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Reiseführer Nordzypern

Zeus-Tempel und Agora

Am südlichen Ende des Forums (Agora) erhebt sich das stufengesäumte Podium des Zeus-Tempels. Außer seinem Unterbau sind nur noch einzelne malerisch im Umkreis verstreute Baufragmente erhalten, darunter mächtige Säulentrommeln und korinthische Kapitelle. Französische Archäologen haben in jahrelanger Arbeit die Baugeschichte und Funktion des Heiligtums erforscht und dankenswerterweise seine beeindruckende Gestalt zeichnerisch wiedererstehen lassen.

Die Ruinenlandschaft von Salamis: Säulenreste am Zeus-Tempel, am Ende der Agora

Dekorative Überreste des Zeus-Tempels

Auf den Fundamenten eines hellenistischen Vorgängerbaus vom Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. war in augusteischer Zeit (bald nach der Zeitenwende) der harmonisch proportionierte Zeus-Tempel entstanden. Eine über die gesamte Breite reichende, noch heute sichtbare Front hoher Stufen war seiner Nordseite vorgelagert. In die Stufenfront eingepasst, führte eine Freitreppe in die von zwei Reihen mit je sechs Säulen getragene Vorhalle (Portikus). Im Hintergrund lag das fensterlose Allerheiligste, die Cella, Wohnsitz der Gottheit, Domizil ihres Standbildes. Kolonnaden flankierten die Cella, je vier Säulen waren es an den Längsseiten, sechs an ihrer Rückseite.
Wenn auf dem Gelände Ende des 19. Jahrhunderts gefundene Inschriften richtig gedeutet wurden, dann war der Zeus-Tempel eines von drei zyprischen Heiligtümern, die das Recht der Asylgewährung besaßen (neben den Aphrodite/Venus-Heiligtümern von Paphos und Amathus). Bedrohte Menschen, die sich in ihrer Not an einen dieser heiligen Orte flüchteten, standen unter dem Schutz der Götter. Ihre Verfolgung war ausgesetzt. Asylsuchende galten als unantastbar.
Zu den bedeutendsten Funden im Tempel-Areal zählt der arg angeschlagene und stellenweise durchlöcherte Kopf einer großen Bronzestatue, der als Abbild des römischen Kaisers Claudius (reg. 41-54) identifiziert wurde. Claudius war der Ehemann zweier berühmt-berüchtigter antiker Frauengestalten: der zügellosen Messalina und der aus Köln (Colonia Agrippinensis) gebürtigen Agrippina. Von dem bronzenen Originalkopf wurde in den Werkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz ein Kunststoffabguss hergestellt. Ob der Fund den Schluss zulässt, auch in Salamis sei der römische Kaiserkult gepflegt worden (womöglich als „natürliche“ Fortsetzung der salaminischen und ptolemäischen Königskulte), ist strittig.

Agora (Forum)

Die in der ursprünglichen hellenistischen Bauausführung dem Zeus-Tempel vorgelagerte langgestreckte Esplanade, ein von Kolonnaden eingefriedeter Tempelbezirk, wurde nach den Erdbebenzerstörungen in den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts in ein Forum, einen Marktplatz, umgewandelt – in einen der größten des römischen Imperiums. 1937 kam die englische Reisende Olive Murray Chapman hierher und erzählte darüber in „Across Cyprus“:

„Urplötzlich tauchten vor meinen Augen kolossale Massen von Ruinen auf. Sie säumten die Seiten des einst berühmten Forums . . . Wie das ganze salaminische Gelände ist auch hier alles mit Dorngestrüpp und Unterholz überwuchert, doch in letzter Zeit macht man sich daran, die gewaltigen Reihen geborstener Säulentrommeln freizulegen. Die Überreste des steinernen Forums vor Augen, kann ich mir lebhaft vorstellen, wie eindrucksvoll dieser Schauplatz in seiner Glanzzeit gewesen sein muss.“

Die Ruinenlandschaft von Salamis: An der Agora

An der Agora

Heute säumen wie damals die umgestürzten Säulen das Forum und das Terrain liegt frei von Bewuchs auf 228 x 55 m vor dem staunenden Betrachter. Spektakulär ist allein das Ausmaß des Forums, wo einst im Angesicht des Hauptheiligtums der Stadt Händler und Käufer, Flaneure und Bettler, Seeleute und Sklaven zusammenströmten, wo das politische und kommerzielle Herz von Salamis schlug. Im Schatten der neun Meter hohen Säulen, die sich zwischen Wasserreservoir und Zeus-Tempel zu zwei langen Reihen formierten, lagen die Geschäfte und Werkstätten, schmückten Götterbilder und Statuen prominenter Politiker und Militärs die Anlage. Obst und Gemüse, Keramikwaren und Stoffe, Öl und Wein wechselten hier den Besitzer, machten Gerüchte die Runde, wurden Intrigen gesponnen, Heiraten arrangiert – nicht anders als in den Souks und Basaren unserer Zeit.

 



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