|
HOME INHALT:Nordzypern INHALT: Reiseführer HILFE |
137 Räume und ein Schatz Der leider nur noch in seinen Fundamenten erhaltene Palast bedeckt die imponierende Fläche von 81 x 60 m. Mit einem wahren Schilderwald versucht das Department of Antiquities den Besuchern die Stätte zu erschließen. Man weiß, daß der herrschaftliche Bau auf Steinplatten oder dem natürlichen Felsgrund errichtet wurde. Rechteckig zugeschnittene, geglättete Steine und sonnengetrocknete Lehmziegel fanden für die Mauern Verwendung, aber auch Holz kam zum Einsatz wie etwa als Dachbalken und Sturzträger. Aus Holz war auch die Treppe, die ins obere Stockwerk führte. Unter ihren Trümmern fanden die Ausgräber den „Schatz von Vouni“. Da die Gänge zwischen den 137 kleinen und großen Räumen dem Auf und Ab des Felsprofils folgten, wurden Höhenunterschiede durch Treppenstufen überwunden und Unebenheiten im Boden mit Zement ausgeglichen. Auch fand man heraus, dass die Tore vor den breiten Eingängen schon auf Zapfen bewegt wurden. Mit Stroh waren die leicht geneigten Dächer gedeckt und durch aufgestrichenen Lehm oder Kalk leidlich gegen Regen abgedichtet. Das ablaufende Wasser leitete man durch Regenrinnen und Rohre in zementverputzte, mühsam aus dem Fels herausgeschlagene Zisternen. Unter dem zentralen Hof liegt das größte dieser Wasserreservoire, von dem ein unterirdischer Kanal in ein Nebenbecken unter einem der seitlichen Räume führt. Ohne Frage war die Wasserversorgung der Palastanlage eine heikle Angelegenheit, denn Quellen gab es nicht und Tiefbrunnen konnten wegen des felsigen Untergrunds nicht angelegt werden.
Um die Mitte des 5. Jahrhunderts kam es zu einschneidende Umbauten. Während dieser 3. und einer weniger ins Gewicht fallenden 4. Bauphase verlegte man den Eingang von der Südseite an die nordwestliche Ecke und blockierte den ursprünglichen Zugang. Eine Flucht großer Lagerräume erweiterte den Bau an seiner südöstlichen Seite und es wurde ein oberes Stockwerk errichtet. Diese Umorientierung der Palastanlage, so die (mittlerweile angezweifelte) herkömmliche Interpretation, belege eine Annäherung an die griechische Megaron-Architektur, während die erste Bauphase Gemeinsamkeiten mit dem Liwan-Typus anatolisch-nordsyrischen Ursprungs aufweise. Gegenüber dem Parkplatz stößt man auf einer kleinen Erhebung auf die spärlichen Reste eines Athena-Tempels. Kaum zu glauben, dass hier sensationelle Funde ans Tageslicht kamen, darunter ein 21,5 cm großes Bronzerelief. Es zeigt zwei Löwen, die einen Stier schlagen, die berühmte 19 cm große bronzene Votivfigur eines Rindes und eine Terrakottadarstellung, die zeigt, wie Athena einen Streitwagen besteigt – großartige Kunstwerke, die im Zypern-Museum / Nicosia ausgestellt sind. Um den Palast herum liegen die Fundamente verschiedener Kulträume und Heiligtümer und kaum noch auszumachen sind die Reste einer Siedlung, die sich in der Antike über den südlichen Hang verteilte und mit starken Mauern gesichert war. |