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Reiseführer Nordzypern

Mersinlik-Vounari

Als „Vounari“ 1963 erstmals in die Liste archäologischer Stätten aufgenommen wurde, klassifizierte man die Örtlichkeit als „befestigte Siedlung oder Festung“ aus der Mittleren und Späten Bronzezeit. Doch es blieben Zweifel. Ein Archäologenteam der New Yorker Columbia University ging der Sache nach. 1970 begann es mit Grabungen auf dem Hügelplateau, parallel dazu unterzog man das umliegende Gelände auf einer Fläche von 4 X 4 Kilometern einer systematischen archäologischen Erkundung. Dabei wurden nicht weniger als 35 (!) Stätten lokalisiert und identifiziert, datierbar in die Zeitspanne vom Neolithikum bis in die römische und byzantinische Epoche.

Hügel Vounari, Mersinlik, NordzypernAuf dem Hügel „Vounari“, der sein Umfeld um gut 10 m überragt und an seiner Basis einen Durchmesser von 55 m aufweist, wurde die Feldarbeit mit der 4. Kampagne (1973) abgeschlossen. Die anfänglichen Zweifel hatten sich bestätigt: Allein die geringen Ausmaße des Plateaus (24 X 20 m) sprachen gegen einen befestigten Palast oder eine umwallte Siedlung. Es gab weit und breit keine Quelle oder Überreste einer Zisterne und ohne sichere Wasserversorgung erschien eine dauerhafte Besiedlung des Hügels undenkbar. Dagegen lieferten die bei den Ausgrabungen zutage geförderten Fundstücke und die freigelegten Mauerreste überzeugende Anhaltspunkte für die Existenz eines Heiligtums.

Altzyprische Heiligtümer, zumal ländliche, relativ isolierte, sind durch eine Steinumwallung von der Außenwelt abgeschlossen. Innen ist eine mehr oder weniger differenzierte Aufteilung erkennbar, Votivgaben finden sich um einen Altar gruppiert oder in einem Innenraum aufgestellt. „Vounari“ wies alle diese Merkmale auf.

Das Heiligtum

Die Rekonstruktion der Fundstätte gestaltete sich schwierig, denn ein Erdbeben hatte die Anlage zu großen Teilen in Trümmer gelegt und wetterbedingte Erosion ihren Teil zur Zerstörung beigetragen wie auch die Bauern benachbarter Dörfer, die Massen von Steinen abtransportiert hatten, um damit ihre Felder zu begrenzen und Häuser zu bauen. Außerdem war der Hügel hin und wieder sogar als Ackerland genutzt worden.

Nach und nach konnten die Schichten freigelegt und gedeutet werden. Die ältesten Spuren (wahrscheinlich nur ein Raum, wenn man so will: das Urheiligtum), stammen vom Ende der Mittleren Bronzezeit um 1650 v. Chr. In der Späten Bronzezeit (etwa 1550-1450) entstand auf dem Hügel eine 16 X 16 m große Plattform, aufgeschichtet aus Tonnen von Bruchsteinen, seitlich gestützt durch sauber bearbeitete Kalksteine und verstärkt mittels anliegender Stützpfeiler. Dieses Podium, der heilige Platz, wird karg ausgestattet gewesen sein mit wenigen Bänken, dem Altar, vielleicht Verschlägen für Opfertiere. Umschlossen wurde das Quadrat von Steinwällen. An ihrer Nordseite lag der aufwendig gestaltete Eingang.

Man fand Objekte einschl. Votivgaben in allen Schichten, nicht sehr viele, aber sehr aussagekräftige. Dazu gehörten Keramikgefäße, Steinwerkzeuge, eine Terrakotta-Statuette, Bleigewichte, Bronzegeräte, Statuen, der Kopf einer Göttin (Aphrodite?). Welcher Gottheit die bronzezeitliche Anlage geweiht war, lässt sich nicht ergründen. Als das Heiligtum nach einer vielleicht 500jährigen Unterbrechung in kypro-archaischer Zeit (so etwa gegen 750 v. Chr.) reaktiviert wurde, könnte Aphrodite hier verehrt worden sein, was für die noch jüngeren Epochen bis in hellenistische Zeit erst recht gelten wird. Selbst unter römischer Besatzung und noch im Mittelalter ist der Platz genutzt worden, in welcher Funktion ist freilich nicht bekannt.

Noch ein Wort zu Melissa. Die 3 – 4 km westlich von Vounari liegende antike Örtlichkeit wurde 1970 von den Archäologen der Columbia University Expedition entdeckt und ab 1971 erkundet. Aufgrund der politischen Situation konnten die Ausgrabungen nicht wie vorgesehen fortgesetzt werden.

Überreste eines großen Gebäudes mit sieben Räumen und gewaltigen Vorratsgefäßen aus dem Zeitraum 1600 – 1400 (Späte Bronzezeit) konnten freigelegt werden. Ein anderes, es ist gut 200 Jahre jünger, erbrachte besonders reiche Funde, die den Schluß zulassen, dass auch hier (vermutlich nur für kurze Zeit) ein Heiligtum existierte und danach eine bedeutende Keramikproduktion einsetzte, der Ort internationale Verbindungen unterhielt und wohlhabende Bürger in seinen Mauern lebten.

 



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