte Infrastruktur, besonders im Verkehrsbereich
mag das begünstigen. Daher wird von offizieller Seite geraten Hotel-
und/oder Veranstaltertransporte öffentlichen Verkehrsmitteln vorzuziehen.
Statistik
Lage
Papua Neuguinea (PNG) liegt im Norden von Australien auf den Koordinaten 6° 00’ S,
und 147° 00’ O. Im 463 814 qkm großen Land (5,5,mal größer
als Österreich), das die Osthälfte der Insel Neuguinea, den Bismarck-Archipel
und südöstliche gelegene Inselgruppen umfasst, leben über 5,2
Millionen Menschen: Papuas, Melanesier, Mikronesier, Negritos, Polynesier, ca.
1 Prozent Europäer und Asiaten. Die wichtigsten Städte: Port Moresby,
Lae, Madang, Goroka, Mt. Hagen, Wewak.
Demografische
Struktur
Bevölkerungswachstum: 2,5%.
Durchschn. Lebenserwartung: 64 Jahre (Frauen: 66 J. Männer 62 J.) Alphabetisierungsrate:
64,5% (72% männl., 57% weibl.)
Große Religionsvielfalt und -konkurrenz: Röm-Kath.: 22%, Lutheraner:
16%, Presbyterianer/Methodisten/London Missionary Socitey: 8%, Anglikaner:5%,
Evangelical Alliance: 4%, Seventh-Day-Aventist: 1%, andere Protestanten: 10%,
traditionelle (nicht christliche) Glaubensrichtungen: 34% Geburtenrate: 31,61
Geburten auf 1000 Einwohner
Kindersterblichkeit: 56,53 Todesfälle auf 1000 Lebendgeburten
Altersverteilung: 0-14 Jahre: 38,6%, 15-64: 57,7%, 65 und älter: 3,7%.
Telefonanschlüsse (Festnetz): ca. 62 000, (Mobil: ca. 5000)
Fernsehgeräte: rd. 65 000
Politische
Verwaltung
Der Unabhängige Staat Papua-Neuguinea ist eine parlamentarisch-demokratische
Monarchie im Commonwealth of Nations; Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth
II. Regierungschef ist der Premierminister mit fünfjähriger Amtszeit.
Einkammerparlament mit 109 Sitzen, nächste Wahlen 2007 (alle fünf Jahre).
In der regierenden National Alliance Party sind zahlreiche Parteien integriert,
die Opposition People’s Democratic Movement wird vom vorhergehenden Premier
Sir Mekere Morauta geführt.
PNG besteht aus 20 Provinzen, die von Gouverneuren regiert werden. Die Provinzparlamente
werden alle vier Jahre neu gewählt.
Wirtschaft/Statistik
Unter der Armutsgrenze leben 37%. Bruttoinlandsprodukt: 3.25 Mrd. EUR (2000),
BIP pro Kopf: 640 EUR. Inflationsrate: 10.3% (2001). Außenverschuldung:2.6
Mrd. US$ (2000), Wirtschaftshilfe(2000 erhalten): 400 Mio. US$.
Agrarproduktion: Kaffee, Kakao, Kokosprodukte, Palmkern, Tee, Kautschuk, Süßkartoffeln,
Obst,Gemüse, Geflügelfleisch, Schweinefleisch.
Elektrizitätsgewinnung aus fossilen Quellen: 55%, Hydrokraftwerk: 45%.
Hauptindustriezweige: Kopraprouktion, Palmölprouktion, Sperrholz- und
Holzchipfabrikation, Bergbau (Gold, Silber, Kupfer) Erdölförderung,
Bauwesen, Tourismus.
Hauptexportgüter: Öl, Gold, Kupfererz, Hartholz, Palmöl. Kaffee,
Kakao, Garnelen, Langusten. Gesamtexportumsatz: 1,8 Mrd.US$ (2001).
Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Fertigwaren des Konsumsektors, Lebensmittel,
Treibstoff, Chemikalien.
Wichtigste Exportpartner: Australien (30%), Japan (11&), China (6%), Deutschland
u. Südkorea (je 4%), Großbritannien (3%), USA (1%)
Wichtigste Importpartner: Australien 50%, Singapur (20%), Japan (4%), Neuseeland
(4%), Indonesien u. Malaysia (je 3%), USA (2%).
Reich mit Bodenschätzen
gesegnet, sieht sich PNGs Wirtschaftskraft mit den schwierigen Abbaubedingungen – unwegsames
Gelände, kostenintensive Entwicklung der Infrastruktur, konfrontiert.
Etwa 85% der Bevölkerung leben in Subsistenzwirtschaft vom Agrarbereich.
Rund 72% es Exporterlöses stammen aus Bergbau und Erdölförderung.
Australien hat seit der Unabhängigkeit einen wesentlichen Anteil
an der wirtschaftlichen Entwicklung in PNG und leistet alljährlich
mit rund 300 Mio. australischen Dollar Entwicklungshilfe. Dazu kommt
Unterstützung durch internationale Finanzinstitutionen und bilaterale
Geldgeber.
Die mittelfristigen Wirtschaftsperspektiven bleiben schwierig. Alle Exportprodukte
leiden unter niedrigen Weltmarktpreisen. Bergbau (Ausbeutung der riesigen Gold-u.
Kupfermine Ok Tedi) und Forstwirtschaft (Abholzen des Regenwaldes mit staatlicher
Genehmigung!) haben zudem zu gravierenden Umweltschäden geführt.
Der internationale Fremdenverkehr findet eigentlich ein vielseitiges, faszinierendes
Land vor. Und doch sind die Besucherzahlen der vergangenen Jahre sehr verhalten,
sogar rückläufig. Im Jahr 2000 reisten gerade mal 14 000 Touristen
ein, im Vergleich zu jährlich rund 40 000 Einreisen in den achtziger Jahren.
Kritiker werfen den Regierungsverantwortlichen vor, Tourismus und seine Chancen
zu vernachlässigen, weiterhin als unwichtiges Beiprodukt der Wirtschaft
einzustufen. Die Optimisten wollen zwar keinen Massentourismus, den PNG weder
jetzt noch in 50 Jahren verkraften könnte, doch sie sehen im touristischen
Potential des Landes eine (Gold-) Mine, die erst noch frei gelegt werden muss. |