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Reiseführer Nordzypern

Kloster Sourp Magar

Man sollte die Gelegenheit zu einem Waldspaziergang nutzen und dem Wagen nicht die steile, geröllbedeckte Piste zumuten. Was den Besucher am Ende des Weges erwartet, zählt zu den zwiespältigen Erfahrungen, denen man nirgendwo auf Zypern entrinnen kann. Statt malerisch dahindämmernden Klosterbauten, begegnen wir einer heruntergekommenen Anlage, die schutzlos dem Verfall preisgegeben ist und überdies Spuren mutwilliger Verwüstung trägt: "nur" blinde Zerstörungswut oder doch politisch motivierter Vandalismus vor dem Hintergrund türkisch-armenischer Animositäten ?

Kloster Sourp Magar (23989 Byte)

Die Klosterbauten entstanden in den Jahren 1811/14, nachdem ein Erdbeben das mittelalterliche Gebäudeensemble zertrümmert hatte. Sie gelten als architekturhistorisch bedeutungslos, wenn man von einigen Komponenten -Türen und Fenster an der Ostseite- absieht, die von schön geformten Rund- und Spitzbögen eingefaßt sind. Sie sollen Überbleibsel von Vorgängerbauten aus dem 15. Jahrhundert sein. Die erste Klostergründung an diesem idyllischen Ort, 570 Meter über dem Meer, liegt lange zurück. Um das Jahr 1000 errichtete die kleine Gemeinde in Zypern ansässiger koptischer Christen aus Ägypten hier einen Konvent, den sie dem heiligen Eremiten Makarios aus Alexandria weihten. Der Alexandriner, den man auch den "Städter" nannte, wurde Ende des 3. Jahrhunderts geboren. Etwa mit dreißig Jahren gab er seine Tätigkeit als Händler auf und ging in ein Kloster. Später gehörte er als Priester der Eremitenkolonie in der Nitrischen Wüste, etwa 70 km südöstlich von Alexandria, an. Die Überlieferung spricht von zahllosen Wundertaten, die er Kraft seiner intensiven Gebete bewirkt habe. Makarios der Alexandriner, wie er zur Unterscheidung von seinem berühmten Zeitgenossen Makarios der Ägypter genannt wird, starb im Jahre 394 in dem Gebiet Kellia (= Zellen) in der südlichen Nitrischen Wüste.

Eine 1425 ausgestellte Urkunde belegt, daß die Klosteranlage Surp Makar zu dieser Zeit schon der armenischen Kirchengemeinde Zyperns gehörte. Ein anderes Dokument aus dem Jahre 1642 berichtet über die Freistellung des Klosters von Steuerzahlungen an die osmanische Verwaltung. Surp Malar galt als wohlhabend. Immerhin zählten 10.000 Donum Land (ca. 1.333 ha) zu seinem Besitz, dazu Tausende von Oliven- und Johannisbrotbäumen, Waldparzellen, ein Haus mit Gärten und Wasserrechten in unmittelbarer Nähe von Zyperns einst ergiebigster Quelle (Kefalovrysi in Degirmenlik, griechisch: Kythrea). Der Ertrag aus Vermietungen, Land- und Forstwirtschaft kam der armenischen Gemeinde zugute und dem Erhalt des Klosters. Wenn auch nur wenige Mönche zur Bruderschaft von Surp Makar zählten, entwickelte sich der idyllische Ort in den Bergen doch zu einer wichtigen Begegnungsstätte zyprischer Armenier mit Glaubensbrüdern benachbarter Länder. Der für Zypern zuständige Katholikos (Oberbischof) der armenischen Kirche im Libanon hielt ein Auge auf das Kloster. Hochrangige Kirchenleute quartierten sich hier für längere Zeit zu Studien ein. Als die letzten Mönche das Kloster wohl in den fünfziger Jahren verließen (ihre Zellen sind in dem Trakt nördlich der Kirche leidlich erhalten), verstärkte sich noch die Funktion Surp Makars als eine Art Gemeindezentrum der zyprischen Armenier.

Schon in der Vergangenheit hatte das Kloster Aufgaben übernommen, die man an diesem Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit nicht erwartet, so nach den Progromen an Armeniern in Anatolien (1895/96). Damals retteten sich Hunderte von Flüchtlingen, darunter viele Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, unter den Schutz der Engländer auf Zypern. Die ungewisse Zukunft der Kinder veranlaßte Varhan Kurkjian, einen Überlebenden der Progrome im anatolischen Aintab, aus Spendengeldern in Nicosia ein Waisenhaus mit angeschlossener Schule einzurichten. Der Schulbetrieb wurde im Sommer in das Kloster Surp Makar verlegt. Auch Kinder aus "deghatsi"-Familien (das sind alteingesessene armenische Familien) nahmen an dem Unterricht teil. Das Waisenhaus, die vielgerühmte Schule, die mannigfaltigen Aktivitäten, die von hier ausstrahlten, sind den Armeniern unserer Tage als bedeutender Abschnitt ihrer Gemeindegeschichte in lebhafter Erinnerung. Wer den heißen Sommertagen in Nicosia entfliehen konnte, zog sich in die Kühle des Troodos-Gebirges zurück. Für die Armenier war dagegen das Klostergelände von Surp Makar die erste Sommeradresse. Zelte und zu spartanischen Unterkünften umfunktionierte Klosterräume nahmen sie auf. An den Wochenenden, an Fest- und Feiertagen stießen weitere Besucher dazu. Hauptereignis war das Fest zu Ehren des heiligen Makarios am ersten Sonntag im Mai. Diese "madagh" genannte Zeremonie, eine Mischung aus religiösem Ritual und ausgelassenem Volksfest, wurde nach der Teilung der Insel (1974) erstmals wieder 1983 auf dem Gelände des armenischen Melkonian-Instituts im griechischen Sektor Nicosias gefeiert.

 



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