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Der
kleine Kuppelbau im Schatten der Selimiye gehörte früher zu
einem für orientalische Städte charakteristischen Ensemble
von Kultbauten und sozialen Einrichtungen, das im Türkischen "külliye"
genannt wird. Meist auf dem Wege der Stiftung wurden religiösen
Stätten und Orten der Lehre (Moscheen, Medresen) "dienende
Bauten" wie Bäder und Brunnen, Garküchen, Bibliotheken,
Spitäler zur Seite gestellt und auf diese Weise große Zentren
der Belehrung und Forschung, Ertüchtigung und Mildtätigkeit
ins Leben gerufen. Von der "külliye" im Herzen Lefkosas
zeugen noch die Freitagsmoschee "Selimiye" und zwei Brunnen
sowie die Bibliothek, die den Namen ihres Stifters, Sultan Mahmut II.
(reg. 1803-1839), trägt.
1829 erbaut, ist dieses Kleinod
osmanisch-zyprischer Baukunst recht gut erhalten. Eine große Kuppel
überspannt den Hauptraum und zwei kleinere den offenen Eingangstrakt
und den angrenzenden Bibliothekarsraum. Über dem Eingang zum Büchersaal
prangt eine dekorative Marmorplatte mit der Inschrift "Dieses ist
eine Bibliothek". Auch vom Stifter gibt es eine Hinterlassenschaft:
seine "tugra", das Hoheitszeichen des Herrschers, ziert das
Südfenster des erwähnten Dienstzimmers.
Beim Eintritt in den Büchersaal
fällt der Blick auf alte Regale, Vitrinen und Schaukästen,
die ihren kostbaren Inhalt oft nur nachlässig aufbewahren, aber
hier und da auch etwas umsichtiger zur Schau stellen. Der kleinere Teil
der insgesamt 1.832 Bucheinheiten stammt aus dem Nachlaß des Sultans
Murat IV. (reg. 1623-1640). Die meisten Bücher wurden von Sultan
Mahmut II. gestiftet, auch einige Bürger Lefkosas trugen zum Bestand
bei.
Viele der aus dem alttürkischen
(osmanischen) Sprachraum stammenden Bücher sind schöne Beispiele
für die damals meisterhaft beherrschte Buchkunst, die sich in reich
ornamentierten Ledereinbänden, marmoriertem Papier und kunstvollen
Illuminationen in Goldfarben Ausdruck verschaffte. Eine islamische Bibliothek
dieses Zuschnitts deckt in der Regel die traditionellen Wissensgebiete
wie islamisches Recht und islamische Religion ab. Daneben archiviert
die Sultan Mahmut II.-Bibliothek Literatur zu den Themenbereichen Philosophie
und Biographie, Poetik und Sprachwissenschaft, auch "Fetvas"
(das sind weise Aussprüche, Urteile und Rechtsgutachten des "müftü",
des religiösen Oberhaupts der Muslime Zyperns) und "Hadis",
Berichte über Aussprüche oder Handlungen des Propheten Mohammed.
Die kleine Bibliothek kämpft
gleich mit einer ganzen Reihe von Problemen. So müssen die kostbaren
Bände alttürkischen, persischen und arabischen Ursprungs dringend
vor den klimatischen Einwirkungen geschützt , die Übersichtlichkeit
der Präsentation verbessert werden. Katalogisierung und Bestandserschließung
brauchen neue Impulse (und Finanzmittel), um der wissenschaftlichen
Forschung die Arbeit zu erleichtern.
Die kostbaren Buchbestände
wurden mittlerweile im Nationalarchiv in Girne aufgestellt, wo eine
sachgerechte Pflege und Erschliessung gewährleistet sind.
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