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Papua-Neuguinea im Überblick

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts Jahre war es, als diese Szene im Fernsehen rund um den Globus ging: Ein Hubschrauber landet zwischen ein paar Hütten in einem unzugänglichen Gebiet im westlichen Hochgebirge, nicht weit entfernt von Ok Tedi, der bedeutenden Gold- und Kupfermine im Herzen Neuguineas. Zaghaft nähern sich spärlich bekleidete, dunkelhäutige Menschen dem seltsamen Rieseninsekt. Verschreckt hören sie zum ersten Mal Popmusik aus einem Radiogerät der Besucher, ungläubig betrachten sie sich in einem Spiegel.

Papua-Neuguinea: Mendi

Festlich dekorierter Mann von Mendi

Ein von der modernen Welt abgeschiedenes, geheimnisvolles Land! Wo die Steinzeit andauert, wo unbekannte, kriegerische Stämme leben, die vielleicht - so munkelt mancher gerne – gar Kopfjagd und Kannibalismus praktizieren. Wo Krokodile, Schlangen, Malariamücken und viele andere Gefahren lauern.

Papua-Neuguinea! So viel Exotik steckt in diesem Namen, und allerlei Abenteuerliches vermittelt das klischeehafte Bild, das sich hartnäckig in Medien und Köpfen hält.
Das von Europa weit weg im Norden von Australien gelegene Land ist in der Tat mit vielfältigen Naturattraktionen gesegnet, die selbst erfahrenen Globetrottern das Staunen lehren. Atemberaubende, urzeitlich anmutende Gebirgspanoramen, aktive Vulkane, rauschende Wasserfälle, reißende Wildbäche, träge mäandernde Dschungelflüsse, vor den Küsten des Pazifiks und der Salomonensee Tauchgründe, die zu den besten der Welt zählen. Die Region Neuguinea stellt sich als geografische und kulturelle Übergangszone dar. Sie liegt zwischen dem indonesischen Archipel im Westen und den Inselgruppen von Neubritannien, Neuirland, Bougainville, den Salomonen-Inseln und weiteren pazifischen Inseln im Osten. Die Insel Neuguinea, die zweitgrößte der Erde, durchzieht eine zentrale Gebirgskette, die zu den Küsten hin steil abfällt. Bis zu 20 Kilometer weite Täler und mehrere hundert Meter tiefe Schluchten liegen zu Füßen mächtiger Berge, die in Papua Neuguinea mit dem Mt. Wilhelm in 4509 Meter ihre höchste Erhebung finden.

Und erst die Menschen! Mit mehr als 820 Sprachen unter den rund 200 bekannten Kulturgruppen ist Papua Neuguinea die in linguistischer Hinsicht vielfältigste Region der Erde. Eine Fülle an Lebensweisen und Sozialformen, die nach wie vor Sprachkundler, Ethnologen und Verhaltensforscher in ihren Bann zieht. Kriegerische Bergstämme, idyllisch siedelnde Küstenfischer, im Matriarchat lebende Insulaner, die Bewohner der ehrwürdigen Kunstregion am Fluss Sepik stellen nur einen Ausschnitt der farbenprächtigen Palette dar. Andererseits taucht PNG, wie es offiziell abgekürzt wird, ganz selten, wie anlässlich oben geschilderter Episode, in den Alltagsnachrichten auf. Hin und wieder bringen spektakuläre Vulkanausbrüche und Erdbeben die im „pazifischen Feuerring“ eingebettete Insel in die Schlagzeilen. Von einer langjährigen Rebellion auf der Nebeninsel Bougainville erfuhren zum Beispiel jedoch viele Menschen erst, als sie 2001/02 durch ein Friedensabkommen mit der Zentralregierung von PNG beigelegt wurde.
Die weltpolitische Randlage hat Geschichte. Portugiesische Seefahrer hatten die „Ilha dos Papuas“, „die Insel der Kraushaarigen", Anfang des 16. Jahrhunderts gesichtet. Sich ebenfalls durch Vegetation und Menschen an Afrika erinnernd hatten kurz darauf die spanischen Kontrahenten die Neuentdeckung "Nueva Guinea" getauft und erstmals den europäischen Seekarten einverleibt. Die einst durch eine Landbrücke mit Nordaustralien verbundene und erst mit Abschmelzen der Eiszeitgletscher vor rund 6000 Jahren abgetrennte Insel ist allerdings schon seit mindestens 50 000 Jahren von Menschen bewohnt. Erst im 19. Jahrhundert erlangte Neuguinea kolonialpolitische Bedeutung und wurde durch fast schnurgerade Grenzlinien am Verhandlungstisch aufgeteilt: Den Westen erhielt Holland, den Südosten die Briten, und der Nordosten kam als „Kaiser-Wilhelm-Land“ zum Deutschen Reich.

Goldsucher, Pflanzer und Wissenschaftler folgten Seeleuten und Händlern und wagten sich allmählich hinter die Küstenlinien vor, drangen auf entbehrungsreichen, oft tödlich endenden Expeditionen ins Innere der Insel vor. Die Entdecker fanden, in einigen Landesteilen erst zwischen 1950 und 1960, teils sesshafte Bauernvölker mit hoch entwickelter Feldwirtschaft, teils im dichten Bergdschungel jagende Halbnomaden vor. Sehr bald nach dem Erstkontakt wurden Missionare aus aller Herren Länder und verschiedenster Konfession aktiv, galt es doch, die „wilden“ Insulaner auf den entsprechend unterschiedlich interpretierten „rechten Glaubensweg“ zu bringen.
Während des ersten Weltkrieges nahmen die Engländer den Deutschen deren Besitz an der Bismarck-See wieder ab. Ein Vierteljahrhundert später lieferten sich Japaner und Alliierte in Neuguinea, das immerhin wie ein Bollwerk vor dem fünften Kontinent liegt, blutige Schlachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Australien den Osten als Mandats- beziehungsweise Protektoratgebiet. Der Westteil ist seit 1961, als die Holländer ihre letzte Kolonialbastion in Südostasien aufgeben mussten, eine Provinz Indonesiens. Deren Papua-Bevölkerung wartet bis heute auf die ersehnte und häufig gewaltsam umkämpfte Autonomie, während die ehemals deutschen und britischen Gebiete als Unabhängige Republik Papua Neuguinea bereits 1975 politisch selbständig wurden.

Port Moresby, bedeutender Hafen am Golf von Papua, ist Sitz der Regierung und größte Stadt des Landes. 360 000 der über 5.2 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung von PNG leben hier, wo 1873 Kapitän John Moresby als erster Europäer mit den Motu-Fischern des Pfahlbautendorfes Hanuabada Handel trieb. Das Dorf ist heute eins der ansehnlichen und sehenswerten Ziele in Stadt und Umgebung, wie Koki Market, Ela Beach, Idler’s Bay, Bootless Bay und die vorgelagerten Inselchen, die vor allem ansässige Expats und Veranstalter zum Tauchen und zu Bootsausflügen ansteuern. Ansonsten stellt Port Moresby zweifellos den krassen Kontrapunkt zum Rest des Landes dar: Modern, stellenweise gesichtslos und hektisch wie im Geschäftszentrum Boroko, laut, mit einer in fast allen Metropolen notorisch beunruhigenden Kriminalitätsrate, die auch aus der ungebremsten Abwanderung in den verschiedenen Provinzregionen von Papua Neuguinea resultiert. Meist suchen die Zugewanderten aus den Provinzen Unterstützung bei ihren „Wantoks“, die schon in der Stadt leben. Das „Wantok“-System (von One talk – eine Sprache) beruht auf dem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl und der Hilfsverpflichtung der Mitglieder einer Sprachgruppe.

Ästhetisch und aufgeräumt, aber auch abgehoben und leblos wirken die Bauten und Parkanlagen in Waigani, wo die meisten der Regierungsämter angesiedelt sind. Als absolute Höhepunkte gibt es dort das Parliament House mit seiner symbolträchtigen Architektur im Stil eines Kulthauses der Maprik-Region und das benachbarte National Museum & Art Gallery, das zu Beginn oder am Ende eines Besuchs in PNG einen ausgezeichneten kulturhistorischen und ethnologischen Überblick vermittelt. Erholung und Einführung in landestypische Flora und Fauna bieten die im Norden von Waigani angelegten National Botanic Gardens.

Papua-Neuguinea: Hochland

Im Hochland bei Tari, Mt. Hagen

Ein beachtlicher Teil der Neuguinea-Touristen interessiert sich für die Hinterlassenschaften des letzten Weltkrieges. Da suchen noch immer Japaner und Koreaner nach den Gebeinen ihrer Verwandten, hin und wieder durchkämmt ein US-Veteran ein Stück Urwald um sein damals abgeschossenes Flugzeug zu finden. Kaum ein Küstenabschnitt im Norden und Osten, an dem nicht verrostete Landungsboote und Panzer im Sand stecken, neben bunten Korallenbänken sind es Kriegswracks, die Taucher aus aller Welt unter Wasser locken. Rund um die Hauptstadt und in der angrenzenden Central Province sind etliche solcher „War Memorials“ verstreut. Die bekannteste und vorzugsweise in den relativ trockenen Monaten August und September intensiv erlaufene und erkletterte Gedenkstätte ist der Kokoda Trail, eine damals strategisch wichtige Nachschubverbindung zwischen Salomonen-See und Papua Golf, die durch steilen dampfenden Urwald verläuft.

Gute Straßenverbindungen sind im Archipel, aber auch auf der Hauptinsel, dem Festland, immer noch sehr spärlich. Von dem rund 20 000 km weiten Netz sind nur etwa 750 km für den Fernverkehr asphaltiert. Einige solcher Highways führen von Port Moresby in die Umgebung, auch die beiden bedeutenden Küstenstädte Lae und Madang sind durch eine Überlandtrasse verbunden. Die wichtigste Lebensader windet sich in Ost-West-Richtung quer über die Inselhälfte von Lae bis Lake Kopiago. Das letzte Stück ist ab Tari nur mit Geländefahrzeugen zu bewältigen.
Wer also in relativ kurzer Zeit viel vom Land sehen will, ist auf das Flugzeug angewiesen. Die stattliche Zahl von 500 Flugplätzen im ganzen Land spricht für sich – dass etwa 470 davon mit Schotter- oder Graspisten aufwarten, unterstreicht den „Last Frontier“-Charakter in weiten Teilen von PNG.

Die Atmosphäre von Abenteuer und Pioniererlebnis empfängt die Reisenden spätestens im Hochland, wenn sie sich in den Western Highlands, in der Chimbu Provinz, bei den Enga-Leuten in Western Highlands oder in den Southern Highlands rund um Tari bei den als „Wig men“ (Perückenmänner) bekannten Huli aufhalten. Die meisten der Highland-Stämme schicken alljährlich ihre Delegationen zu den weltberühmten Highland Shows, die in Mt. Hagen (3. Augustwochenende) und in größerem Stil in Goroka zum Unabhängigkeitstag (Mitte September) veranstaltet werden. Was im Kleinen die häufig gefeierten „Sing Sing“, farbensprühende Tanzfeste anlässlich von Hochzeiten, Weihnachten, Wahlkampagne, Kirchweihe, Papstbesuch oder „Pay back“ - Kompensationsritual nach Streitigkeiten mit oder ohne Schweinebraten im Erdofen - repräsentieren, offenbaren die überregionalen Schautreffen auf spektakuläre Weise: den Wettstreit faszinierender Körperdekoration zwischen den Teilnehmergruppen und den einzelnen Akteuren.
Vor rund 50 Jahren wurden diese Treffen der verschiedenen Ethnien ins Leben gerufen, um traditionelle Distanz und Furcht der Gruppen untereinander abzubauen. Verlässt man heute den Highland Highway und dringt beispielsweise auf Trekkingtouren ins Zentralgebirge vor, in das abgelegene Tal des Strickland River oder eventuell sogar bis auf die Gipfel von Mt. Otto oder Mt. Wilhelm, erkennt man unschwer die isolierte, weit verstreute Siedlungslage der Papuavölker. Noch immer tragen die Männer stolz Pfeil und Bogen, die zur Jagd und nicht selten auch bei Fehden zur Geltung kommen. Wie seit unzähligen Generationen bestellen die Frauen die Süßkartoffelfelder, und zeitlos erscheinen die Rundhütten in den kühlen Nebelschwaden, die sich über den Bergurwald legen.

Um so größer ist der Kontrast zu Klima, Landschaft und Lebensweise am Sepik, dem zu deutschen Kolonialzeiten Kaiserin Augusta-Fluss genannten Strom im Norden. Er ist neben dem in den Papua-Golf mündenden Fly River die wichtigste Wasserstraße von PNG. Wenn auch tropische Begleiterscheinungen wie Malariamücken und drückende Schwüle eine Reise an den Sepik erschweren, lohnt sich ein Besuch in diese einzigartige Gegend zwischen Bismarck-See und Hochland allemal. Kennern des pazifischen Kunstschaffens sind sie bestens vertraut, die Yatmül am Unteren und Mittleren Sepik und deren große Kulthäuser (Haus Tambaran), in denen wunderschön geschnitzte Masken an Naturgeister und Ahnen erinnern. Wo geheiligte Schlitztrommeln und Bambusflöten nur von den Big Men berührt werden dürfen, gestandenen Männern, die sich in Verehrung des mächtigen Krokodils unzählige Narben auf die Körper tätowieren lassen.

Zahlreiche Flusslagunen und Seen, wie die ebenfalls als eigene Kulturregion bekannten Chambri-Lakes, das Gebiet der Abelam bei Maprik, die im Hinterland südwestlich der Küstenstadt Wewak ihr Leben dem Yamskult unterordnen, gehören ebenfalls zu einer erlebnisreichen Sepik-Erkundung. Ganz harte Neuguineafreaks können sogar in gemieteten Motorkanus an den zahlreichen Nebenflüssen entlang bis zur Grenze nach Westpapua flussaufwärts fahren. Mit der Gewissheit, in eine Welt eintauchen zu können, wo die Steinzeit noch nicht vergessen ist.

Papua-Neuguinea: zum Tanzfest geschmückt (bei Madang)

Zum Tanzfest geschmückt

Als ob er ein Stück von der polynesischen Seite des Pazifiks wäre, stellt sich der wie die Samarai- und D’Entrecasteaux-Inseln zur östlichen Provinz Milne Bay gehörende Trobriand-Archipel vor. Erstmals internationale Beachtung fanden die flachen Koralleninseln durch die Literatur des Ethnologen Bronislaw Malinowski, der zu Zeiten, als der Erste Weltkrieg tobte, von den „Inseln der Liebe“ berichtete. Von anmutigen Menschen ist dort zu lesen, die im Matriarchat leben, ein für europäische Verhältnisse und im Gegensatz zum Rest des Landes sehr freizügiges Sexualverhalten praktizieren, möglichst dicke Yamsknollen züchten und mit ihren kunstvoll gebauten Auslegerbooten weite Reisen durch die Salomonen-See unternehmen. Die Hauptinsel Kiriwina hat ihr paradiesisch anmutendes Flair behalten und zieht trotz ihrer bescheidenen Infrastruktur regelmäßig Besucher an. Hin und wieder gehen in den geschützten Lagunen auch Weltumsegler und Kreuzfahrer vor Anker um die Südseeromantik und die fröhlichen Tänze der Trobriander zu genießen.

In der Kette von Inseln, die im Osten Papua Neuguineas die Bismarck- und die Salomonen-See vom Pazifik abtrennen, nimmt New Britain die größte Landfläche ein. Gleich zwei Provinzen haben auf ihr Platz. Die wenigen Bewohner von West New Britain hatten erst um 1960 intensiveren Kontakt mit Europäern und leben auch heute noch eher in einfachen Verhältnissen. Dicht, mehrheitlich von den Tolai besiedelt ist dagegen die Gazelle-Halbinsel in East New Britain. Die Deutschen legten hier weitflächig Pflanzungen an, entsprechend attraktiv war die Gegend für die feindlichen Konkurrenten. Als strategisch idealer Stützpunkt während beider Weltkriege erlebte vor allem die Hafenstadt Rabaul massive Angriffe von See aus. Doch den größten Schaden brachten ihr die aktiven Vulkane Tuvurvur und Vulcan bei, deren wütende Eruptionen von 1994 die einst blühende, geschichtsträchtige Stadt unter sich begraben haben. Heute ist Rabaul zu weiten Teilen von Asche bedeckt. Neue Siedlungen und Märkte sind entstanden, im Simpson Harbour ziehen die Fischerboote durchs stille Wasser, langsam erholen sich die Menschen von dem Schock und zeigen Besuchern die Ruinen, den rauchenden Tuvurvur und japanische Tunnelanlagen als makabre Attraktionen. Zum versöhnlichen Ausgleich bieten sich Schnorchelausflüge im Naturhafen und Bootstouren zu den Duke of York-Inseln an.

Lang und schmal liegt im Norden von New Britain die ebenfalls seit gut 30 000 Jahren besiedelte Inselprovinz New Ireland. Zwar hatten sich auch hier die kolonialen Verwaltungen und Plantagenbesitzer etabliert, doch New Ireland mit der Haupt- und einzigen Hafenstadt Kavieng blieb wenig bekannt und besucht. Noch wartet der Welt vermutlich größte Goldmine auf der vorgelagerten Insel Lihir auf Ausbeutung. Immerhin haben die verheerenden Vulkanausbrüche von Rabaul der Provinz zahlreiche Zuwanderer gebracht. Viele weiße Strände laden zum Baden und Faulenzen ein, die hübsche Stadt Kavieng lässt sich bequem mit dem Fahrrad erkunden, und in den größtenteils traditionellen Dörfer trifft man auf ausgesprochen freundliche Menschen.

Manus heißt die größte der Admiralitätsinseln in der nach ihr benannten Provinz weit im Norden der Bismarck-See. Nur wenige Reisende dringen bis hierhin vor, anders als während des Zweiten Weltkriegs, als rund eine Million australischer und amerikanischer Soldaten an Land gingen um die den Japanern abgejagte Inselbasis zu behaupten. Die soziologischen und kulturellen Auswirkungen dieser unfreiwilligen Kontakte hat übrigens die Ethnologin Margret Mead auf Manus studiert, bei den Bewohnern, die im Übrigen überdurchschnittlich gut gebildet und zu einem hohen Prozentsatz auf dem Festland in hohen Positionen vertreten sind.

Bleibt noch der Blick auf die North Solomon Province. Deren Hauptinsel Bougainville, die dort aktive Rebellenbewegung Bougainville Revolutionary Army, die umstrittenen Einsätze der offiziellen Truppen und damit verbundene Politikskandale waren in den vergangenen 20 Jahren immer wieder für negative Nachrichten gut. An Landrechtsfragen bezüglich einer großen Kupfermine entzündete sich ein bürgerkriegsartiger Konflikt, der in den folgenden Jahren über 20.000 Todesopfer und mindestens ebenso viele Vertriebene forderte. Schon zu Kolonialzeiten gab es vehementen Widerstand gegen Fremdbestimmung in dieser nahe des Nachbarstaates Salomoneninseln gelegenen Provinz. Seit 1964 die überaus ertragreiche Kupfermine Panguna aufgetan wurde, kamen alte und neue Landstreitigkeiten zu den Querelen um Autonomie hinzu. Immerhin produzierte Panguna bis zu der durch die kriegerischen Auseinandersetzungen erzwungenen Schließung 1989 zeitweise 45 Prozent des Staatseinkommens von PNG. Die Bewohner, allgemein als Buka bekannt, sprechen rund 20 unterschiedliche Sprachen und sind in matrilinearen Verwandtschaftsgruppen organisiert. Ihr landesweit auffälliges Merkmal ist die sehr dunkle Hautfarbe und - vor allem bei Kindern und Jugendlichen häufig – strohblondes Haar. Ihre politische Zukunft ist ungewiss. Immerhin hat die Unterzeichnung des Friedensabkommens von Arawa auf Bougainville im Frühjahr 2002 die Entwaffnung der Rebellengruppen veranlasst. Der Vertrag stellt weitgehende Autonomie für die Insel und in einigen Jahren ein Unabhängigkeitsreferendum in Aussicht.

Wie eingangs gesagt, assoziieren wir gerne das Pazifikland Papua Neuguinea mit der kriegerischen Tradition seiner Bewohner. Den Krieg auf Bougainville hat die Weltgemeinschaft kaum registriert. Bleibt zu hoffen, dass die Sehnsucht der Bewohner nach Frieden mehr Aufmerksamkeit erlangt.

Albrecht G. Schaefer

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