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Reiseführer Nordzypern

Mevlevi Museum

Der einstöckige, von sechs Kuppeln überwölbte Bau an der Girne-Straße war bis Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts die Heimstatt des Sufi-Ordens der „Tanzenden Derwische“ in Zypern. Als das Kloster wegen Nachwuchsmangels schließen mußte, plädierten weitsichtige Planer für eine Umwidmung der Anlage zu einer Erinnerungsstätte des Derwischordens mit integriertem volkskundlichem Museum. So wurde Besuchern die seltene Gelegenheit zu einer faszinierenden Begegnung mit der geheimnisumwitterten islamischen Bruderschaft der „Tanzenden Derwische“ geboten und sie erhielten Einblicke in das türkisch-zyprische Alltagsleben vergangener Zeiten.

In der Hauptstadt Nicosia (Lefkosa): Im Mevlevi Museum, der frühere Kultort des Ordens der "Tanzenden Derwische"

Alte Grabsteine eines aufgelassenen Friedhofs

Nach umfangreichen Renovierungen und Ausgliederung der volkskundlichen Exponate öffnete das Haus am 17. Dezember 2002, dem Todestag des Ordensstifters Mevlana Celaleddin, seine Pforten als reines Ordensmuseum.

Wahrscheinlich steht das ehemalige islamische Kloster aus dem 17. Jahrhundert an der Stelle eines Vorläuferbaus, den die neuen, osmanischen Machthaber bald nach der Eroberung Zyperns errichtet hatten. Es entwickelte sich während der osmanischen Zeit zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum, in dem die Tradition des mystischen Islam (Sufismus) fortlebte. Als im Zuge der Säkularisierungsvorhaben der jungen türkischen Republik unter Kemal Atatürk im Jahre 1925 die Derwisch-Klöster geschlossen wurden, blieb die Anlage in Nicosia davon unberührt. Die britische Kolonialadministration stellte es den zyprischen Muslimen frei, den türkischen Reformen zu folgen oder die vertrauten Gewohnheiten und Institutionen beizubehalten.

Man betritt die Anlage durch einen Torbogen mit einer darüber angebrachten Huldigung an den Stifter des Ordens, Mevlana Celaleddin-i Rumi. Der türkischstämmige Sufi war 1217 mit seiner Familie vor den heranstürmenden Mongolen aus Balkh im heutigen Afghanistan nach Westen geflohen, betrieb hier intensive Studien und wirkte im türkischen Konya als Prediger. Die Begegnung mit einem Wanderprediger aus Täbriz gab seinem Leben die entscheidende Wendung: der charismatische Fremde aus Persien öffnete ihm die Tore zur Mystik und Poesie, zur Musik und zum Tanz und weckte in ihm den Gedanken an die Gründung einer Bruderschaft. Sein Sohn Veled nahm die Idee auf und rief die ersten Gemeinschaften „Tanzender Derwische“ ins Leben.

Alte Grabsteine eines aufgelassenen Friedhofs begleiten den Weg über den Hof zum Eingang des Hauptraums, den das zwei Stufen unter dem Raumniveau angelegte Oval der Tanzfläche (türk.: semahane) dominiert. Niedrige Balustraden trennen die Fläche von den Zuschauerplätzen. Das Orchester nahm auf einer hölzernen Empore Platz und begleitete von hier oben die Tänzer. In die nach Mekka gerichtete Südwand des Tanzraumes ist die mit zierlichen Olivenzweigen und dem kalligraphischen Spruch „Wir sind hier zusammengekommen, um Dir zu Ehren Gebete zu singen“ ausgeschmückte Gebetsnische (mihrab) eingelassen.

In der Hauptstadt Nicosia (Lefkosa): Im Mevlevi Museum, der frühere Kultort des Ordens der "Tanzenden Derwische"

Figuren tanzender Derwische

Historische Fotos und Reproduktionen osmanischer Miniaturen sowie kunstvoll geschriebene Auszüge aus dem 26.000 Verse umfassenden Hauptwerk „Mesnevi“ (persisch: „Mathnawi“), einer Sammlung mystischer Ideen und volkstümlicher Erzählungen des Meisters, vermitteln einen Einblick in die fremde Welt der „Tanzenden Derwische“. Alte Gebetsteppiche und die typischen Musikinstrumente des Ordens, dazu Derwischfiguren in natürlicher Größe in ihren Originalgewändern vertiefen das Bild. Die einzige noch erhaltene Mönchszelle links des Eingangs erlaubt einen Blick in das Alltagsleben eines Derwischs. Man sieht einen Tisch, Kochgeräte und andere Utensilien.

In der Hauptstadt Nicosia (Lefkosa): Im Mevlevi Museum, der frühere Kultort des Ordens der "Tanzenden Derwische"

Neben dem Mihrab führt ein enger Durchgang in das Mausoleum. Hier sind die mit steinernen Nachbildungen der für den Orden so charakteristischen Kamelhaarkappen gekrönten sechzehn Sarkophage (vielmehr: Kenotaphe = leere Grabmale) der früheren Scheichs dieser Ordensstätte aufgereiht. Im dem langgezogenen, durch Bögen sechsfach unterteilten Trakt parallel zur Girne-Straße ruht ganz am Ende, im einzigen Doppelgrab, mit seiner Lebensgefährtin der Scheich Fevzi Dede, der die Koransure am Girne-Tor anbringen ließ und im ersten Sarkophag, gesehen vom „semahane“, soll das letzte amtierende Oberhaupt (1934 – 1955), Selim Dede, seinen Ruheplatz haben.

 



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